Jugendliche sollen lernen, richtig mit Alkohol umzugehen

„Wir wollen nicht den Spaß versauen“

Günther Hübner, Hero Mennebäck, Helga Stilke und Dorothee Engelke (v.l.) setzen sich für präventive Maßnahmen im Jugendschutz ein.

Oldenburg - DELMENHORST (cs) · „Jugendliche greifen häufig zur Flasche, um ihre Probleme herunter zu schlucken“, vermutet Dorothee Engelke, zuständig für den Jugendschutz bei der Stadt Delmenhorst. Präventive Maßnahmen sollen helfen, den exzessiven Alkoholkonsum von jungen Menschen einzudämmen. Ein Mittel, damit Minderjährige nicht so leicht an Alkohol kommen: Testkäufe in Tankstellen, Supermärkten und Kiosken. Die hatten aber in Delmenhorst in den vergangenen Monaten erschreckende Ergebnisse gebracht.

„Die jüngsten Testkäufe im Dezember und März waren alarmierend“, so Engelkes Kollege Hero Mennebäck. Am 19. März hatte es zwölf Testkäufe und acht Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz gegeben, am 11. Dezember waren es bei neun Stichproben sogar acht Verstöße. Im März, Juni und September 2009 hatte es wesentlich weniger Verstöße gegeben. „Insgesamt hatten wir 2009 bei 51 Testkäufen 17 Verstöße – also in 33 Prozent der Fälle“, berichtet Helga Stilke von der Polizeiinspektion Delmenhorst / Oldenburg-Land. „Im Landkreis Oldenburg wurden bei 14 Kontrollen sechs Verstöße festgestellt, eine Quote von 43 Prozent.“ Damit lagen Stadt und Landkreis zwar noch unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt mit einer Quote von 44,5 Prozent. Zufrieden sind Jugendschutz und Polizei mit den Ergebnissen aber trotzdem nicht. „Gerade wenn junge Menschen viel Alkohol konsumieren, hat das negative Langzeitfolgen“, so Engelke. „Das Problem ist, dass Alkohol als Kulturdroge von der Allgemeinheit und auch von Eltern akzeptiert wird.“ Sie betont auch, dass das Trinken zum Erwachsenwerden dazu gehöre. Natürlich kämen bei der Polizei nur die Negativ-Beispiele an, erklärt Stilke. Viele junge Menschen würden sicherlich den Umgang mit Bier, Wein und Co. lernen. Aber es gibt Tendenzen, die die Jugendschützer entsetzen: „Wenn einer nicht mehr kann, wird er von seiner Clique liegen gelassen“, so Günther Hübner von der Stadt Delmenhorst. „Zivilcourage im eigenen Kreis“, dazu ruft Stilke die jungen Menschen auf.

Damit sie aber erst gar nicht illegal an Alkohol gelangen, dafür sind Verkäufer und Eigentümer von Einzelhandelsmärkten, Kiosken und Tankstellen zuständig. „Wir dachten, unsere ersten Kontrollen würden fruchten“, so Stilke. „Die neuesten Zahlen sind aber alarmierend.“ Zum einen liege die höhere Quote wohl daran, dass bei den ersten Testkäufen 15- bis 16-Jährige als „Versuchskaninchen“ eingesetzt wurden. In den jüngsten Fällen waren es dann meist 17 Jahre alte Testkäufer. „Das war sicherlich ein Faktor“, vermutet Mennebäck. Trotzdem keine Entschuldigung: Schließlich besteht die Prüfungspflicht für die Verkäufer. „Erschreckend war, dass in vier der acht Fälle im März die Verkäufer sich die Ausweise haben zeigen lassen, sich dann aber stumpf verrechnet haben“, so Mennebäck. Viele hätten, so vermutet er, auch gar keinen richtigen Blick auf den Perso geworfen. „Positiv war nach den ersten Testkäufen, dass an vielen Orten Kassensysteme eingerichtet wurden, die bei Alkohol extra piepen oder sogar das Mindestgeburtsdatum der Käufer anzeigen“, weiß der Jugendschutzbeauftragte. „Das sind vorbildliche Systeme – die aber nichts bringen, wenn das Piepen ignoriert wird und einfach auf ‚Weiter‘ gedrückt wird“, so Hübner. Werden die Verkäufer erwischt, folgt für die Ladeninhaber ein Bußgeld. Je häufiger, desto höher – bis in den vierstelligen Bereich kann die Strafe hineingehen. In ernsten Fällen droht der Entzug der Konzession zum Alkoholverkauf.

Dorothee Engelke spricht jetzt mit den „schwarzen Schafen“ unter den Verkäufern. Die seien einsichtig, berichtet sie. Trotzdem: Die Testkäufe gehen weiter. Und auch andere Kontrollen von Jugendlichen, wie beispielsweise beim Stadtfest und bei der „School-out-Party“ in der Graft. „Wir wollen den jungen Leuten den Spaß nicht versauen“, betont Hübner. „Wir sind auch zu deren eigenem Schutz vor Ort.“

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