Hauptvorstandssitzung des DSB: Schausteller beurteilen Saison insgesamt positiv / Forderungen an die Politik

„Wir sehen einen Silberstreif am Horizont“

Helmut Gels, Albert Ritter und Michael Hempen (v.l.) zogen Bilanz.

Oldenburg - OLDENBURG (cs) · „Die Krise ist zwar nicht spurlos an uns vorübergegangen“, stellte Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), gestern während der Hauptvorstandssitzung in Oldenburg klar. „Aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Die Besucherzahlen auf den rund 12 000 Volksfesten, die in jedem Jahr in Deutschland gefeiert würden, seien stabil. Rund 178 Millionen Menschen strömen jährlich zu Riesenrad, Bratwurst, Bierbude und Co. „Aber das Ausgabeverhalten in den vergangenen Jahren hat uns nicht amüsiert“, betonte der Präsident. Das sei 2009 besser geworden: Die Volksfestbesucher hätten in diesem Jahr etwas mehr Bares als in den Vorjahren auf der Kirmes gelassen. Ritter erklärt das damit, dass die Leute statt viel Geld für den Urlaub auszugeben eher einen kleinen Betrag in die Fahrt mit dem Riesenrad investieren würden.

Doch es blieb gestern nicht bei den positiven Nachrichten. „Es gibt eine absolute Ungleichbehandlung gegenüber dem stehenden Gewerbe, was Strompreise angeht“, monierte Ritter. Das müsse sich ändern. Die Stromanbieter verlangten von ihnen wesentlich höhere Preise als von anderen Gewerben, weil die Schausteller weniger als zwölf Monate an einem Ort Strom bezögen. Außerdem solle es in der Strompreisgestaltung Transparenz geben, auch hinsichtlich der Anschlussgebühren.

„Wir schauen hoffnungsvoll nach Berlin“, machte Ritter aber auch deutlich. So begrüße er das neue Mittelstandsentlastungsgesetz: Die Regierung habe beschlossen, das die Schausteller nicht mehr in jeder Stadt ein Kurzzeitgewerbe nach dem Gaststättengesetz anmelden müssten, um beispielsweise Alkohol ausschenken zu dürfen, sondern dass das angemeldete Reisegewerbe der Schausteller ausreiche. „Der Aprilscherz ist aber, dass beispielsweise Nordrhein-Westfalen erlassen hat, dass das Bundesrecht hier nicht gilt“, ärgerte sich der Verbandspräsident. „Wenn der Mittelstand entlastet werden soll, muss das auch unten ankommen.“

Michael Hempen, Vizepräsident des DSB und Vorsitzender des Oldenburger Schaustellerverbands, machte außerdem deutlich, dass es den Schaustellern „nicht darum geht, Unsummen zu erwirtschaften, sondern darum, den Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Gleichzeitig lobte er die Stadt Oldenburg: „Sie hat erkannt, dass Volksfeste Wirtschaftskraft haben und die Besucher sich mit ihnen identifizieren.“

Abschließend machte Ritter deutlich, dass die Schausteller selbstständig sein wollen. „Wir wollen keine Subventionen, wir brauchen nur die Luft zum Atmen“, forderte er. Außerdem kämpfe der Verband um die Anerkennung als kulturelles Erbe. Das Verwaltungsgericht habe die traditionelle und kulturelle Bedeutung von Volksfesten festgelegt, die somit schützenswert seien. Nun solle das auch die Politik schriftlich festmachen, forderte Hauptgeschäftsführer Helmut Gels.

Übrigens: Genaue Zahlen zum Umsatz der Schausteller nannten die drei Männer nicht. „Zu unserer Tradition gehört auch eine gewisse Verschwiegenheit“, erklärte Gels. So viel verriet er aber schon: An den Volksfesten hänge ein Wirtschaftszweig, beispielsweise mit Hotel- und Taxigewerbe oder Einzelhandel, der im Jahr rund vier Milliarden Euro umsetze.

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