Referenzanlage zur Energiegewinnung in Höltinghausen / Seit wenigen Tagen laufen erste Tests

„Wir machen aus Abfall Energie“

Klein und unscheinbar wirkt die Energiegewinnungsanlage – bis zu 27 Kilowattstunden Strom aus einem Abfallprodukt will Edmund Brinkmann, Geschäftsführer des Kalksandsteinwerks in Höltinghausen, aber mit ihrer Hilfe erzeugen.

Höltinghausen (cs) · Immer neue Konzepte sollen das Klima schützen. Energie möglichst umweltfreundlich zu gewinnen, ist auch das Ziel einer Anlage, die zurzeit beim Kalksandsteinwerk in Höltinghausen (Landkreis Cloppenburg) getestet wird: Aus dem während des Betriebs entstehenden Abdampf soll Strom erzeugt werden.

„Grundsätzlich werden Kalksandsteine unter Dampfdruck gehärtet“, erklärt Edmund Brinkmann, Geschäftsführer des Kalksandsteinwerks in Höltinghausen. „Ein Teil des Dampfdrucks geht dabei als Abdampf in die Natur.“ DieseEnergie soll jetzt wirtschaftlich und umweltfreundlich genutzt werden: Über eine Sammelschiene leiten acht Autoklaven den Dampf an ein Energiemodul weiter. Dort wird der Dampf dann in Strom umgewandelt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass man aus so wenig Druck so viel Energie machen kann“, zeigt sich Brinkmann beeindruckt von den System, das von der nordrhein-westfälischen Firma „Aqua Society“ entwickelt wurde. Vor etwa einem Dreivierteljahr sei er durch einen Zeitschriftenartikel auf die Anlage aufmerksam geworden. „Was ich las, passte haargenau auf das, wonach wir gesucht haben“, erinnert sich der Geschäftsführer des Werks, das zur Firma „Kalksandsteinwerke Weser-Ems“ gehört. Die erste Referenzanlage steht seit vergangenem Donnerstag in Hötlinghausen.

Schwierigkeiten müssen noch beseitigt werden. „Das automatische Anlaufen und Abstellen funktioniert noch nicht“, erklärt Betriebsingenieur Siegbert Golze. „Das sind aber nur Kleinigkeiten – grundsätzlich arbeitet das System“, zeigt er sich beeindruckt. Per Hand seien in einer Stunde durch einen Bar Druck bereits elf Kilowatt Strom erzeugt worden. „Stündlich haben wir drei bis vier bar Dampfdruck übrig – damit könnten wir 27 Kilowatt Strom erzeugen“, gibt sich der Fachmann zuversichtlich. „Wir könnten bis zu sechs Prozent Energie einsparen – und aus Abfall Strom erzeugen.“

Auf Schwierigkeiten stoßen die Entwickler der so genannten „Steam Mission“- Technologie noch, weil im Kalksandsteinwerk nicht kontinuierlich produziert wird – Dampfdruck und -menge schwanken dementsprechend.

Geschäftsführer Brinkmann ist aber überzeugt, dass sich der Betrieb einer solchen Anlage lohnt. „Das ist ökologisch sehr gut, und ökonomisch müsste auch was übrig bleiben.“ Schließlich wird durch die Verwertung des überschüssigen Dampfs auch weniger CO2 in die Atmosphäre entweichen – und anders als bei konventionellen Energieerzeugungsmaßnahmen entsteht auch kein Kohlenstoffdioxid.

„Wenn die Geschichte funktioniert, wird sie sicherlich einen großen Markt haben“, ist Brinkmann überzeugt. „Wenn die Anlage einigermaßen kostengünstig ist, wird sie wohl jeder, der mit Dampfkesseln arbeitet, haben wollen.“

Darauf hofft natürlich auch die Firma „Aqua Society“. Nach den Tests, die bis Ende April laufen, folgten die Feinabstimmungen, so Volker Schulz, Pressesprecher des Unternehmens. Anschließend will die Firma in Produktion gehen. „Es gibt 70 Kalksandsteinwerke in Deutschland, die ähnlich wie das in Höltinghausen arbeiten“, hofft Schulz auf einen großen Markt.

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