Meistens Blechschäden / Ausweichmanöver gefährlicher als Kollision / Wer das Tier mitnimmt, macht sich strafbar

89 Wildunfälle von Januar bis Juni

Die meisten Wildunfälle enden tödlich für das Tier. Dieser junge Rehbock hatte Glück und überlebte.

Harpstedt - Von Josephine PabstHARPSTEDT · Wer kennt die Situation nicht? Sie sind auf dem Weg nach Hause, ein anstrengender Arbeitstag liegt hinter Ihnen. Es dämmert bereits, Sie fahren auf der Landstraße, die an beiden Seiten gesäumt ist von Wald und meterhohen Bäumen, und haben Ihr Fernlicht eingeschaltet. Plötzlich steht ein Reh auf der Straße. Es schaut Ihnen entgegen und rührt sich nicht, als wäre es versteinert. Was tun Sie in diesem Augenblick?

„Auf keinen Fall ausweichen, auch wenn das nur menschlich ist“, rät der Leiter des Sachgebiets Verkehr von der Polizei Delmenhorst Artur Arkenau. Von Januar bis Juni ereigneten sich in der Samtgemeinde 89 Unfälle, an denen Wild beteiligt war. „Im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum 94 Unfälle.“ In den meisten Fällen bleibe es dabei glücklicherweise bei Blechschäden. „Unfälle mit Personenschäden gibt es glücklicherweise nur selten“, so Arkenau. Für das beteiligte Wild sei der Unfall in den meisten Fällen jedoch tödlich. „Fast immer sind bei Wildunfällen Rehe beteiligt, nur ganz selten Füchse, Hasen oder Wildschweine“, erklärt der Leiter des Sachgebiets Verkehr. „Im März und im Mai gab es die meisten Unfälle. Und natürlich besonders häufig in den frühen Morgen- oder den späten Abendstunden.“

Das diffuse Licht der Scheinwerfer verwirre die Wildtiere. Das schnell herannahende Fahrzeug, der blendende Lichtkegel – die ungewohnten Sinneswahrnehmungen sorgten dafür, dass sich das Tier nicht mehr von der Stelle rühre.

Wer bereits einen Unfall mit Wildtieren verursacht habe, sollte umgehend die Polizei informieren. „Wenn das Tier noch lebt, sind wir nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, es so schnell wie möglich schmerzfrei zu töten. Wir erschießen es dann unverzüglich.“ Danach kontaktiert die Polizei den Jagdberechtigten der Region, in der Samtgemeinde ist das Eberhardt Guba von der Revierförsterei. „Dieser hat dann die Aufgabe, das Tier sachgemäß zu entsorgen“, erklärt Artur Arkenau. Dass die Tiere so häufig Straßen wechselten liege auch daran, dass sich das Freizeitverhalten vieler Bürger geändert habe. „Mit Mountainbikes oder zu Fuß zieht es viele am Wochenende in den Wald“, so Arkenau. „Dadurch werden die Tiere verschreckt und brauchen bis zu 48 Stunden, um zur gewohnten Stelle zurückzukehren.“

Übrigens: Wer einen Unfall nicht melde oder das Tier selbst mit nach Hause nehme, mache sich strafbar: „Das ist Wilddieberei und eine Straftat“, betont Arkenau.

Und wie reagiert ein Autofahrer am besten, wenn plötzlich ein Reh in seinem Lichtkegel steht? „Die Kollision mit dem Tier ist in jedem Fall sicherer, als das Lenkrad herumzureißen“, so Arkenau. Am besten der Fahrer mache eine kontrollierte Vollbremsung: „Wer ausweicht, könnte schon verloren haben.“

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