20 Hamburger Schüler zelten 20 Tage in Dötlingen / Ausgrabungen, Töpfern und Brotbacken beim Archäologiecamp

Wildkörnerbrei und Sauerampfersalat

Am ersten Tag des Camps gab es für die jungen Archäologen noch belegte Brötchen. Fotos (2): Pabst

Doetlingen - Von Josephine Pabstund Daniel NiebuhrDÖTLINGEN · Der Außenreporter von Radio Bremen Vier hatte ein Problem: Er hatte sich verfahren. „Ich gurke seit einer Dreiviertelstunde durch Dötlingen“, erzählte Martin Neuhaus einigermaßen frustriert: „Ich dachte schon, ich komme nie mehr an.“ Kam er aber doch. Am Ende eines Waldweges fand er schließlich auf einer kleinen Lichtung die Zeltstadt des Archäologiecamps, das seit Montag im Dötlinger Forst sein Lager aufgeschlagen hat.

20 Schüler von der Reformschule in Hamburg-Winterhude campen dort in freier Wildbahn und erleben in den kommenden drei Wochen die Praxis einer Ausgrabung. Und ein überraschendes Medienaufsehen: „Ja, hier ist einiges los“, staunte die 15-jährige Celina darüber, dass nicht nur Zeitung und Radio, sondern auch eine Delegation des ARD-Kinderfernsehens vor Ort berichtet: „Dass soviel Presse hierher kommt hätte ich wirklich nicht gedacht.“ Es schien, als ob jeder Schüler in mindestens ein Mikrofon sprach oder in eine Kamera lächelte. Dabei kam der große Medienrummel nicht von ungefähr: Schließlich stellen die Schüler einen Einbaum her, bauen einen Töpfer- und einen Brotbackofen und errichten nicht zuletzt einen ganzen Grabhügel. „In vier Arbeitsgruppen aufgeteilt, lernen sie alle wichtigen Ausgrabungstechniken, die ein Archäologe kennen muss“, erläuterte Ullrich Masemann, der das Camp leitet. „Dazu werde ich einige nachgebildete Skelette vergraben, die Schüler dann bergen werden.“ Masemann unterrichtet an der Winterhuder Reformschule in Hamburg, die am Anfang eines jeden Schuljahres ihren Schülern Herausforderungen stellt. So werden 1 000 Kilometer lange Fahrradtouren von Hamburg nach Paris, Alpenüberquerungen – oder eben Archäologiecamps im Wald von Dötlingen angeboten. Und der ist schließlich mindestens genauso spannend wie eine Radtour im Hochgebirge. „Für mich persönlich ist das hier die größere Herausforderung“, bekennt Celina: „Ich mag Zelten nicht unbedingt und habe Angst vor Insekten. Und davon gibt es hier ja ein paar.“

Auch abseits der täglichen Schädlingsbekämpfung stehen die Schüler vor kniffligen Aufgaben. Celinas Gruppe baut einen Tonofen, eine andere bereitet die Ausgrabungsstelle vor, und das Team „Nahrungsbeschaffung/Essenszubereitung“ löste sein Problem gestern auf seine ganz eigene Weise. „Schmeckt doch“, sagt Marvin mit einer Dose kalter Ravioli in der Hand. Immerhin war diese mit provisorischem Werkzeug geöffnet worden. „In den ersten zwei Tagen gibt es noch ganz normale Verpflegung“, erklärt die 15-jährige Samira. „Damit wir uns ein bisschen eingewöhnen können.“ In den nächsten Tagen werden Feinschmecker vielleicht nicht mehr ganz auf ihre Kosten kommen: Auf dem Speiseplan stehen beispielsweise Wildkörnerbrei undLöwenzahn-Sauerampfer-Salat, dazu gibt es Hagebuttentee. „Sobald unser Ofen fertig ist und auch funktioniert, gibt es selbst gebackenes Brot“, freuten sich Miriam und Mowared (beide 15 Jahre alt).

Je geschickter die Schüler ihr Wildnistraining absolvieren, desto reichhaltiger gestaltet sich die Speisekarte. „Wir haben ein paar Baumpilze gefunden, die werden jetzt noch getrocknet“, meinte Ullrich Masemann. „Mit Feuersteinen erzeugen die Schüler Funken, die dann die trockenen Pilze tagelang glühen lassen.“ Mit der Glut könnten Lagerfeuer angezündet werden. „Dann gibt es auch Grillfleisch“, meint Masemann lächelnd. Bis dahin bleibt es jedoch erst einmal bei kalten Speisen, die der Wald (oder die eine oder andere Dose) bereithält. Und wenn das Feuer einmal brennt, könnte es auch als Signal fungieren – eines, das suchenden Radioreportern den richtigen Weg weist.

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