Ehrenamtliche Lebensmittelretter sammeln und verteilen abgelaufene Waren

Zweite Chance für Kapern und Co.

Retten Lebensmittel: Angelika Stelter (l.) und Linda Buken (r.) organisieren die Sammlung und Verteilung von Waren in Wildeshausen. Fotos: bor

Wildeshausen - VON OVE BORNHOLT. Ein 35-Milliliter-Glas Kapern, abgelaufen am 31. Dezember, ein Korb voll mit nicht mehr ganz taufrischen Champignons und gut ein Dutzend Plastikbecher Gurkensalat mit Dill, deren Mindesthaltbarkeitsdatum am Vortag endete: Alles Lebensmittel, die im Supermarkt nicht mehr verkäuflich sind und eigentlich weggeschmissen worden wären. Aber sie erhalten eine zweite Chance: Ehrenamtliche Lebensmittelretter sammeln Waren wie diese bei Läden in Wildeshausen und umzu ein, um sie bei der Skateranlage in der Kreisstadt kostenlos an jedermann zu verteilen. Seit rund einem Jahr treffen sie und die Abnehmer sich dort jeweils freitags um 13.15 Uhr. Meistens gibt es Pilze, Brot, Bananen, Joghurt und Salat. Aber auch viele andere Lebensmittel. Große oder genaue Erwartungen sind allerdings fehl am Platz, schließlich kann man im Vorfeld nie wissen, welche Waren zur Verfügung stehen.

Knapp ein Dutzend Leute sind am vergangenen Freitag erschienen und suchen in den sechs, sieben grünen Plastikkörben nach Lebensmitteln, die sie gebrauchen können. Man begrüßt sich freundlich, Fragen werden keine gestellt. Es herrscht zwar eine entspannte Atmosphäre, keiner nimmt dem anderen etwas weg, aber wer zielstrebig vorgeht, hat schon einen Vorteil. Nach ein paar Minuten haben sich die meisten bedient und ziehen mit ihrer Beute ab.

Zurück bleiben Angelika Stelter (31) aus Wildeshausen und Linda Buken (29) aus Aschenstedt. Die beiden organisieren die Aktion. „Ich wollte die Lebensmittelverschwendung eindämmen. Es ist einfach krank, was alles weggeschmissen wird“, sagt Buken, die vor einem Jahr mit dem Sammeln und Verteilen anfing. Sie gründete eine Gruppe auf der Internetseite foodsharing.de und wendete sich an Geschäfte. Zuerst an den Dorfladen an der Straße Am Steinberg in Dötlingen. Dann an weitere Händler. Inzwischen ist ein kleines Netz geknüpft, zu dem auch eine Handvoll Ehrenamtliche gehören, die Waren einsammeln. Die sind alle abgelaufen. „Man kann sich auf seinen Geruchs- und Geschmackssinn verlassen“, betont Stelter. „90 Prozent der Waren sind definitiv noch verzehrbar.“

Während das Duo von seinem Projekt berichtet, nähert sich eine ältere Dame mit Hund. Ihr Fußpfleger habe ihr den Tipp mit dem Foodsharing gegeben, sagt sie. Sie betreue drei Flüchtlingsfamilien, deren Mitglieder teilweise schon Arbeit gefunden hätten. Deswegen können sie bei der „Tafel“ nicht mehr als Kunden angenommen werden. Diese verteilt ihre Waren ausdrücklich nur an die Bezieher staatlichen Sozialleistungen. Aber die Flüchtlinge hätten zurzeit hohe Ausgaben, zum Beispiel für die Kaution einer neuen Wohnung. „Kann hier jeder kommen?“, möchte die Frau noch wissen. Stelter und Buken bestätigen, jeder könne kommen. Zufrieden geht die Seniorin mit ihrem Hund weiter.

Die beiden Organisatorinnen machen sich derweil daran, die Reste einzusammeln und in ihre Autos zu stellen. „Im Sommer ist es stressiger als im Winter“, sagt Stelter und erwähnt eine riesige Kühlbox für die Lebensmittel. „Da hatten wir schon mal 20 Körbe. Vor allem viele Erdbeeren“, erinnert sich Buken. Auch nach Weihnachten hätten sie sehr viele Waren gehabt. „Es ist ein kleiner Schritt“, bilanziert Stelter. Aber einer, den die beiden und andere Lebensmittelretter jede Woche gehen. Damit Kapern und Co. eine zweite Chance erhalten. Und das übrigens mit dem Segen der „Tafel“. Deren Vorsitzender Gerd Aring betont: „Wir sind absolut keine Konkurrenz.“

Mitmachen

Wer sich beim Lebensmittelretten engagieren will, kann zur Verteilung, freitags um 13.15 Uhr bei der Skateranlage, kommen oder sich auf der Internetseite foodsharing.de registrieren. Dort gibt es weitere Infos. Für Ende März ist auch ein Treffen zur besseren Organisation geplant.

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