Im Wald gefunden

Familie Granel füttert drei Eichhörnchenbabys durch

+
Hungrig nuckelt ein Eichhörnchen Brei aus Babygetreideflocken, Katzenaufzucht- sowie Kondensmilch, Honig und Fencheltee.

Wildeshausen - Schlafen, Essen und dann eine Massage: Klingt nach Urlaub, bedeutet aber eine Menge Arbeit für Kristina (15) und Michaela Granel (45). Denn statt sich verwöhnen zu lassen, versorgen die beiden seit Montagabend drei Eichhörnchen, die in einem kleinen Wald beim Baugebiet „Vor Bargloy“ gefunden worden waren.

Auch die anderen Familienmitglieder helfen, aber alle zwei Stunden, auch nachts, stehen Mutter und Tochter auf, füttern die etwa drei Wochen alten Nagetiere und massieren den Bauch, damit die Verdauung in Gang kommt. Dann legt sich die Rasselbande wieder schlafen. Manchmal auch in der Pullovertasche von Kristina. „Einer ist nach dem Füttern einfach da rein gekrochen“, sagt sie.

Ist ja auch schön warm im Pullover. Ansonsten schlafen die drei Geschwister, zwei Männchen und ein Weibchen, in einem Katzenfangkorb inmitten von ein paar Handtüchern. Sie können auf einem Wärmekissen liegen. 

Ob die Tiere höhere Temperaturen brauchen, ist für Menschen schwer einzuschätzen. Besser, wenn die jungen Nager die Wahl haben, meint Michaela Granel. Sie ist als „Igelmama“ bekannt, Mitglied der Tierschutzgruppe Wildeshausen und erhielt von eben dieser am späten Montagnachmittag einen Anruf.

Tochter Kristina Granel gibt ihrem Eichhörnchen Fencheltee, damit es die Nahrungsumstellung besser meistert. Mutter Michaela Granel hat es derweil mit einem recht aktiven Exemplar zu tun, das auf dem Tisch herumkrabbelt.

Die Finderin hatte die Eichhörnchen entdeckt und angesichts von herumfahrenden Baumaschinen sowie vielen Gassi-Gehern mit Laub aufgesammelt. Vorbildlich, so Granel, die allerdings davon abrät, unverletzte Wildtiere sofort einzusammeln. 

„In der Regel kommt die Mutter und holt sich die Kleinen. Aber in diesem Fall bestand die Gefahr, dass sie überfahren werden.“ Noch am Montagabend überprüfte Tierärztin Simone Haake, ob die Eichhörnchen gesund sind, dann nahm Familie Granel das Trio in Obhut.

Die drei wären auf sich gestellt wohl kaum zurechtgekommen. „Einer fängt an, ein Auge leicht zu öffnen“, sagt Tochter Kristina, während sie dem Tier mit einer Spritze einen Brei aus Babygetreideflochen, Katzenaufzucht- sowie Kondensmilch, Honig und Fencheltee einflößt. Letzteren gab es vorher auch, damit die Jungen keine Verdauungsprobleme kriegen. Schließlich müssen sie komplett andere Nahrung als bisher verarbeiten.

Michaela Granel plant, die Tiere noch ein paar Wochen von Hand zu füttern. Dann aber nicht mehr nachts. Wenn die Eichhörnchen selbst Nahrung zu sich nehmen können, sollen sie in einer Voliere leben, bevor sie ausgewildert werden. Alternativ überlegt die 45-Jährige, das tierische Trio in der Wildtierauffangstation Rastede abzugeben. 

Schließlich muss sie bald wieder arbeiten. „Und die Versorgung ist schon eine große Verantwortung.“ Als Haustiere sollen die Kleinen, die schnell zutraulich werden, nicht enden. Aber erst einmal wird jetzt wieder geschlafen, bevor es in zwei Stunden wieder ans Fressen geht.  

bor

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Großfeuer in Sulingen: Eine Bewohnerin verletzt

Großfeuer in Sulingen: Eine Bewohnerin verletzt

Tagestour in den Grand Teton-Nationalpark

Tagestour in den Grand Teton-Nationalpark

Lira-Krise: Türkei unterdrückt Kritik an Wirtschaftslage

Lira-Krise: Türkei unterdrückt Kritik an Wirtschaftslage

Einheimischer Alltag als Touristenattraktion

Einheimischer Alltag als Touristenattraktion

Meistgelesene Artikel

Unfall in Dötlingen: 50-jähriger Motorradfahrer schwer verletzt

Unfall in Dötlingen: 50-jähriger Motorradfahrer schwer verletzt

UWG hofft auf Ausgleich zwischen Agrarfrost und Landwirten

UWG hofft auf Ausgleich zwischen Agrarfrost und Landwirten

Nach Sticker-Aktion in Ahlhorn: Warnung vor „Identitären“

Nach Sticker-Aktion in Ahlhorn: Warnung vor „Identitären“

Bald keine Starts und Landungen mehr in Ahlhorn?

Bald keine Starts und Landungen mehr in Ahlhorn?

Kommentare