DRK-Mitarbeiterinnen versuchen, Familien zu vereinen 

Zusammenbringen, was der Krieg auseinanderreißt

Sandra Scholz und Evgenia Witko vom DRK-Mehrgenerationenhaus beraten bei der Suche nach Angehörigen. - Foto: Petzold

Wildeshausen - Von Phillip Petzold. „Ich suche nach meiner Familie“ steht auf Englisch unter vielen Porträts auf der Internetseite des Projekts „Trace the Face“, mit dem Menschen versuchen, ihre Angehörigen ausfindig zu machen. Dabei hilft auch das DRK-Mehrgenerationenhaus in Wildeshausen.

Im Chaos von Krieg und Katastrophen werden überall auf der Welt Familien auseinandergerissen. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) versucht seit mehr als 150 Jahren, die Angehörigen wieder zusammenzuführen. Zwar gehen auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch Suchanfragen nach Kriegsvermissten ein, aber vor allem die Tausende Flüchtlinge, die Deutschland in den vergangenen Jahren erreicht haben, beschäftigen den DRK-Suchdienst.

Im Wildeshauser Mehrgenerationenhaus hilft Evgenia Witko seit 2013 Familien dabei, wieder zusammenzukommen. Neuerdings auch mit der Aktion „Trace the Face“. Menschen, die auf der Suche nach Angehörigen sind, können ein Foto von sich machen lassen, das dann im Internet veröffentlicht wird, zusammen mit der Information, nach welchen Personen sie sucht. Weiß ein Nutzer etwas über den Verbleib der Verwandten, kann er über ein Kontaktformular mit dem DRK in Verbindung treten. Außerdem werden die Bilder auf Plakaten in den Einrichtungen des DRK ausgehängt. „Ein Flüchtling hat auf einem der Bilder eine Frau gesehen und gesagt: ,Die kenne ich!‘“, berichtet Sandra Scholz, Leiterin der Einrichtung. „Der war ganz aufgeregt, aber wir mussten ihm dann erklären, dass auf den Plakaten die Suchenden abgebildet sind.“ Fünf mal habe Witko Beratungen zu „Trace the Face“ durchgeführt.

Für die Suchdienstberatung erwartet Scholz in den kommenden Monaten viele Anfragen im Rahmen des Familiennachzugs: „Meist kommen ja zunächst die Männer, die erst mal Fuß fassen wollen und dann ihre Familien nachholen.“ Die DRK-Mitarbeiter erläutern dann, an welche Stellen sich die Familien wenden müssen und welche Unterlagen benötigt werden.

Gegründet als Beratungsstelle für Spätaussiedler sollte die aus Russland stammende Witko ein Angebot in der Fläche vorhalten. „Ältere Menschen müssen so nicht extra nach Oldenburg fahren“, erläutert Scholz. Denn auch fast drei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wollten viele Spätaussiedler ihre Familienmitglieder nachkommen lassen. Das DRK hilft dann dabei, zu überprüfen, ob das Verwandschaftsverhältniss einen solchen Anspruch rechtfertigt. Witko nimmt dafür die Informationen über die Familien auf, mit denen das Archiv der Organisation die verwandschaftlichen Beziehungen überprüft.

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