Gelungene Integration von Syrern 

Zunächst Skepsis, dann Hilfe: Nachbarn stützen Flüchtlinge

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Die Nachbarn der Gisbertstraße in Wildeshausen mit Omar Al Gomaa (5.v.r.) im Garten der Familie.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Als Omar Al Gomaa im Herbst 2014 nach langer Flucht aus Syrien in Wildeshausen ankam, war er allein, sprach kein Wort deutsch und übernachtete zunächst in einfachen Unterkünften. Drei Jahre später lebt er mitten in der Kreisstadt mit seiner Familie, lernt deutsch und hat eine intakte Nachbarschaft, die ihn stützt und ihm hilft, der er aber auch etwas zurückgibt.

Es handelt sich um ein Paradebeispiel von Integration, die seit eineinhalb Jahren an der Gisbertstraße in Wildeshausen gelebt wird. Möglich ist das nur, weil die Nachbarn offen und hilfsbereit waren, und weil die Initiative „Willkommen in Wildeshausen“ den Weg für die syrische Familie bereitet hat. „Wir haben während des Umzugs mit den Nachbarn gesprochen und die Familie vorgestellt“, so Sabine Müller von der Initiative.

Die Nachbarschaft an der Gisbertstraße lebt dort seit rund 30 Jahren in Einfamilienhäusern. Lediglich ein Haus hatte wechselnde Mieter – bislang lebten dort aber immer Deutsche. „Wir hatten schon eine gewisse Skepsis, wer da wohl einzieht“, sagt eine der Nachbarinnen, die mit Namen nicht unbedingt in der Zeitung stehen wollen. „Aber wir haben uns zunächst zugewinkt und dann mit Händen und Füßen unterhalten.“ Mittlerweile hält sie das siebenmonatige syrische Baby im Arm, bleibt am Gartenzaun stehen, um mit Mutter Tahani Al Ali zu sprechen, oder unterhält sich mit den anderen vier Kindern der Familie.

Menschen in der Straße kommen ins Gespräch

Andere Nachbarn helfen bei der Gartenarbeit. „Wir haben Blumen und Gurken gepflanzt“, erzählt Omar Al Gomaa, der im Gegenzug natürlich auch hilft und immer mal wieder kontrollierend rüberschaut, wenn die Nachbarn im Urlaub sind.

Der Kontakt ist keine Einbahnstraße. So kommen die Menschen in der Straße ins Gespräch, „bis wir uns verstanden“ haben. Es werden süße Leckereien und Tee aufgetischt, und man hilft sich bei Besorgungen, Behördenbesuchen sowie Fahrdiensten. Bezeichnend dafür ist, dass eine Nachbarin bemerkt hatte, dass Omar Al Gomaa nach dem Verzehr von Bohnen unter einem allergischen Schock litt. „Ich habe das gesehen und ihn schnell ins Krankenhaus gebracht“, berichtet sie. Zu Weihnachten hätten die Nachbarn Geld gesammelt und dann die Geschenke mit dem Weihnachtsmann überbracht.

„Es ist ein Geben und Nehmen, von dem alle profitieren.“

Mittlerweile ist die Kommunikation – oft auch über die Kinder – auf Deutsch möglich. Der Müll landet sorgfältig getrennt in Tonne oder Sack, die Gärten sind gepflegt, und die Nachbarn kennen den Film aus Syrien, der Aleppo vor und nach dem Bürgerkrieg zeigt. „Dort kann keiner mehr leben“, so die geschockten Anwohner, die sich freuen, dass die Nachbarsfamilie integrationswillig ist. Der Vater war in Aleppo an der Universität Dozent für Hocharabisch. Derzeit lernt er fleißig die Sprache der neuen Heimat. Denn nach Möglichkeit möchte er nicht nur Praktika absolvieren, sondern auch einen richtigen Beruf ergreifen. Auch dabei wird er sicherlich Unterstützung von den Nachbarn erfahren, die von ihrem Zusammenleben sagen: „Hier hat es gut gepasst. Es ist ein Geben und Nehmen, von dem alle profitieren.“

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