Ausbildungsabschlussfeier in Delmenhorst: Wildeshauser Geselle hält Absolventenrede

Die Zukunft fest im Blick

Die besten der Besten: Kammerpräsident Kurmann mit Andreas Stichow, Nico Sowka, Nico Lehner und Kreishandwerksmeisterin Britta Funke (v.l.) Foto: fra

Delmenhorst/Landkreis - 85 Auszubildende haben ihre Lehre in einem der rund 300 Mitgliedsbetriebe der Kreishandwerkskammer Delmenhorst/Oldenburger Land erfolgreich abgeschlossen. Am Donnerstagabend haben die frischgebackenen Gesellen im „Kleinen Haus“ in Delmenhorst ihre Gesellenbriefe erhalten, die besten unter ihnen wurden ausgezeichnet. In den Reden stand vor allem die Zukunft im Mittelpunkt: die der jungen Handwerker natürlich, aber auch die der Betriebe und ihrer Kunden, der Gewerke - und die des Nachwuchses, der die Reihen der Auszubildenden wieder auffüllen soll.

Eines habe sich jedoch nicht geändert: Handwerk habe immer noch „goldenen Boden“, sagte Kreishandwerksmeisterin Britta Franke während ihrer Ansprache an die Absolventen und warf eine Handvoll goldfarbener Papierschnipsel in die Luft. Doch von nichts komme nichts, war sich die Malermeisterin sicher: „Es kommt darauf an, was Sie aus ihrer Ausbildung machen“, wie sie das Gelernte umsetzen und anwenden sowie Verantwortung übernehmen - für sich selbst, aber auch für die Betriebe. Denn: „Ohne den Nachwuchs im Handwerk, ohne Sie, meine jungen Kollegen und Kolleginnen, haben wir im Handwerk immer mehr Probleme, die anfallenden Arbeiten zeitnah und fachgerecht auszuführen.“ Daher sei es umso wichtiger, dass die neuen Gesellen nach bestandener Prüfung weiter dem Handwerk treu bleiben.

In diese Kerbe schlug denn auch der Delmenhorster Bürgermeister Hermann Thölstedt: „Das Handwerk hält unsere Region zusammen und beeinflusst unser tägliches Leben“, sagte er. Lang anhaltende Ausdauer und Leistungsbereitschaft seien die Garanten dafür. „Wir sind auf Fachkräfte wie Sie angewiesen“, meinte er mit Blick auf den Fachkräftemangel.

Auf diesen Punkt ging anschließend der Präsident der Handwerkskammer Oldenburg, Manfred Kurmann, ein: „Wir brauchen euch händeringend“, rief er den jungen Handwerkern zu. Er komme aus dem Baugewerbe - und so eine Situation wie gegenwärtig habe er in den vergangenen 45 Jahren noch nicht erlebt. Teilweise müssten Kunden ein halbes Jahr warten, bis ein Auftrag begonnen werden kann. Es bestehe „ein Mangel an jungen Leuten“, sagte Kurmann mit Nachdruck. Deswegen freue er sich, dass viele der Flüchtlinge zum Handwerk gekommen seien. Das sei für die Lehrer natürlich auch mit Problemen verbunden, insbesondere bei der Sprache. Daher appellierte er an alle: „Helft diesen Menschen in euren Betrieben.“ Das gelte ebenso für die Firmeninhaber, die sich bei erkannten Schwachstellen eigens um die Geflüchteten kümmern sollten: „Einfach machen - nicht lange darüber reden“, sondern die Dinge direkt „anpacken“, so wie es im Handwerk seit jeher üblich sei, sagte Kurmann. Die Gesellen von heute könnten die Meister und Chefs von morgen sein - denn viele Firmen hätte keine Nachfolger aus den Familien mehr. „Wir brauchen Chefs, und ihr seid dazu in der Lage“, so der Kammerpräsident zum Schluss seiner letzten Freisprechung in diesem Amt.

Traditionell spricht während der Ausbildungsfeier eine der neuen Gesellen zu den Zuhörern. Dies war diesmal Andreas Stichow, der seine Ausbildung zum Automatisierungstechniker bei der Wildeshauser Hermes Systeme abgeschlossen hat. Er war - neben Maurer Nico Lehner (Strauch Bauunternehmen, Delmenhorst) und Nico Sowka (Harald Meyer Brandschutz-Elektro, Ganderkesee) - einer der drei Besten seines Jahrganges.

In einer kurzen, unterhaltsamen, vor allem aber persönlichen Rede schilderte er seine Entscheidung für das Handwerk: „Diesem Beruf gehört die Zukunft, es stagniert einfach nicht“, sagte der junge Geselle. Die Chancen und Möglichkeiten seien nahezu unbegrenzt. Nicht zuletzt dankte er seinen Kollegen, die ihn nicht nur fachlich, sondern ebenso (in für ihn persönlich schwierigen Phasen) menschlich zu Seite standen. Er habe seinen Traumberuf gefunden: große Verantwortung bei genauso großem Spaß. Den anderen Gesellen rief er zu, ein Vorbild für die neuen Auszubildenden zu sein: „Lasst uns ihre Ausbildung noch besser machen, als unsere war.“  fra

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