Ehrenamtliche im Ronald-McDonald-Haus 

Serie Frühgeborene: Zuhause auf Zeit für Frühchen-Eltern

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Vanessa Madeia engagiert sich ehrenamtlich. 

Oldenburg/Wildeshausen - Von Katia Backhaus. Neben ihrer Vollzeittätigkeit als Intensivpflegerin fährt die Wildeshauserin Vanessa Madeia alle zwei Wochen für eine Drei-Stunden-Schicht ins Ronald-McDonald-Haus nach Oldenburg. Die Einrichtung der McDonald’s-Kinderhilfe-Stiftung bietet Eltern, deren Kind zu früh geboren oder schwer krank ist, eine Bleibe direkt neben dem Klinikum. In einem Apartment können die Eltern so lange bleiben, wie die Behandlung der Kleinen dauert. Am Sonntag ist Weltfrühgeborenentag.

Die 29-jährige Madeia ist eine der 38 Ehrenamtlichen, die sich um die Angehörigen kümmern. Außerdem gibt es drei hauptamtlich Beschäftigte. „80 Prozent der Eltern kommen wegen Frühgeborenen zu uns. Das ist unser Schwerpunkt“, erläutert Iris Neumann-Holbeck, Leiterin des Hauses. 

Das Klinikum Oldenburg behandelt laut eigener Aussage jährlich etwa 550 Früh- und Neugeborene. 125 davon gelten als Extremfälle, weil sie bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm wiegen. Im Ronald-McDonald-Haus sollen die Eltern zur Ruhe kommen und zugleich so nah wie möglich an den jungen Patienten sein können. „Sie können jederzeit rübergehen, Tag und Nacht“, erklärt Madeia. Für den Weg im Dunkeln liegen Taschenlampen in die Apartments bereit.

Die Stimmung im Haus beschreibt die 29-Jährige trotz der Sorgen, die die Bewohner auf Zeit beschäftigen, als entspannt. Gerade für Familien, die nicht aus Oldenburg kommen, sei die Unterbringung vor Ort eine gute Möglichkeit, direkt da sein zu können, wenn etwas ist. „Wir hatten auch Familien, die fast ein Jahr da waren. Und manche kommen immer wieder“, sagt Madeia. 

Das Haus ist in der Regel voll

Die Kosten übernimmt die Krankenkasse – doch immer wieder muss das Haus Anfragen abweisen. „Wir waren in den vergangenen Jahren immer nahezu zu hundert Prozent ausgelastet“, erklärt Neumann-Holbeck. Ein Neubau soll die Kapazitäten der Einrichtung von derzeit 15 auf 22 Apartments erhöhen. Eröffnet wird er am 11. Dezember.

Die Ehrenamtlichen im Ronald-McDonald-Haus kümmern sich in Drei-Stunden-Schichten zwischen 9 und 18 Uhr vor allem um hauswirtschaftliche Belange. Je einmal pro Woche richten sie ein Frühstück und ein Abendessen für die Eltern aus, ein Entspannungsangebot gibt es auch. Um Seelsorge und psychologische Belange kümmert sich das Klinikum, doch auch die Ehren- und Hauptamtlichen des Apartmenthauses stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. 

„Meistens kommen die Eltern auf uns zu“, sagt Madeia. „Wenn es einem schlecht geht, geht es darum, dass einer zuhört“, bestätigt Neumann-Holbeck. Auch der enge Kontakt der Familien, die alle eine ähnliche Situation durchlebten, sei für diese hilfreich. „Jeder weiß, was es heißt, wenn bestimmte Begriffe fallen.“

Ein Gästebuch zeigt die Entwicklung der Kinder

In einem Gästebuch hinterlassen die Bewohner auf Zeit am Ende ihres Aufenthalts häufig nicht nur einen Dank, sondern auch Fotos ihres Nachwuchses: als Frühgeborene, häufig noch verkabelt, und als gesunde Babys, die die Klinik verlassen dürfen. „Das ist schon ein Unterschied“, sagt Madeia. 

Doch es kommt auch vor, dass Eltern ohne Kind die Einrichtung verlassen, weil es gestorben ist. Zwei-, dreimal habe sie solche Fälle in den vier Jahren ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bereits erlebt, berichtet die 29-Jährige.

Schulungen und eine jährliche Wochenendfahrt sollen den Ehrenamtlichen Unterstützung bieten. Einmal hätten sie an einem solchen Tag die Intensivstation mit den Frühgeborenen besucht, erzählt Madeia: „Die sind so klein, die mag man gar nicht anfassen.“

Serie Frühgeborene

Rund um den Weltfrühgeborenentag am 17. November zeigen wir verschiedene Perspektiven auf das Thema Frühgeburt auf. Im zweiten Teil geht es um einen Jungen, der in der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt kam. Im dritten Teil erzählt eine Mutter von ihren Zwillingen, die sie in der 28. Schwangerschaftswoche bekam. Im vierten Teil berichtet eine Kinderkrankenschwester, wie Eltern mit dem Schock der Frühgeburt umgehen und wie eine Klinik helfen kann.

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