Peter Hahn referiert über große Pläne und erfolglose Landungen / Nur noch wenige Relikte vorhanden

Zeppeline in der Wittekindstadt eher eine Luftnummer

Referent Peter Hahn

Wildeshausen – Die Veranstaltungen des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen im Rahmen der Vortragsreihe „Geschichte im Rathaus“ erfreuen sich generell großer Beliebtheit. Der Besucherandrang zum Vortrag von Peter Hahn über die Zeit der Luftschiffe in Wildeshausen im Rathaussaal war am Dienstagabend aber besonders groß. Als Hahn mit seinem Referat begann, war kein freier Sitzplatz mehr vorhanden.

Vielleicht liegt es daran, dass einige Relikte dieser Zeit in Wildeshausen immer noch auszumachen sind. In jedem Fall erinnern viele Straßennamen wie Zeppelinstraße, Dr. Eckener-Straße, Kapitän Strasser-Straße oder Kapitän-Lehmann-Straße an die Jahre zwischen 1915 und 1922. Bei den genannten Namen handelt es sich nämlich um Pioniere der Luftschifffahrt. Sie wurden auf den Straßenschildern verewigt, die Ära der Zeppeline in der Wittekindstadt war eher eine Luftnummer.

Luftschiffkapitän Hugo Eckener und Marinebaurat Dr. Beck gingen 1915 zwischen Elbe und Dollart auf Erkundungsfahrt, um Standorte für Luftschiffhäfen zu finden. Neben Ahlhorn wurden sie auch in Wildeshausen fündig. Während in Ahlhorn allerdings sieben Hallen gebaut wurden, stand in Wildeshausen im Mai 1916 lediglich eine Halle. Allerdings mit 232 Metern Länge, 35 Metern Breite und einer Höhe von 50 Metern von gigantischem Ausmaß. Während sich die Bauarbeiten wegen der widrigen Wetterverhältnisse um vier Monate verzögert hatten, erwies sich die Planung als fehlerhaft. Die Halle war nicht optimal zur vorherrschenden Windrichtung ausgerichtet.

Für das Projekt verkauften 25 Wildeshauser Ackerbürger 33 Hektar Land, 28 Hektar erwarb die Stadt Wildeshausen für das Fluggelände. „30 Jahre Garnison hatten die Militärs dem Wildeshauser Magistrat zugesichert. Daraus wurden schließlich nur sieben Jahre“, so der Referent. Insgesamt waren in Wildeshausen nur vier Luftschiffe stationiert, wobei mit dem Marineluftschiff LZ 47 Ende 1917 der letzte Zeppelin zur Landung ansetzte. Es waren erneut die Windverhältnisse, die eine sichere Landung verhinderten. Die LZ 47 wich schließlich nach Ahlhorn aus.

Von Wildeshausen aus wurden Angriffe gegen London gefahren. Die Luftschiffe der norddeutschen Standorte trafen sich über der deutschen Bucht, um einen Verband zu bilden. Aus seinem Buch „Träume und Erzählungen der Platane“ schilderte Peter Hahn eine solche Feindfahrt, die nach 23 Stunden wieder in Wildeshausen enden sollte. Doch auch dieser Landeanflug scheiterte. Die Wildeshauser Luftschifffahrt war damit Geschichte.

Nach dem Krieg wurde 1920 das gesamte Gelände an die Reichsvermögensstelle übergeben, die sowohl die Gebäude als auch die Grundstücke verkaufte. Drei vermögende Wildeshauser (Hermann Stegemann, Carl Mingers und Hermann Nolte) ersteigerten die Halle mit allen Gerätschaften für über eine Million Mark. Als sie aus Berlin zurückkehrten, waren Motoren, Pumpen und die Elektrik gestohlen worden.

Die Ackerbürger mussten bis 1930 vor Gericht für die Bezahlung ihrer 1915 verkauften Grundstücke streiten.

Überbleibsel der Wildeshauser Luftfahrtgeschichte finden sich heute noch in der Marinestraße (2 Gebäude) und am Reepmoorsweg. Dort liegt der Bombenkeller im Erdreich verborgen. Bis 2002 wurde das Signalhaus am Bargloyer Weg von Familie Gier für den landwirtschaftlichen Betrieb genutzt.  hri

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