Demo, Vorträge, Workshops: Aktionstag am Beruflichen Gymnasium der BBS Wildeshausen

„Die Zeit drängt megamäßig“

Schüler des Beruflichen Gymnasiums Wildeshausen beziehen Stellung in der Klimadebatte. Sie beschäftigten sich mit verschiedenen Aspekten des Themas. Fotos: Franitza

Wildeshausen – Es ging letztlich um mehr als nur um den Protest: Die Schüler des Beruflichen Gymnasiums haben am Freitag einen Aktionstag „Nachhaltige Entwicklung“ im Rahmen des weltweiten „Earth Strike Day“ („Weltstreiktag“) organisiert. Dieser begann mit einer Infoveranstaltung in der Aula, setzte sich mit einem Demonstrationszug durch die Stadt fort und endete mit mehreren Workshops, in deren Rahmen unter anderem drei Bäume gepflanzt worden sind. Wer nicht mitmachen wollte, konnte am Schulunterricht teilnehmen.

Eröffnet hatte den Vortragsteil der 24-jährige Student Philipp Weber aus Oldenburg. Er ist Teil des „Klimakollektivs Oldenburg“ und sprach auf Einladung der Schüler, die den Tag organisiert hatten. Dramatisch schilderte er die Folgen, die der Klimawandel bringen könnte – mit einem bis zu 60 Meter steigenden Meeresspiegel. Große Teil Nordeuropas wäre dann permanent überflutet. Er geißelte die bisherigen untauglichen Maßnahmen der Politik, inklusive der deutschen: Das „Klimapaket“ sei „ein schlechter Witz“, so Weber. Da immer mehr Menschen daher das Vertrauen in die Politik verlören, blieben nur „Maßnahmen des zivilen Widerstandes“, wie sie aus den 1970er- und 1980er-Jahren aus den Anti-AKW und Anti-Castor-Bewegungen bekannt seien – oder aktuell aus den Aktionen gegen den Braunkohletagebau. Diese ermöglichten ein Gefühl von „Selbstermächtigung“. Doch mahnte er, dass „im bestehenden System keine Lösungen zu finden sind“. Mit Konzernen und Kapitalismus lasse sich das Klimaproblem nicht bewältigen – ein „solidarisches Wirtschaftssystem“ sei vonnöten. Doch hätte man „noch nicht so die Idee“, wie das konkret aussehen solle. Ein autoritäres System, lehnte der Student der Wirtschaftswissenschaften ab.

Dass Veränderungen absolut notwendig sind, daran ließ auch Wilhelm Hoffrogge keinen Zweifel: „Es ist definitiv Zeit zum Handeln“, sagte der Geschäftsführer des gleichnamigen Wildeshauser Beratungsunternehmens. Ruhig, sachlich und anschaulich schilderte der 50-Jährige Ursachen, Zusammenhänge und aktuelle wie zukünftige Auswirkungen des Klimawandels. 2017 habe die Firma ihre Klimabelastung ausgerechnet und bestimmten Bereichen zugeordnet: 500 000 Kilometer etwa seien allein durch Fahrten zu Kunden zustanden gekommen – viel zu viel. Heute versuchen die Wildeshauser auswärtige Termine, falls möglich, durch Videokonferenzen zu ersetzen. Und wenn eine Reise unbedingt notwendig ist, so Hoffrogge, dann erfolgt sie jetzt mit der Bahn. Flüge von Bremen nach Frankfurt gebe es nicht mehr. Auch die Mitarbeiter werden angehalten – und belohnt – wenn sie ihren Weg zur Arbeit möglichst klimafreundlich bewältigen. Die verbleibenden Tonnen an Kohlendioxid, die auf das Unternehmen zurückgehen, gleicht Hoffrogge dadurch aus, dass er in einem ersten Schritt rund 11000 Bäume in Ecuador hat anpflanzen lassen. „Bäume, Bäume, Bäume – das ist uns wichtig“, sagte der Firmenchef. „Was wir nicht vermeiden können, wird kompensiert.“ Und so werde seine Firma den eingeschlagenen Weg fortsetzen: „Wenn wir 2015 damit begonnen hätten, wären wir heute schon klimaneutral.“ Dem Exempel seiner Firma könne jeder im Kleinen folgen, und müsse sich Gedanken machen, so Hoffrogge. Er schloss mit einem Appell: „Die Zeit drängt megamäßig – also lasst uns etwas tun.“

Seinem Beispiel folgen wollen zehn Firmen der Wildeshauser Mittelstandsvereinigung: Am Donnerstag haben sich Vertreter mit 15 Schülern und Lehrern des Beruflichen Gymnasiums getroffen. Die jungen Frauen und Männer bilden nun eine „Klima AG“, deren Ziel und Aufgabe es ist, bis Weihnachten – Hoffrogges Beispiel folgend – den Kohlendioxid-Ausstoß der Unternehmen zu berechnen und bestimmten Bereichen zuzuordnen. Daraus sollen dann Schritte in Richtung Klimaneutralität abgeleitet werden.

Bäume pflanzten die Schüler als Teil eines der 14 Workshops schließlich auch: Drei Buchen stehen nun direkt am Trakt des Beruflichen Gymnasiums. Die jungen Aktivisten gruben sie mit tatkräftiger Hilfe der Wildeshauser Baumschule „Thoms & Meyer“ ein. Einige kleine Blumenkübel wurden zudem mit immergrünen Bodendecker bepflanzt. Rund 200 Schüler seien zwei Stunden zuvor vom Wildeshauser Bahnhof über den Marktplatz und an der St.-Peter-Schule vorbei wieder in Richtung der Berufsbildenden Schulen gezogen, berichtete eine Schülerin. Dort gab es eine Abschlussveranstaltung mit einigen Reden, unter anderem vom Verein „Seebrücke Wildeshausen“. Es seien auch Teilnehmer der Realschule oder von der Privatschule Gut Spascher Sand mit dabei gewesen. Ihren Namen wollte die junge Frau nur ungern in der Zeitung lesen, sagte sie. Der finde sich nur allzu schnell in sozialen Netzwerken und dort in unliebsamen Zusammenhängen und Diskussionen wieder.  fra

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