Fleischkonzern Tönnies kooperiert im Emsland mit der kleinen Samtgemeinde Sögel

Es zahlt sich nicht nur für die Migranten aus

Arbeit in Schlachtbetrieben wird hierzulande zumeist von ausländischen Arbeitern übernommen. Foto: Tönnies

Sögel/Landkreis – Arbeitsmigranten werden im Oldenburger Land gebraucht, aber sie finden sich nicht selten am Rande der hiesigen Gesellschaft wieder: Berichte über unzumutbare Unterkünfte, unwürdige Beschäftigungsverhältnisse und Probleme aufgrund nicht stattfindender Integration in die gastgebenden Kommunen tauchen immer wieder auf. Nicht zuletzt beschäftigen sich der Landkreis Oldenburg, ein dort eigens eingerichteter Arbeitskreis sowie lokale Akteure mit dem Thema (wir berichteten). Rechtlich sind nicht alle Bereiche einfach Griff in den zu bekommen, etwa was die Kontrollen von privat vermieteten Wohnungen angeht.

Einen anderen Weg hat die Samtgemeinde Sögel im Emsland eingeschlagen – beziehungsweise einschlagen können: Zusammen mit der vor Ort ansässigen Firma Weidemark, die zum Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gehört (Jahresumsatz 2018 rund 6,65 Milliarden Euro bei 15 600 Mitarbeiten), und deren lokal tätigen Vertragsunternehmen hat sich die Kommune auf ein vertraglich geregeltes Verfahren geeinigt: Den „Sögeler Weg“, der auch als Modell für den Landkreis Oldenburg gehandelt wird. Dieser sieht unter anderem eine Zertifizierung des Wohnraumes sowie eine monatliche Abgabe je Mitarbeiter vor, die für die Integrationsarbeit verwendet wird.

„Natürlich kostet das Geld – viel Geld sogar. Und es ist aufwendig“, sagt Tönnies-Pressesprecher André Vielstädte auf Anfrage unserer Zeitung, „doch wir profitieren total davon.“ Der Konzern halte an den 2013 getroffenen Regelungen fest und habe auch vor, dies im beschlossenen Rahmen weiterhin zu tun, so Vielstädte weiter. Zudem habe das Unternehmen eine Verantwortung für seine Angestellten.

Die Arbeitgeber übernehmen die Kaltmiete in den möblierten und angemessen ausgestatteten Wohnungen, die er seinen Angestellten überlässt. Fünf Euro für jeden der circa 1 000 Mitarbeiter und Monat stellen die Betriebe der Samtgemeinde zur Verfügung. Diese hat ihrerseits das Kolpings-Bildungswerk des Diözesanverbands Oldenburg beauftragt, ein „Europabüro“ einzurichten. In der Ortsmitte gelegen, erhalten Hilfesuchende dort sechs Tage die Woche Unterstützung in den Sprachen Ungarisch, Polnisch und Rumänisch.

Doch gelte das Modell nach Sögeler Vorbild nicht in allen Betrieben des Konzerns. „Man kann das in abgestufter Form machen“, erläutert der Pressesprecher weiter, etwa mit einer Vereinbarung, die gezielt auf die Wohnungskontrolle ausgerichtet ist. Mit dem „Sögeler Weg“ hat sich die Konzernfirma unter anderem verpflichtet, bei den Wohnungen Mindestgrößen einzuhalten (zum Beispiel sechs Quadratmeter je Schlafplatz) und die Unterkünfte von der Gemeinde regelmäßig neu zertifizieren zu lassen. Zudem sei der Dialog zwischen den Beteiligten – Firmen, Kommunen und relevanten Organisationen wie etwa Caritas oder Gewerkschaften – entscheidend. „Einen Mustervertrag gibt es nicht“, fasst Vielstädte zusammen. Im Falle Sögel könne er sagen: „Wir stehen voll dahinter und setzen das auch fort.“ Der Grund: Es zahle sich für den Konzern aus. Die Akzeptanz der Firmen vor Ort habe sich in Politik und Gesellschaft verändert, befindet er. Zudem gebe es im Umfeld „weniger Auffälligkeiten“. Und nicht nur das: Im Emsland herrsche unter Unternehmen mit arbeitsintensiver Produktion – dazu gehöre auch die Fleischindustrie – schon längst ein Wettbewerb um geeignete Mitarbeiter: „Wir ringen um jeden Mann.“

Den positiven Eindruck von der Vereinbarung kann Cornelia Willigmann-Kassner bestätigen. Die Juristin ist im Sögeler Rathaus unter anderem für das öffentlich-rechtliche Vertragswesen zuständig. „Das ist eine ganz wichtige Einrichtung“, ist sie überzeugt vom Funktionieren der Regelung, einem „Eigenkonstrukt“ der Kommune. Regelmäßig träfen sich die Vertragspartner zu einem „Runden Tisch“, um aktuelle Themen zu besprechen, berichtet sie unserer Zeitung.

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