Wildeshauser vor Gericht

Zahlreiche Schläge und Tritte auf dem Gildefest: 21-Jährigem ist Tatbeteiligung nicht nachzuweisen

  • Dierk Rohdenburg
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Wildeshausen – Es war 4.30 Uhr am 22. Mai 2018, als vor dem Festzelt auf dem Gildeplatz in Wildeshausen eine Schlägerei ausbrach. Einem 24-jährigen Wildeshauser wurde nach einem Faustschlag der Kiefer geprellt und ein Weisheitszahn verschoben, ein 25-jähriger Wildeshauser erlitt einen Nasenbeinbruch.

In diese Schlägerei verwickelt war ein 21-jähriger Wildeshauser. Während ein Kumpel von ihm unter anderem wegen des Faustschlags schon vor geraumer Zeit vom Amtsgericht verurteilt worden war, konnte dem am Mittwoch vor der Jugendrichterin stehenden jungen Mann eine konkrete Tat nicht nachgewiesen werden. Das Verfahren wurde eingestellt. Der 21-Jährige soll aber wegen seiner labilen Gesundheit und ungefestigten Persönlichkeitsstruktur an einer viermonatigen Maßnahme des Vereins „Brücke�� teilnehmen.

Der Angeklagte wollte sich zu den Vorfällen nicht äußern. Das 24-jährige Opfer beschrieb hingegen, dass er, seine Freundin sowie ein Kumpel gerade vom Festzelt nach Hause gehen wollten. Er habe sich noch von Bekannten verabschiedet, als er gesehen habe, wie sich drei Männer vor dem Eingang um seine Freundin aufgebaut hatten. Er sei dort hingeeilt, habe den offensichtlichen Rädelsführer, den er vom Vorabend gekannt habe, an der Schulter nach hinten gedrückt und sich sofort einen Faustschlag eingefangen. Beide seien zu Boden gegangen. Dort habe er von zwei Seiten heftige Tritte an den Kopf und den Hüftbereich bekommen. „Ich konnte eine Woche lang nicht beißen und gehen“, berichtete er im Gerichtssaal.

Sicherheitsdienst hielt 21-Jährigen fest

Sein Kumpel erinnerte sich in der Verhandlung ähnlich. Er sei etwas später dazugekommen und habe versucht, die am Boden Liegenden auseinanderzuziehen. Dabei habe er den Schlag gegen seine Nase abbekommen, und zwar von dem Mann, der seinen Freund mit der Faust getroffen habe.

Wer aber gegen den 24-Jährigen, der am Boden lag, getreten hatte, konnte auch seine Freundin nicht sagen. Der Sicherheitsdienst des Festzeltes konnte offenbar nur den 21-Jährigen festhalten, der nun als Beteiligter vor Gericht stand – ohne ihm konkret Gewalttaten zuordnen zu können.

Aus diesem Grunde suchte die Richterin das offene Gespräch mit allen Beteiligten. Ein Blick in das Bundeszentralregister offenbarte fünf Einträge wegen gefährlicher Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Sachbeschädigungen. Offenbar war der junge Mann bis zu einer Einweisung in eine Klinik vor einem Jahr regelmäßiger Drogenkonsument gewesen und litt unter psychischen Problemen.

Richterin regte Einstellung des Verfahrens an

Der Jugendgerichtshelfer wies auf zahlreiche Verfehlungen in der Vergangenheit und eine problematische Familiensituation hin. Allerdings, so seine Einschätzung, sei der junge Mann mittlerweile auf einem guten Weg. Er habe sich eigenen Angaben zufolge von alten Freunden gelöst, nehme keine Drogen mehr und befinde sich in psychologischer Behandlung. Seit zwei Jahren sei der 21-Jährige nicht mehr polizeilich aufgefallen. Von daher solle man dem jungen Mann eine Chance geben und ihn durch Mitarbeiter der „Brücke“ unterstützen.

Angesichts der dürftigen Beweise für eine gefährliche Körperverletzung stimmten sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger und die Schöffen einer Einstellung des Verfahrens gegen die Auflage einer pädagogischen Betreuung zu. Der junge Mann gelobte, diese Möglichkeit nutzen zu wollen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa/ Karl-Josef Hildenbrand

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