Diskussion im Kreis-Fachausschuss zur Neustrukturierung des Rettungsdienstes im Landkreis

Zahlen sind nicht immer erwünscht

Ein blaues Rundlicht auf einem Fahrzeugdach.
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Blaulichteinsätze: Laut einem Zwischenergebnis der Restrukturierung kommen Rettungswagen im Landkreis Oldenburg etwas öfter früher bei Notfällen an. Symbolfoto: dpa

Wildeshausen – Es war nur ein kurzer Satz während des rund einstündigen Vortrags von Kreis-Rettungsdienstleiter Jörn Kaminski, der aber keine Beachtung fand: Während der rund vierstündigen Debatte über die Neustrukturierung des Rettungsdienstes im Landkreis Oldenburg trug er dem Bau-, Straßen- und Brandschutzausschuss am Dienstag unter anderem die bisher ermittelten Veränderungen vor.

Und eine davon lautete, dass in den vergangenen neun Monaten messbar Rettungswagen nun häufiger innerhalb von acht Minuten bei den Notfallpatienten eintreffen, als vor der Umstellung. Die gesetzliche Vorgabe liegt bei maximal 15 Minuten.

Die Informationsdichte des Kaminski-Referats war hoch, den meisten Ausschussmitgliedern war dies jedoch zu nüchtern und „zu wissenschaftlich“, wie sie bekundeten – dies unter anderem in dem Chat, der parallel zur Online-Sitzung des Gremiums geschaltet worden war.

„Höchstes Gut“

Es sei ein Thema von „herausragender Bedeutung“, sagte Landrat Carsten Harings eingangs des Tagesordnungspunktes. Gesundheit und Leben der Kreiseinwohner seien ein „höchstes Gut“ und mit nichts zu bezahlen. „Uns alle eint diese Sichtweise“, so Harings. Der Erste Kreisrat Christian Wolf berichtete darauf ebenfalls zum Thema. „Es bewegt die Leute und es bewegt sie zu Recht“, sagte er. Doch seien in der Diskussion in den vergangenen Monaten auch „nicht wahrheitsgemäße Aussagen“ getroffen worden, die dann für „Unruhe“ gesorgt hätten.

Er berichtete von einer Sondersitzung des Verwaltungsausschusses der Großleitstelle Oldenburger Land. Diese koordiniert die Einsätze aller sechs an den Umstrukturierungen beteiligten Kommunen. Dort sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Umsetzung noch „nachgesteuert“ werden müsste. Die Kommunikation sei zudem insgesamt „nicht so gelungen“, wie man es sich vorgestellt habe, so Wolf. Das Gremium habe zwar am Donnerstag vergangener Woche einstimmig beschlossen, „den Weg der gemeinsamen Bedarfsplanung“ fortzusetzen. Doch solle die Situation zunächst analysiert und mit der weiteren Umsetzung bis Ende des Jahres pausiert werden. Weitere Schritte sollten dann erst im kommenden Jahr erfolgen. Um den Kommunikationsfluss zu verbessern, insbesondere mit den Mitarbeitern in den Rettungsdiensten, soll eine Informationsplattform installiert werden. Diese soll insbesondere Rückmelde-Systeme enthalten, um die Akzeptanz weiter zu steigern.

CDU wil Umsetzung ganz stoppen

Im weiteren Verlauf stellte Kaminski die ersten Erkenntnisse der Restrukturierung vor. Das Ziel, die Einsatzarten künftig den geeigneten Fahrzeugen und Besatzungen zuzuordnen, sei bereits spürbar gelungen (wir berichteten). Er merkte an, dass es sich nicht um die Umsetzung einer Studie der Uni Maastricht handele, sondern die Hochschule die Rettungsdienstträger – also die beteiligten Landkreise und Städte – nur wissenschaftliche berate und begleite. Die Entscheidungen träfen die Kommunen. Harsche Kritik musste er sich für seinen mit vielen Zahlen unterfütterten Bericht etwa von Dirk Vorlauf (CDU) anhören: Bei dem Thema gehe es um mehr als nur eine wissenschaftliche Analyse, sagte der Huder. Es ginge hier „nicht um die Umstrukturierung eines Bauhofs“, sondern um Menschenleben. Da müsse man anders herangehen und sich „nicht nur an Zahlen abarbeiten“, monierte er. Die Anzahl der Anträge, die noch im Vorfeld der Ausschusssitzung gestellt worden waren, belegten, wie schwierig das Thema sei, so Vorlauf. Seine Fraktion hatte gefordert, die ganze Umsetzung zu stoppen und neu anzugehen. Dabei sollte die Akzeptanz der jeweiligen „Fachleute vor Ort“ berücksichtigt und Veränderungen „von unten nach oben“ aufgebaut werden.

„Es ist nicht zielführend, wieder alles auf links zu drehen“, entgegnete unter anderem Götz Rohde (Grüne). Selbstkritisch räumte er ein, dass sich der Ausschuss bei der Vorstellung des Themas vor einem Jahr vielleicht noch nicht der Tragweite der Situation bewusst gewesen sei. Doch wüsste er nicht, wie ein solcher Stopp jetzt nach außen zu vertreten sein sollte. In der Diskussion seien viele Informationen „durcheinandergegangen“, es sei auch mit Informationen gearbeitet worden, „die schlichtweg nicht stimmen“, so der Harpstedter, und nannte das Stichwort „Fake News“. Doch gehe es letztlich um eine Sachentscheidung und nicht um „was behauptet wird“, befand Rohde.

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