Wichtigste Aufgabe entzogen

Wolfsberater haben bald ausgedient

Zwei Wölfe.
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Sesshafte Wölfe: Das Niedersächsische Umweltministerium spricht von einer „neuen Normalität“.

Landkreis/Hannover – Der Zusammenhang scheint fast egal: Der Wolf ist ein heikles Thema geworden. Ob es sich nun um Befürworter der Wiederansiedlung des Rudeltieres handelt, oder um strikte Gegner des Raubtieres – in den Diskussionen schlagen die Gemüter stets hoch. Das wissen nicht zuletzt die Wolfsberater, die sich bislang um das Thema gekümmert haben.

Über die Jahre sind sie zu Fachleuten rund um den sesshaft gewordenen Vierbeiner geworden: Sie nehmen Hinweise zu Sichtungen auf, vermitteln Wissen rund um den „Canis lupus“ – und kümmern sich insbesondere um die Überprüfung von verdächtigen Rissen. Denn nur anhand von Proben, die von den getöteten Tieren genommen werden, lässt sich eindeutig die Täterschaft feststellen. Das erfordert Expertise und rasches Handeln.

Doch bald haben die Wolfsberater ausgedient. So will es das Niedersächsische Umweltministerium. Der Landkreis Oldenburg ist alles andere als begeistert von der Ankündigung. In den kommenden Wochen soll die Niedersächsische Landwirtschaftskammer (LWK) die Aufgabe der Aufnahme von Wolfsrissen übernehmen. Das bestätigte des Niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage unserer Zeitung. Dort werde die Aufgabe von bisherigen Mitarbeitern übernommen – die dafür allerdings erst noch geschult werden müssen, räumte Kammer-Sprecher Wolfgang Ehrecke auf Nachfrage ein.

350 bis 400 Wölfe in Niedersachsen

„Das Wolfsberater-Wesen stammt aus einer Zeit, als es nur eine Handvoll Wölfe und Rudel gab“, erläuterte Ministeriumssprecher Christian Budde im Gespräch. Das Thema sei damals noch nicht derart emotional aufgeladen gewesen, wie die aktuellen Diskussionen. Inzwischen hätten sich die Tiere stark vermehrt: Das Ministerium gehe landesweit von 39 Rudeln, einem Paar sowie zwei residenten Einzelwölfen aus – zusammen zwischen 350 und 400 Tiere. „Wir kommen zu einer neuen Normalität“, umschreibt Budde die Situation. Und diese bedeute auch, dass es zu Konflikten zwischen dem „Schutzgut Wolf“ und den Weidetieren komme. Die Situation habe sich weiterentwickelt. So sei etwa die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere in Niedersachsen von acht in 2012 auf etwa 230 Attacken in 2021 angestiegen.

Umweltminister Olaf Lies habe die Veränderungen im Herbst im Landtag angekündigt sowie im September während einer Wolfsberater-Tagung mitgeteilt, so Budde. Es gibt rund 105 Ehrenamtliche, die mit der Aufgabe betraut sind, vier im Landkreis Oldenburg. Und wie haben die Berater das aufgenommen? „Es gab viele, die das gut fanden und einige, die das nicht gut fanden“, antwortet Budde. Manche hätte sich über ihre Aufgabe „definiert“, andere sähen es – aufgrund der aufgeladenen Diskussion – als Entlastung an.

Landwirtschaftskammer übernimmt

„Ziel ist die schnelle und verlässliche Unterstützung für Niedersachsens Weidetierhalter, deren Tiere von Wölfen attackiert wurden“, so der Sprecher weiter. Bei der LWK liefen während der aktuellen Übergangsphase die Vorbereitungen zur Übernahme der Rissbegutachtung auf Hochtouren. Diese Umstellung solle „noch deutlich vor dem Frühjahr“ abgeschlossen sein. Unter anderem würden LWK-Mitarbeiter für die Anforderungen der Vor-Ort-Termine speziell geschult. Bis die LWK diese zusätzliche Dienstleistung operativ wahrnimmt, bleibe es bei der heutigen Zuständigkeit der Wolfsberater. Abschließende Gespräche zwischen dem Umweltministerium und der LWK liefen derzeit aber noch. Die bisher geleistete Arbeit der Berater sei „aller Ehren wert“, so Budde. Künftig würden die Wolfsberater sogar „noch mehr gebraucht“, etwa wenn es um Nahbegegnungen mit dem Wolf gehe. LWK-Sprecher Ehrecke bezeichnet die neue Aufgabe als eine „weitere Dienstleistung“, die von der Kammer für Nutztierhalter übernommen werde – wie etwa bereits die Herdenschutzberatung. Gegenwärtig befinde man sich aber noch in einer „Übergangsphase“.

Der Landkreis Oldenburg war bis Jahresende noch nicht offiziell über die Umstellung informiert gewesen, berichtet Annika Mutke, Leiterin des Amts für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises Oldenburg, auf Nachfrage. Die Verwaltung habe von den betroffenen Wolfsberatern davon erfahren. Das Amt sei überrascht gewesen – und begrüße die Umstellung nicht. Der gemeinsam erarbeitete und etablierte „Ablaufplan Wolf“ im Landkreis sei damit hinfällig. Die Wolfsberater selber seien fachlich kompetent und als Ansprechpartner bekannt. „Etwas, was lange aufgebaut worden ist, wird über den Haufen geworfen“, monierte Mutke.

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