Langjähriger Vorsitzender kandidiert bei der Jahreshauptversammlung nicht wieder

Wolfgang Sasse gibt die VfL-Führung ab

Sein „Baby“ nennt Wolfgang Sasse die Kinder- und Beachsportanlage im Krandel. Hier steht er in der in diesem Sommer gebauten Umkleide.
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Sein „Baby“ nennt Wolfgang Sasse die Kinder- und Beachsportanlage im Krandel. Hier steht er in der in diesem Sommer gebauten Umkleide.

Wildeshausen – Der VfL Wittekind Wildeshausen verliert seinen langjährigen Vorsitzenden. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigt Wolfgang Sasse an, bei der Mitgliederversammlung am Freitag, 9. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Widukindhalle nicht wieder für das Amt zu kandidieren. „Ich möchte die Führung zukunftsfähig aufstellen“, sagt der 74-Jährige, der seit zwölf Jahren an der Spitze des größten Sportvereins der Stadt steht.

Seit 52 Jahren Sportfunktionär

„Damit endet für mich persönlich eine Aufgabe, die sehr zeitaufwendig war“, erklärt der Wildeshauser. Er habe viele Überraschungen und harte Kämpfe um das „liebe Geld“ erlebt, aber auch tolle Veranstaltungen und Ereignisse in einem kompetenten Team, „in dem ich viel gelernt und dem ich viel zu verdanken habe“. Er könne sich durchsetzen, sagt er. Dass er dabei hin und wieder aneckt, nimmt er in Kauf.

In Sasses Augen ist der rund 2 000 Mitglieder starke VfL gut aufgestellt. Er verweist auf die Abteilungen, die von gut ausgebildeten Übungsleitern in relativ großer Eigenverantwortlichkeit geführt würden. Beispielhaft nennt er die jeweiligen Budgets, die von den Abteilungen selbst gemanagt würden. Allerdings hat Sasses Nachfolger im Bereich Handball einiges zu tun. „Zu meinem persönlichen Bedauern hat sich diese Abteilung nach meinem Rückzug als Leiter und der folgenden Spielgemeinschaft fast aufgelöst“, stellt Sasse fest. Eine Entwicklung, die ihn, der jahrzehntelang in Handballmannschaften gespielt und diese dann später trainiert hat, besonders schmerzen muss. Hingegen sei der Neuaufbau der Führung in der Fußballabteilung mit Matthias Ruhle als Nachfolger von Ottmar Jöckel eingeleitet worden. Letzterer ist stellvertretender Vorsitzender des VfL und könnte Sasse zumindest übergangsweise an der Vereinsspitze beerben.

Auch wenn der 74-Jährige nicht wieder kandidiert, möchte er den Verein nicht im Stich lassen. „Wenn gewünscht, bin ich bereit, zu unterstützen und die Kinder- und Beachsportanlage mit einem eigenen Budget zu verwalten.“ Letztere ist gewissermaßen das „Baby“ des langjährigen Vorsitzenden, der den Bau der Anlage massiv vorbereitet und ab 2016 dann umgesetzt hat. In diesem Jahr waren mehr als 8 000 Besucher dort – auch weil wegen Corona weniger Trainingsmöglichkeiten in Sporthallen zur Verfügung standen. Der Bereich habe sich „zu einem sozialen Treffpunkt für die Bürger unserer Stadt entwickelt“, sagt Sasse.

Als Soldat nach Wildeshausen

Der ehemalige Fallschirmjäger kam 1965 als Soldat nach Wildeshausen. Schon als junger Mann engagierte er sich ehrenamtlich und war Gründungsmitglied des SC Wildeshausen. Kurz darauf wechselte er zum VfL Wittekind, wo er als Abteilungsleiter die Handballsparte betreute. Später wurde er sogar für ein paar Jahre Trainer in England und war außerdem mehrere Jahrzehnte als Schiedsrichter aktiv. „Ich bin jetzt 52 Jahre Sportfunktionär“, blickt Sasse zurück.

Ein Einsatz, der nicht unbemerkt geblieben ist. Die Stadt Wildeshausen hat ihren umtriebigen Bürger 1982 mit der Goldmedaille für herausragende sportliche Leistungen gewürdigt. Damals war Sasse gerade in den Stadtrat gewählt worden und führte den CDU-Stadtverband. Bis 1996 saß er im Rat, bevor er sich wieder ganz auf den Sport konzentrierte, für den er nach dem Abschied aus dem aktiven Dienst 1998 viel Zeit hatte. Diverse Auszeichnungen von Handball- und Sportverbänden folgten für den gelernten Möbeltischler. „Ich bin kein Einzelgänger“, sagt der 74-Jährige über sich. Die Zeit bei der Bundeswehr, die Kameradschaft habe ihn geprägt. Deswegen habe er sich immer wieder engagiert.

So auch ab 2011 wieder im Stadtrat und seit 2014 im Kreistag. Sasse ist zurzeit ebenfalls erneut Vorsitzender des CDU-Stadtverbands. Eine Tätigkeit, der er weiter nachgehen will. „Ich konzentriere mich jetzt auf die Politik“, sagt er. Im Sport sei der Wettkampf oft härter, dafür aber ehrlicher, findet der in der Stadt sehr bekannte Netzwerker. Und der Erfolg sei einfacher zu messen, schließlich gebe es eine Tabelle.

Blickt man auf die Liste seiner Ehrungen, darf der 29. Januar 2016 nicht fehlen: Damals wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Eine Auszeichnung, die er damals ganz bewusst den Teams widmete, die in seinem Leben eine Rolle gespielt hatten.

Und jetzt? Wird Sasse der Spitzenposten im VfL nicht fehlen? „Nein, für mich ist das ein Verwaltungsakt“, sagt der 74-Jährige, der sich topfit fühlt, ganz nüchtern. Er habe den Verein in schwierigen Verhältnissen übernommen, inzwischen sei der VfL aber finanziell gesundet. Und als Krandelverwalter bleibt Sasse auch weiterhin ganz enger Ansprechpartner des Clubs, für den er nun schon seit mehr als 50 Jahren tätig ist.

Verwaltungsaufwand stört Sasse

Ganz und gar nicht fehlen wird ihm der hohe Verwaltungsaufwand. „Die Gesetze verändern sich. Da kommst du als Ehrenamtlicher gar nicht mehr hinterher“, sagt er und blickt von der Kinder- und Beachsportanlage auf die Trainingsplätze im Krandel. Weil bei einer Überprüfung Sicherheitsbedenken bei einem Flutlichtmast aufgetaucht waren, soll die ganze Beleuchtung ausgetauscht werden. Zurzeit sorgt ein mobiles Flutlicht dafür, dass abends geübt werden kann. Aber das ist ein Problem für Sasses Nachfolger.

Von Ove Bornholt

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