Planungsbüro entwickelt mit Bürgern und Politik Konzept zum Wohnungsbau

„Wohnklötze“ unerwünscht

Stein des Anstoßes: Anwohner empfinden das Gebäude am Haferweg als „Wohnklotz“.
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Stein des Anstoßes: Anwohner empfinden das Gebäude am Haferweg als „Wohnklotz“.

Wildeshausen – Auf der einen Seite stehen Investoren, die dringend benötigte Wohnungen in Wildeshausen bauen wollen, auf der anderen Seite Anwohner, die einen „gefühlt dreistöckigen Wohnklotz“ in ihrem von Einfamilienhäusern geprägten Viertel fürchten. Um in diesem Spagat zu vermitteln und klare Regeln zu schaffen, soll ein Planungsbüro gemeinsam mit Politik und Bürgern ein Konzept für die „Verträgliche Innenentwicklung“ erarbeiten. Darauf hat sich am Mittwochabend der Ausschuss für Stadtplanung, Bau und Umwelt einstimmig geeinigt.

Weil sich viele Anwohner für das Thema interessierten, war die Sitzung kurzerhand in die Aula der Realschule verlegt worden. Dort traten die Betroffenen jedoch nicht als Wutbürger auf, sondern applaudierten, weil sich Verwaltung und Politik genau in die von ihnen gewünschte Richtung bewegt. Es wurde nämlich auch eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan Nummer 4.3 „Düngstruper Straße/Bargloyer Straße“ auf den Weg gebracht, deren Ziel der Erhalt der „vorhandenen Siedlungsstruktur“ ist. Anwohner aus dem Bereich hatten sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, nachdem am Haferweg ein „Wohnklotz“, wie sie es nennen, errichtet wurde.

Interessante Bauweise für Investoren

Dabei handelt es sich um einen zweistöckigen Bau, den ein Staffelgeschoss abschließt. Dieses ist de facto ein drittes Geschoss, wird aber baurechtlich nicht so gewertet, weil es ein bisschen eingerückt und nicht ganz so hoch ist. Für Investoren ist diese Bauweise interessant, weil sie mehr Wohnungen in dem Gebäude unterbringen können.

Dass es durchaus Häuser mit Staffelgeschoss gibt, die sich harmonisch in die Umwelt einfügen, zeigte ein Vortrag von Ina Rehfeld vom Planungsbüro NWP in Oldenburg. Auf Einladung der Verwaltung warnte sie aber vor einer ungesteuerten Verdichtung, wenn nicht rechtzeitig Entwicklungsziele vereinbart werden.

So weit ist es in Wildeshausen allerdings schon lange gekommen, meinen nicht nur die Vertreter der Bürgerinitiative. „Wir sind spät dran. Eigentlich schon zu spät, schließlich sind einige Bausünden schon fertiggestellt“, sagte CDW-Ratsherr Jens-Peter Hennken. Laut Rehberg gehe es jetzt darum, die kleinteiligen Siedlungsstrukturen zu schützen, gleichzeitig aber maßvoll zu verdichten – und das tendenziell eher im Ortskern.

Drei Zonen in der Stadt?

Konkret könnte NWP oder ein anderes Planungsbüro, der Auftrag wurde noch nicht vergeben, erst den Hausbestand in Wildeshausen dokumentieren und dann drei Dichtezonen definieren: den Innenstadtbereich mit Gebäudehöhen von bis zu 13 Metern und maximal zehn Wohnungen pro Haus sowie Staffelgeschossen, die Zone mittlerer Dichte mit höchstens 6,50 Metern Höhe und bis zu acht Wohnungen pro Gebäude sowie schließlich die Zonen mit geringer Dichte, in denen nur zwei Wohnnungen je Gebäude zugelassen sind. „Man kann das aber nicht bis zum Ortsrand durchziehen“, sagte Rehfeld. „Mikrostandorte“ könne es auch dort geben. Die Erstellung des Konzepts würde ein bis anderthalb Jahre dauern und 35 000 Euro kosten.

Dass grundsätzlich mehr Wohnraum gebraucht wird, ist eigentlich nicht umstritten. Der letzte Stand der Wohnbedarfsprognose sieht einen Bedarf von knapp 600 Wohnungen bis 2030 vor. Und Investoren haben dieses Feld durchaus auf dem Schirm. Gingen im vergangenen Jahr noch 16 Bauanträge für Häuser mit mehr als zwei Wohnungen ein (insgesamt 78 Wohneinheiten), sind es dieses Jahr schon 22 Anträge (141 Wohneinheiten).

Diskussion über Veränderungssperre

Während die Konzeptentwicklung einstimmig auf den Weg gebracht wurde, entbrannte um die Veränderungssperre eine Diskussion. Karl Schulze Temming-Hanhoff (parteilos) sprach von einer „Verhinderungsplanung“, die nach Baugesetzbuch nicht vorgesehen sei. Das sei so nicht zutreffend, widersprach Bauamtsleiter Hans Ufferfilge. Auch Pirat Uwe Bock lehnte eine Veränderungssperre ab. „Ein großes Haus steht da ja schon. Da ist es doch unerheblich, ob ein zweites oder drittes dazukommen.“ Hennken warb dafür, die Sperre so kurz wie möglich zu halten. „Die Stadt muss ein verlässlicher Partner für Investoren sein“, mahnte er. Hermann Hitz (UWG) widersprach: „Wir sollten das gründlich machen und uns nicht unter Zeitdruck setzen.“

Auch Wolfgang Sasse (CDU) hatte Bauchschmerzen. „Wir nehmen Bürgern damit die Chance, ihre Altersvorsorge zu sichern“, gab er zu Bedenken. Und es sei im Sinne des Klimaschutzes, möglichst wenig Boden für möglichst viele Wohnungen zu verbrauchen. Auf der anderen Seite gebe es natürlich auch Bürger, neben deren Häusern ein großes Gebäude gebaut wird, „die aber auch mal die Sonne sehen wollen, wenn sie aus dem Fenster gucken“. Parallel zur Sperre soll der Bebauungsplan „Düngstruper Straße/Bargloyer Straße“ überarbeitet werden, sodass dort keine weiteren „Klötze“ mehr gebaut werden können.

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