In welche Richtung und auf welche Weise soll sich Wildeshausen entwickeln?

Wohnbedarf fordert Politik heraus

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In Wildeshausen wird viel gebaut. Wo es künftig weitere Baugebiete gibt, muss die Politik entscheiden. 

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die neue Wohnbedarfsprognose für Wildeshausen wurde am Dienstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass in Zukunft einige Herausforderungen auf die Stadt zukommen. Wie die Gutachter erläuterten und unsere Zeitung berichtet hatte, steigt der Bedarf an Wohnungen weiter an. Allerdings ist das Ausweisen neuer Baugebiete allein keine Lösung, wie sich während der Sitzung zeigte.

„Aus demografischen Gründen empfehlen wir Ihnen, überall Wohnungen zu bauen und die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SteM) ,Vor Bargloy‘ vorsichtiger zu entwickeln“, sagte Ingenieur Dr. Uwe Höger, der die 64-seitige Wohnbedarfsprognose maßgeblich mit erstellt hatte. Ihm schweben bis 2025 gut acht Hektar für 128 Einfamilienhäuser, knapp zwei Hektar für 43 Reihen- und Doppelhäuser sowie 6,8 Hektar für 400 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern vor. Bei allen Zahlen handelt es sich um Schätzungen. Auch eine Quote für preiswerten Wohnraum hält er für sinnvoll.

Damit gab Höger der Politik das Wort. „Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die soziale Entwicklung in Wildeshausen“, betonte Wolfgang Sasse (CDU). Angesichts der vielen bulgarischen Werkvertragsarbeiter kämen soziale Einrichtungen wie Krippen, Kitas und Schulen nicht mehr mit. Der Christdemokrat sprach von der „Gefahr einer Parallelentwicklung“ und stellte fest: „Vor drei Jahren hatten wir noch nicht so viele Bulgaren in Wildeshausen.“ Allerdings hält er den sozialen Wohnungsbau nicht für die Lösung aller Probleme. Der sei nur für Leistungsempfänger. „Wir müssen uns aber auch die Frage stellen: Was braucht die Wirtschaft?“, so Sasse, der Lehrlingsheime oder Werkswohnungen ins Spiel brachte. „Das wäre gar nicht so verkehrt.“

Ganz grundsätzlich stellt sich beim Wohnraum die Frage, wie stark die Stadt steuernd eingreifen will. Ein wiederkehrendes Problem ist, dass Sozialwohnungen nach einer gewissen Zeit aus der Preisbindung fallen. Heiner Spille (UWG) schlug vor, die Fristen auf zehn, 15 oder 20 Jahre zu erhöhen. „Das wäre toll, würde aber eine Menge Geld kosten“, informierte Höger. Summen, die die Stadt wohl eher nicht aufbringen kann.

Bernhard Block (CDW) betonte, dass die Stadt zurzeit kaum steuere. „Wir befriedigen doch nur Anfragen nach Bauland.“ Hermann Hitz (UWG) stellte den freien Markt, der sich hauptsächlich am Gewinn orientiere, und eine Steuerung der Stadt gegenüber. „Wir müssen aufpassen, jetzt die richtigen Weichen zu stellen“, sagte der Ratsherr. Ansonsten könne es „entvölkerte Ecken“ geben. Damit spielte er auf die Entwicklung der Altstadt an. Laut Gutachtern kann diese „ausbluten“, wenn sie nicht durch Nachverdichtung beständig entwickelt wird.

Block brachte angesichts des komplexen Themas eine ausschließlich darauf ausgerichtete Sitzung Anfang 2020 ins Spiel und erntete allgemeine Zustimmung. Bis dahin wollen sich die Fraktionen anhand des Gutachtens intern Gedanken über die Wohnentwicklung machen.

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