Wohin pendeln die Landkreisbewohner?

Mehr Beschäftigte fahren aus dem Landkreis heraus, um ihrer Arbeit nachzugehen, als hineinkommen. grafik: ihk

Immer mehr Menschen im Oldenburger Land pendeln zur Arbeit – in einen anderen Landkreis oder eine größere Stadt. Aufgrund dieser Entwicklung fordert die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer einen Ausbau von Straßen und öffentlichem Nahverkehr.

VON KATIA BACKHAUS

Landkreis Oldenburg – Eine Studie, die die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass die Pendlerzahlen im Oldenburger Land in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Vier von zehn Beschäftigten nutzen alltäglich das Auto, die Bahn oder den Bus, um zur Arbeit zu kommen. Die Daten der Studie basieren laut IHK auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2018.

Landkreise und Städte lassen sich klar in Ein- oder Auspendelgebiete unterscheiden. Der Landkreis Oldenburg ist vor allem eine Wohnregion: Rund 34 600 Personen fahren von dort aus zur Arbeit, nur knapp 13 360 kommen für ihren Job dorthin. Er hat in der IHK-Region, die von den Landkreisen Friesland und Wesermarsch im Norden bis zum Landkreis Vechta im Süden reicht, das niedrigste Ein- und Auspendler-Verhältnis.

Mit Abstand die meisten Menschen aus dem Landkreis Oldenburg fahren der Arbeit wegen in die Stadt Oldenburg (9 343 Personen) oder in das Land Bremen (7 134). Viele sind auch in den umliegenden Landkreisen Cloppenburg (2 207), Vechta (2 101) und Diepholz (1 951) beschäftigt. Auch andersherum ist der Austausch mit der gleichnamigen Stadt am engsten: Knapp 2 700 Personen leben in Oldenburg und kommen alltags in den Landkreis. Etwa die Waage halten sich die Einpendler aus den Landkreisen Cloppenburg (1 480), Vechta (1 297) und Diepholz (1 375) sowie aus dem Land Bremen (1 289).

Interessant ist auch der Blick auf die Zahlen für die Kreisstadt Wildeshausen. Wer nicht vor Ort arbeitet, orientiert sich – zunächst wenig überraschend – vor allem an den großen Städten und pendelt ins Land Bremen (728) oder in die Stadt Oldenburg (417). Doch auch nach Lohne (399) oder Visbek (270) machen sich viele Kreisstädter auf den Weg.

Die Einpendler nach Wildeshausen sind in der Regel kürzere Strecken gewohnt: Die meisten von ihnen kommen aus den Gemeinden Dötlingen (539) und Großenkneten (499). Der Zustrom aus den großen städtischen Wirtschaftsstandorten ist erwartbar gering: Nur 221 Bremer und 287 Oldenburger pendeln in die Kreisstadt.

Für die IHK ist eindeutig, dass diese Situation eine verbesserte Mobilitätssituation erfordert: „Um Fachkräfte in der Region zu halten, ist es wichtig, dass eine reibungslose An- und Abfahrt zum und vom Arbeitsplatz gewährleistet ist“, heißt es in einer Mitteilung. Werde der Weg attraktiver, würde sich zugleich der Radius für Beschäftigte vergrößern, in dem sie nach einer Arbeit suchen könnten.

Die Kammer hält ein „attraktives Fahrplanangebot für ebenso wichtig wie eine zuverlässige Versorgung im Bereich des Schienenverkehrs“. Erst vor Kurzem hatte die Grünen-Fraktion im Kreistag des Landkreises Oldenburg Unterstützung für einen Halbstundentakt auf den dortigen Strecken gefordert. Auch der Regionalableger des Fahrgastverbands „Pro Bahn“ hatte diesen Antrag begrüßt.

Die IHK nennt auch für den Autoverkehr Beispiele für aus ihrer Sicht notwendige Verbesserungen: „der vierspurige Ausbau der E 233, der Bau der B 212 und der A 20“. Sie appelliert auch an die Unternehmen in der Region, aktiv zu werden: „Fahrgemeinschaften und Car-Sharing, Job-Tickets und bezuschusste E-Bikes sind nur einige Beispiele, wie eine nachhaltige Mobilität gefördert werden kann und die Erreichbarkeit des Unternehmens gesichert wird“, schreibt die IHK. Bessere Radwege, mehr Möglichkeiten, Elektro-Gefährte zu laden, und haltestellennahe Fahrradstellplätze könnten zusätzlich dazu beitragen, den Verkehr zu verringern.

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