Wirtschaftspreis für SSC Wind: Von zehn Mitarbeitern auf 300 im Verbund

Vom Hühnerstall in Hude zum globalen Netzwerk

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MIT-Vorsitzender Ingo Hermes, Hinrich Eden, Dr. Werner Brinker und Manfred Wulf (v.l.) bei der Übergabe des Wirtschaftspreises 2015.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Die ersten Aufträge nahm die Firma SSC Wind (damals noch SSC Montage) nach der Insolvenz des Mutterunternehmens im Jahr 2004 auf der Diele eines Hühnerstalls in Hude entgegen. Danach entwickelte sich die Firma für Dienstleistungen rund um Windenergieanlagen rasant. Aktuell beschäftigt der Wildeshauser Betrieb rund 300 Mitarbeiter und macht im weltweiten Verbund einen Umsatz von rund 35 Millionen Euro. Am Freitagabend erhielt der ungewöhnliche und extrem erfolgreiche Mittelständler im Hotel „Gut Altona“ den Wildeshauser Wirtschaftspreis.

Die Erfolgsgeschichte der Firma trägt zwei Namen: Hinrich Eden und René Psarski. Eden hatte nach dem Studium der Sozialpädagogik und der Sozialwissenschaften zunächst als Führungskraft bei VW gearbeitet und dann 38-jährig seinem Vater einen kleinen Laser-Zuschneidebetrieb in Ostfriesland abgekauft. „Er hat aber gleich beim Antritt erkannt, dass die Wertschöpfungsstufe zu gering und damit die Sicherheit von zunächst 20 Arbeitsplätzen nicht gewährleistet war“, betonte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der EWE AG, Doktor Werner Brinker, in seiner Laudatio.

Brinker zeichnete nach, wie Eden zunächst eine komplett neue Fertigung großer Anlagenteile auf dem Gelände der ehemaligen Vulkan-Werft in Bremen aufbaute, großen Erfolg hatte und dann Insolvenz anmelden musste. „Nicht wegen unternehmerischer Fehlleistungen, sondern wegen der Nichteinhaltung mündlicher Zusagen für 20 große Aufträge“, so Brinker.

Eden ließ sich nicht unterkriegen, nahm Psarski zum Partner und schwor sieben Mitarbeiter auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Stillhorn darauf ein, mit dem kleinen Betrieb SSC Montage einen Neuanfang zu machen. „Wir haben mit drei Leuten in Hude die Aufträge entgegen genommen“, erinnerte sich Eden gestern. Er, der immer auf das wichtigste Kapital, die eigenen Mitarbeiter, gesetzt hat, konnte mit seinem Partner eine unglaubliche Erfolgsstory starten: Über Kooperationen mit Windenergieanlagenherstellern, Baustellenmanagern und Transportfirmen gelang es SSC Wind, ein weltweites Netz zu spannen, sodass Eden heute sagen kann: „Es gibt kein Offshore-Projekt, bei dem unsere Gruppe nicht präsent ist“.

„Wir sind ganz weit vorne, und wir werden wachsen“, sagte der Wirtschaftspreisträger, der das aber nicht auf Umsatzzahlen beschränkt. Der ehemalige Gewerkschafter legt viel Wert auf Mitarbeiterbestimmung. So haben die Angestellten ein Personalentwicklungskonzept erstellt, das transparent dafür sorgt, dass alle Abteilungen optimal kooperieren und bei jedem Angestellten das Potenzial erkannt und gefördert wird. „Das ist bei uns einmalig“, sagt Psarski, der als Monteur begann und seit Jahren Chef ist.

Voll des Lobes sind die Manager über den Standort Wildeshausen, der wegen der Autobahn und des Flughafens gut zu erreichen sei. „Zudem kooperieren wir hier hervorragend mit Unternehmen wie Rang, Iken, Kretzer und Hüffermann“, sagte Eden. Für seine Firma sei der Wirtschaftspreis eine „riesige Freude, weil unsere Mitarbeiter sehr stolz sind, hier zu arbeiten“.

Brinker sagte es etwas anders: „Eden ist bodenständig, ehrlich, zupackend und kreativ. Er schafft es, seine Mitarbeiter auf seine diversen Unternehmen einzuschwören, ihnen ein zweites Zuhause zu geben, mit dem sie sich identifizieren. Er steht auf dem Standpunkt, dass Menschen sich emotional entfalten dürfen.“

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