INTERVIEW Servet Zeyrek vom „Adrian’s“ erklärt, warum der Betrieb zum Jahresende schließt

„Wir können den Erfolg nicht erzwingen“

Servet Zeyrek an der Theke im „Adrian’s“. Foto: bor

Wildeshausen – Die Brüder Zeyrek schließen das „Adrian’s“ an der Wittekindstraße in Wildeshausen (wir berichteten). Der Betrieb läuft nur noch bis 31. Dezember. Wer Gutscheine hat, sollte sie bis dahin einlösen. Im Interview verrät Servet Zeyrek (45), warum er jetzt die Reißleine gezogen hat, was er vermissen wird und wie es für ihn weiter geht. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Herr Zeyrek, knapp zweieinhalb Jahre nachdem Sie und Ihr Bruder das „Caruso“ übernommen haben, schließt das „Adrian’s“. Warum?

Wir sind immer noch von unserem Konzept überzeugt, aber Wildeshausen fehlt es einfach an Einwohnerzahl. In einer Großstadt würde so ein Steakhouse besser laufen. Schade, dass Wildeshausen unser Restaurant nicht so angenommen hat, wie erhofft. Man sagt ja, dass ein neuer Laden nach zwei bis drei Jahren laufen soll. Aber wir können nicht immer weiter investieren.

Wenn ich an die Wochenenden im Sommer denke, war der Laden gefühlt immer voll.

Am Wochenende ja. Aber es ist schwierig, die Leute in der Woche ins Restaurant zu kriegen. Auch weil viele lange arbeiten. Die gehen dann nicht mehr aus und bleiben lieber Zuhause.

Viele Kunden haben eine gehobene Gastronomie erwartet.

Wir sind ein ganz normales Restaurant mit Freundlichkeit, Herzblut und einer tollen Küche. Und normalen Preisen. Diese Erwartungshaltung war vielleicht zu hoch. Wir sind ja kein etepetete Sterne-Restaurant.

Hin und wieder gab es auch Kritik, zum Beispiel in Netzwerken wie Facebook.

Wir hatten zum Start ein Problem, als der Motor für die Umluft/Abluft ausgefallen ist. Aber seit etwa einem Jahr haben wir hier im Restaurant fast keine Klagen mehr gehört. Was Kritik im Internet angeht, halte ich es nicht für fair, wenn Leute nie hier drin gegessen haben und dann schlecht über uns reden.

Hatten Sie denn noch Pläne für die Zukunft?

Die Reise war eigentlich noch nicht zu Ende. Ich wollte eine Lounge einrichten: ab 21.30 Uhr Küche aus, Sofas und etwas lautere Musik, sodass die Gäste entspannt Wein oder Cocktails trinken und sich wie Zuhause fühlen können.

Und wie geht es Ihnen jetzt?

Ich bin nicht niedergeschlagen, habe keine Gewissensbisse und möchte auch nicht nachtreten. Mein Bruder und ich, wir haben mit Herz gearbeitet, immer Vollgas gegeben. Wir haben uns nichts vorzuwerfen.

Was werden Sie vermissen?

Die Gäste und die Freundschaften, die wir hier geschlossen haben. Ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken. Die tolle Zeit wird uns fehlen.

Also bereuen Sie die Entscheidung, das Lokal zu eröffnen, nicht?

Nein. Als wir das „Adrian’s“ aufgemacht haben, ist für uns ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir haben gesagt: Wir trauen uns das zu. Aber wir können den Erfolg nicht erzwingen. Die Wildeshauser müssen es wollen.

Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Ich hatte seit 23 Jahren keinen Urlaub. Ab dem 1. Januar werde ich die Dinge etwas auf mich zukommen lassen. Ich bin für alles offen, höre mir Angebote an. Und in der Pizzathek, die inzwischen von meinem Sohn geführt ist, werden wir weiter präsent sein.

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