Bürgerbus ist für viele Bürger unverzichtbar

„Wir erhalten den Menschen in Wildeshausen die Mobilität“

+
Zum gewohnten Bild in der Innenstadt gehört der Bürgerbus, der stündlich am Bahnhof startet.

Wildeshausen - „Wir erhalten den Menschen die Mobilität“, sagt Renate Hocke, Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins Wildeshausen. Rund 8700 Menschen nutzen das Nahverkehrs-Angebot pro Jahr. Dennoch glauben noch immer einige in Wildeshausen, dass es sich bei dem Fahrdienst um eine Art Hobby für ehrenamtliche Busfahrer handelt.

Weit gefehlt, betonen Hocke und der zweite Vorsitzende des Vereins Volkmar Hafemann. „Diesen Job macht man nicht als Hobby. Das ist ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft. Denn wenn wir uns nicht bewegen, dann macht es niemand.“

Viele Wildeshauser, darunter einige Senioren, junge Mütter und Menschen mit Handicaps sind darauf angewiesen, dass der Bürgerbus nach einem verlässlichen Fahrplan unterwegs ist. Nach Angaben des Vereins gibt es viele Menschen, die ihren Tagesablauf darauf abstimmen, wann der Bus vorfährt. „Auch Arztpraxen planen die Termine so, dass die Patienten mit dem Bus kommen und wieder abfahren können“, sagt Hocke.

Seit 2010 gibt es den Verein in Wildeshausen. Der Bus fährt seit 2011. „Es läuft wirklich gut“, so Hocke. Bisher sei die Zahl der Benutzer konstant gestiegen. Es gibt zwei Fahrstrecken, die jeweils innerhalb von einer Stunde abgefahren werden. So können Nutzer ihren Einkauf am Westring ebenso planen wie den Cafébesuch in der Innenstadt oder die Weiterfahrt mit der Nordwestbahn. Von 8 bis 18.30 Uhr fahren die Busse durch die Stadt und nehmen barrierefrei Bürger mit, die den normalen Tarif des Verkehrsverbundes zahlen. Für eine Schülerbeförderung sind die Busse jedoch nicht gedacht.

Renate Hocke und Volker Hafemann mit Schutzengeln, die von zufriedenen Fahrgästen gebastelt wurden.

Der Verein überprüft regelmäßig, ob die Strecke optimal geführt ist. Allerdings können nicht alle Punkte in der Stadt gleichermaßen gut angefahren werden. So sind die beiden Neubaugebiete nicht an die Linien angeschlossen, weil keine durchgehende Verbindung möglich ist. Die Busse müssten immer den gleichen Weg zurückfahren, den sie gekommen sind. Das kostet Zeit und ist wenig zweckmäßig.

Besonders beliebt bei den Kunden ist der Donnerstag, an dem in der Innenstadt der Wochenmarkt stattfindet und die Wildehauser Tafel ihre Ausgabezeit hat. „Da wird es manchmal richtig voll“, so Hafemann. Der Verein überlege, ob an diesem Tag ein zweiter Bus eingesetzt werden könnte. Das müsse jedoch von der Landesverkehrsgesellschaft genehmigt werden – außerdem müsse es genügend Fahrer geben, die zur Verfügung stehen.

Auf der Suche nach neuen Fahrern

„Da ist es derzeit eng“, stellt Hocke fest. Einige Fahrer seien in Zukunft nicht mehr dabei, beispielsweise weil sie aus Alters- oder Krankheitsgründen kürzertreten wollen. Pro Woche werden jedoch 15 Fahrer benötigt, die die drei täglichen Schichten abdecken. „Normal ist, dass jeder einmal pro Woche fährt“, verdeutlicht Hocke, dass der Aufwand für den Einzelnen gar nicht so groß ist.

Jeder Busfahrer benötigt einen Personenbeförderungsschein, der vom Verein finanziert wird. „Dazu muss niemand eine Prüfung ablegen“, begegnet Hocke Sorgen, dass die Fahrer irgendwo durchfallen könnten. „Es ist jedoch eine ärztliche Untersuchung nötig“, ergänzt sie mit Blick darauf, dass selbstverständlich gewährleistet sein muss, dass die Fahrer Verantwortung für Passagiere übernehmen können. Wer nicht fahren möchte, ist dennoch gerne als Mitglied oder Aktiver gesehen. „Wir freuen uns auch über Leute, die beispielsweise den Bus wöchentlich reinigen“, so Hafemann. Er verweist darauf, dass der Verein einiges zu bieten hat. So planen die Mitglieder gemeinsame Touren und Feiern, die die Gemeinschaft stärken. Der wichtigste Lohn für die Fahrer ist jedoch die Reaktion der Kunden. „Man merkt bei jeder Tour, dass die Leute dankbar sind“, so Hocke. Vom Bastelkreis in einer Wildeshauser Senioreneinrichtung haben die Aktiven ein ganz besonderes Präsent bekommen: Für jeden Fahrer gab es einen Schutzengel, der als Begleitung im Bus gedacht ist. 

dr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Sommerfest der SPD in Verden 

Sommerfest der SPD in Verden 

Meistgelesene Artikel

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Politesse: „Die Beleidigungen gehen oftmals unter die Gürtellinie“

Politesse: „Die Beleidigungen gehen oftmals unter die Gürtellinie“

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

50 Jahre Altenpflege aus Familienhand

50 Jahre Altenpflege aus Familienhand

Kommentare