Klettern, Feuer machen und freilebende Tiere beobachten

Mehr Kontakt zur Natur: Wildniscamp für Kinder

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Kinder transportieren in Horstedt im Wildniscamp Wildeshausen auf einer selbstgebauten Trage einen Kameraden. Den Kindern soll im Camp durch Flussüberquerungen, Bogenbau oder Feuermachen die Natur näher gebracht werden.

Horstedt - Von Julia Dutta. Paul ist voller Vorfreude: „Endlich wieder selbst Feuer machen“, sagt der Neunjährige, als er im Wildniscamp ankommt und seine Sachen ausräumt. Sein geschnitztes Holzmesser trägt er am Gürtel, Gepäck hat er für eine Woche kaum dabei.

Ein Feuer entzünden, selbst Holz hacken, auf Bäumen klettern oder einen kleinen Fluss überqueren: Das alles gehört für die 8- bis 14-Jährigen Jungen und Mädchen im Feriencamp der Wildnisschule in Horstedt zum großen Abenteuer. Naturerfahrungen, die vor wenigen Jahrzehnten noch selbstverständlich waren, für Kinder heute aber immer seltener werden.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung fehlt immer mehr Vier- bis Zwölfjährigen der Kontakt zur Natur. Demnach ist fast die Hälfte der Kinder in dieser Altersgruppe noch nie auf einen Baum geklettert, und die Mehrheit der Eltern findet es gefährlich, ihr Kind im Wald spielen zu lassen. Knapp ein Viertel der Jungen und Mädchen bekämen selten oder nie ein freilebendes Tier zu Gesicht.

Im Wildniscamp soll es genau darum gehen, diese Naturferne zu überwinden und dabei gleich die Entwicklung der Schützlinge zu fördern. „Viele Kinder sind, wenn sie bei uns ankommen, aufgedreht, unachtsam oder ungeschickt“, berichtet die Biologin und Natur- und Wildnispädagogin Judith Wilhelm. Das ändere sich im Verlauf der Woche.

Dass das Leben im Wald nicht nur Wissen und Können vermittelt, sondern auch wichtige Fähigkeiten im Alltag fördert, ist Teil des Konzepts. „Die Kinder sind anschließend motorisch fitter, können sich besser konzentrieren und stärken ihr Selbstbewusstsein“, ist sich Wilhelm sicher.

Wildniscamp in Horstedt

Das hat auch Pauls Mutter Margarethe Zagorska erfahren. Die Bremerin wollte ihrem Sohn einen Ausgleich zum Stadtleben bieten, als sie vor mehreren Jahren zum ersten Mal in die Wildnisschule kam. „Wir nehmen hier viel für den Alltag mit, selbst in der Stadt nehmen wir Tiere und Pflanzen jetzt ganz anders wahr“, erzählt sie.

Dass Naturerfahrungen für die Entwicklung von Kindern elementar wichtig sind, glauben auch die Experten der Deutschen Wildtier Stiftung. „Spielen im Wald, auf Wiesen und an Bächen fördert nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch Sprachvermögen, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenz“, heißt es.

Das Konzept der Wildnispädagogik hat in den vergangenen Jahren einen enormen Schub bekommen. „Als wir hier 1998 gestartet sind, gab es erst fünf Wildnisschulen in ganz Deutschland, inzwischen sind es knapp 60“, schätzt Wilhelm. Neben Ferienangeboten gibt es Eltern-Kind-Camps, Kurse speziell für Erwachsene oder sogar Kindergeburtstage im Wald. Im Feriencamp sind dieses Mal 20 Kinder aus Bremen und Hamburg und ganz Norddeutschland zu Gast.

Statt an die motorische Entwicklung zu denken, freuen sich Paul und seine Freunde im Camp auf unbeschwerte Tage, Nachtwanderungen, Spiele, Geschichten am Lagerfeuer und Tierbeobachtungen. Nachdem die Zelte aufgebaut sind, geht es für die Gruppe sofort in die umliegende Natur. „Endlich kann ich wieder in den Wald“, sagt er. So, wie es früher für die meisten Kinder selbstverständlich war. Campleiter Jörg Pospiech und seine Hündin Zazou haben sich schon auf lange Tage und kurze Nächte eingestellt.

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