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Stella Wolke springt kurzfristig ein: Wildeshauserin mit Stephan Weil im Rededuell

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Von: Dierk Rohdenburg

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Debattierten im Landtag: Ministerpräsident Stephan Weil und Stella Wolke aus Wildeshausen.
Debattierten im Landtag: Ministerpräsident Stephan Weil und Stella Wolke aus Wildeshausen. © Stratenschulte/dpa

Wildeshausen/Hannover – Zwölf Minuten lang Argumente mit dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil austauschen und versuchen, ihn in der Debatte in die Enge zu treiben. Diese Möglichkeit gibt es nicht so oft. Stella Wolke aus Wildeshausen hatte jedoch ganz unverhofft die Gelegenheit.

Wie bereits berichtet, war die zweite Landessiegerin im Wettbewerb „Jugend debattiert“ als Zeitnehmerin bei einer Debatte im Landtag mit vier niedersächsischen Spitzenkandidaten eingeplant.

Da aber die erste Landessiegerin Amelie Heinke aus Oldenburg kurzfristig erkrankt war, sprang Wolke ein und bereitete sich spontan auf die Fragestellung vor, die sie mit Weil erörtern sollte.

Weil warb für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an allen Schulen. Den Bedarf dafür sehe er in den Rückmeldungen von Lehrern, die mehr Zeit benötigten, und von Eltern, die beide berufstätig seien.

Er betonte allerdings, dass keine Pflicht bestehen solle, das Ganztagsangebot auch anzunehmen.

Stella Wolke nahm die Kontra-Position ein

Wolke verwies hingegen auf die zusätzlichen Kosten und warnte davor, dass die Schüler dann fast nur noch mit Jugendlichen ihrer Schulform in Kontakt kommen könnten, anders als etwa in Vereinen. Außerdem könnten Schüler Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie nicht am Ganztagesangebot teilnähmen.

„Das hat sehr viel Spaß gemacht“, bilanzierte Wolke nach der Debatte. „Herr Weil war sehr gut vorbereitet.“ Grundsätzlich, so erläuterte die Wildeshauserin, sei sie eigentlich auch für ein Ganztagesangebot, wenn es gut organisiert und mit Fachkräften bestückt sei. In diesem Falle aber habe sie überzeugend dagegen argumentieren müssen. So ganz schlecht geschlagen hatte sie sich dabei wohl nicht. Dennoch ging die Abstimmung nach der Debatte knapp für Weils Position aus.

Niedersachsen-Wahl 2022 am 9. Oktober

In den anspruchsvollen und abwechslungsreichen Debatten waren vier Jugendliche dabei. Neben dem Ministerpräsidenten traten auch Bernd Althusmann (CDU), Julia Willie Hamburg (Grüne) und Stefan Birkner (FDP) zu Rededuellen gegen die jungen Herausforderer an. Anschließend stellten sie sich den Fragen des überwiegend aus Schülern bestehenden Publikums.

Landtagspräsidentin Gabriele Andretta hatte zuvor für den Landtag als Ort des fairen und sachlichen Streits geworben. Die Wahl am 9. Oktober falle in eine Zeit, in der sich die Bürger viele Sorgen machten – um das Klima, die Energieversorgung im Winter, den Lehrermangel oder die wachsende Kluft in der Gesellschaft. Dennoch müsse gestritten werden, sagte die SPD-Politikerin, denn wer streite, spreche miteinander und höre dem anderen zu, und das sei ein „Lebenselixier“ der Demokratie.

Bernd Althusmann zum Thema Ausbildung

In einer weiteren Debatte versuchte Wirtschaftsminister Althusmann das Publikum davon zu überzeugen, dass Ausbildungsplätze stärker gefördert werden sollten als Studienplätze. Ein Meister sei für ihn genauso gut ausgebildet wie ein Bachelor oder Master, sagte der CDU-Kandidat. Allerdings fehlten derzeit Tausende Auszubildende und damit zukünftige Fachkräfte. Die 16-jährige Emilia Fritz aus Northeim hielt dagegen, dass die Ausbildung an sich oft attraktiv sei, weil sie anders als das Studium bezahlt werde – die darauf folgenden Berufe, etwa in der Pflege, hingegen nicht.

Julia Willie Hamburg zu Klimazielen

Die Grünen-Fraktionschefin Willie Hamburg argumentierte, die Klimaziele des Landes sollten konkreter per Gesetz geregelt werden als bisher – etwa mit Zielen für den Verkehrssektor und ehrgeizigen Flächenvorgaben für die Windkraft. Das sei die Politik nachfolgenden Generationen schuldig. Ihr Gegenredner, der 18-jährige Mohamed El-Zein aus Uelzen, mahnte aber, dass das bloße Festschreiben im Gesetz das Klima noch nicht schütze. Es brauche zum Beispiel auch schnellere Ausschreibungen und mehr Fachkräfte für die Umsetzung der Ziele. Außerdem müssten die Ziele realistisch bleiben.

Stefan Birkner zu Grundrecht auf Internetzugang

Birkner von der FDP setzte sich für ein Grundrecht auf einen Internetzugang ein. Das sei nötig, weil das Internet mittlerweile so wichtig sei wie die Trinkwasserversorgung oder die Müllabfuhr. Außerdem ermögliche der Schritt auch einen besseren Schutz vor staatlicher Überwachung.

Der 15-jährige Lukas Kramer aus Göttingen betonte indes, dass nicht alle Grundbedürfnisse auch Grundrechte seien, und nannte die Versorgung mit Wasser, Nahrung, Wohnraum oder sauberer Luft. Im Telekommunikationsgesetz sei ein Recht auf Internet schon heute festgeschrieben, und eine Regelung in der Landesverfassung sei von Einzelpersonen nicht einklagbar. (Mit Material der Agentur dpa)

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