Materialmangel und hohe Preise

Zimmerleute klagen: Bis zu 30 Wochen Wartezeit auf Lärchenholz

Frisch eingetroffen: Zimmerermeister Detlev Hohn hat jetzt wieder Dachlatten und Bohlen am Lager. Nicht alles an Material ist aber zurzeit so unproblematisch zu bekommen, sagt der Wildeshauser Unternehmer.
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Frisch eingetroffen: Zimmerermeister Detlev Hohn hat jetzt wieder Dachlatten und Bohlen am Lager. Nicht alles an Material ist aber zurzeit so unproblematisch zu bekommen, sagt der Wildeshauser Unternehmer.

Zimmerleute und Privatpersonen haben zurzeit ihre liebe Mühe, an Bauholz zu kommen. Wir haben uns in der Branche umgehört.

Norbert Lämmchen hatte es geahnt. „Für Aufträge, die wir im Januar bekommen hatten, habe ich unmittelbar danach das nötige Holz geordert – als ob ich einen siebten Sinn gehabt hätte“, schildert der Zimmerermeister und Inhaber der gleichnamigen Zimmerei Lämmchen aus Wildeshausen. Jetzt ist der Markt fast leer gefegt – und das nicht nur, was extravagante Sorten angeht.

Der Bauboom quer durch die Republik und der damit verbundene enorme Bedarf an Material, gepaart mit großen Exporten der Sägewerke ins zahlungskräftige Ausland, haben die Lage teils drastisch verschärft. „Konstruktionsvollholz oder auch Leimholz, das sonst ein paar Tage nach der Bestellung bei uns auf dem Hof war, hat jetzt Lieferfristen von vier, acht oder sogar zehn Wochen“, schildert der 55-Jährige. Damit einher gehen „fast täglich steigende Preise“. Und das, obwohl er bei bestimmten Händlern Stammkunde ist. „Bei anderen brauchen wir gar nicht erst anzufragen – die nehmen zurzeit keine neuen Kunden mehr an.“

Arbeiten ins kommende Jahr verlegt

Immerhin: Der Chef von vier Mitarbeitern musste bisher noch kein Projekt verschieben. „Man hört allerdings auch schon von Auftraggebern, die von sich aus Arbeiten ins kommende Jahr verlegt haben“, schildert Lämmchen. Ob sich die Lage auf dem Holzmarkt dann entspannt hat? Der Unternehmer kann es nicht abschätzen: „Vor einiger Zeit hatte ich noch gedacht, dass die Preise in den Sommerferien stagnieren, aber das glaube ich jetzt nicht mehr.“

Ungefähr bis in diese Phase reichen auch noch die Lagerbestände seines Kollegen Detlev Hohn. Der Zimmerermeister und seine sieben Beschäftigten konnten bisher ebenfalls die Zeitpläne ihrer Projekte einhalten, „aber wenn wir jetzt vermehrt Einfamilienhäuser richten müssten, hätten wir ein Problem“, weiß der 59-Jährige: „So ein Dachstuhl ist ja immer individuell, den kann man sich nicht einfach auf Vorrat hinlegen – wenn man nicht gerade 1000 Kubikmeter einkauft.“

Solche Dimensionen wären aktuell ohnehin kaum zu bekommen. „Was früher sieben Tage nach einer Bestellung gebraucht hat, kann jetzt drei Monate dauern“, erläutert Hohn. Hinzu kämen die explodierenden Kosten: „Die Preise für Kanthölzer haben sich verdreifacht, die für normale Dachlatten sogar vervierfacht.“ Selbst Baustoffe wie OSB- oder Gipskartonplatten seien zurzeit Mangelware, Lärchen-Konstruktionsholz habe inzwischen eine Lieferzeit von 30 Wochen. Angesichts dieser Umstände ist Hohn froh, dass seine Männer schwerpunktmäßig für die Errichtung von Holzfassaden, Dachsanierungen und Trockenbau im Einsatz sind – dafür ist das Material schon vorhanden.

Zimmerleute müssen sich in Geduld üben

Tim Pieper aus Düngstrup und sein fünfköpfiges Team müssen sich teilweise ebenfalls in Geduld üben, was Lieferungen betrifft. „Langeweile haben wir aber noch nicht“, versichert der Tischlermeister. Er weiß, dass die Lage „beim Bauholz wesentlich angespannter ist. Für den Möbelbereich oder bei Treppenhölzern sind die Preise noch nicht so explodiert.“

Doch auch er bekommt die Auswirkungen der gestiegenen Nachfrage an Material schon zu spüren: „Wenn ich vor nicht allzu langer Zeit Möbelbeschläge just in time bestellen konnte, muss ich jetzt teilweise 14 Tage warten. Das ist manchmal schon anstrengend. Auch bei manchen Farben lässt die Verfügbarkeit zu wünschen übrig – und die Preise der Inhaltsstoffe sind teurer geworden.“ Bisher bekommt er noch Material – dank seiner drei Hauptlieferanten. „Da habe ich nie nur auf einen Anbieter gesetzt, sondern mit meinen Anfragen immer gestreut. Das zahlt sich jetzt aus“, schildert Pieper.

Kunden ablehnen musste er noch nicht, „tatsächlich haben wir jetzt aber mal einen Auftrag verschoben – in Absprache mit dem Kunden, der sein Anliegen zurzeit als nicht so wichtig ansah“, berichtet der Chef: „Wir haben uns da aufs nächste Jahr vertagt – in der Hoffnung, dass sich die Lage normalisiert.“

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