Der scheidende Vorsitzende Peter Krönung zieht eine Jahresbilanz

Wildeshauser Tafel: Ein gutes Netzwerk für Bedürftige

Peter Krönung zeigt eine Großpackung Pepperoni in der Kühlkammer der Tafel. Die Vorratsräume sind gut gefüllt. - Fotos: dr

Wildeshausen - Der Verein Wildeshauser Tafel wird in wenigen Tagen zehn Jahre alt. Der Vorsitzende Peter Krönung ist 72 Jahre alt und möchte sein Amt, das er seit 2011 innehat, im Februar niederlegen. Dierk Rohdenburg sprach mit ihm über die Einrichtung und das vergangene Jahr.

Herr Krönung, wie geht es der Wildehauser Tafel?

Hinter uns liegt ein gutes Jahr mit viel Arbeit. Nachdem wir in den Jahren 2015 bis 2017 wegen der hohen Zahl der Geflüchteten in Wildeshausen bis zu 150 Haushalte versorgt haben, sind die Kundenzahlen in der Kreisstadt leicht rückläufig. Derzeit kommen jeden Donnerstag 90 Haushalte zu uns. Wir gehen davon aus, dass wir damit rund 360 Personen erreichen. 30 Prozent davon sind Kinder.

Wie sieht es in der Ausgabestelle Ahlhorn aus?

Hier ist die Entwicklung konstant. Wir versorgen rund 90 Haushalte mit rund 450 Personen. Dort sind die Familien in der Regel größer.

Bekommen Sie denn für so viele Menschen genügend Lebensmittel?

Die Versorgung ist bei uns ausgesprochen gut. Wir sind täglich mit zwei Fahrzeugen unterwegs und erhalten Waren vom ortsansässigen Einzelhandel sowie von der Industrie im Umkreis von 150 Kilometern.

Sind Sie da nicht im Gebiet von anderen Tafeln aktiv?

Wir haben uns sehr gute Kontakte aufgebaut. Wir geben dann aber auch viele Waren an andere Tafeln ab, beispielsweise in Delmenhorst und Twistringen. Auch andere Ausgabestellen holen bei uns Lebensmittel. Wir haben ein gutes Netzwerk. Wenn manche Tafeln nicht so viel bekommen, dann helfen diejenigen, die mehr haben. Unser Lager ist prall gefüllt.

Müssen die Kunden etwas bezahlen?

Ja, pro erwachsenen Kunden berechnen wir zwei Euro, für Kinder einen Euro. Die Kunden erhalten aber pro Abgabe Waren im Wert von etwa 60 Euro. Somit soll den Bedürftigen Gelegenheit gegeben werden, von ihrem Geld beispielsweise Kleidungsstücke für die Kinder zu kaufen. Bei uns können sich die Kunden übrigens die Lebensmittel selbst aussuchen. Das ist nicht überall so.

Die Tafel in Essen war in diesem Jahr zeitweise für neue Kunden mit Migrationshintergrund gesperrt. Das sorgte für fette Schlagzeilen. Wie beurteilen Sie diese Maßnahme?

Das ist auch hier ein Gesprächsthema bei allen Beteiligten gewesen. Ich verstehe gar nicht, wie es soweit kommen konnte. Hier wäre so etwas undenkbar. Dem Ruf der Tafel hat das auf jeden Fall geschadet. Für uns war es aber kein Problem.

Die Wildeshauser Tafel hat zwei Kühlfahrzeuge, die täglich im Einsatz sind.

Und dann hat der mittlerweile verstorbene Vorsitzende der Tafel in Verden noch Spendengelder unterschlagen...

Ja, das war übel. So etwas ist bei uns aber nicht möglich, weil vertrauliche Dinge in mehreren Händen liegen. Hier haben zwei Personen die Vollmacht für unser Rückstellungskonto. Das besitzen wir für den Fall, dass wir irgendwann nicht mehr auf dem Diakoniegelände bleiben können und schnell eine neue Unterkunft benötigen.

Woher beziehen Sie Ihre Einnahmen?

Wir bekommen einen Zuschuss der Stadt Wildeshausen und der Gemeinde Gro-ßenkneten. Davon können wir in etwa die Miete bezahlen. Dazu kommen Spenden der Bürger, die wir dringend benötigen. Im vergangenen Jahr hatten wir beispielsweise Kosten von 10 000 Euro für Reparaturen in den Kühlräumen. Für die Kühlfahrzeuge mussten wir ebenfalls etwa 10 000 Euro aufbringen.

Wie viele Ehrenamtliche arbeiten bei Ihnen?

Wir haben rund 80 Aktive. Der Altersdurchschnitt liegt bei 67 Jahren. Von daher freuen wir uns über jüngere Helfer. Gut läuft in diesem Zusammenhang die Kooperation mit der Hunteschule und dem Gymnasium. Einige Schüler kommen dann auch in den Ferien und helfen uns. Wir sind hier wie eine große Familie.

Wenn Sie im Februar Ihr Amt niederlegen gibt es bestimmt schon einen Nachfolger, oder?

Der zweite Vorsitzende unseres Vereins, Gerd Aring aus Harpstedt, stellt sich zur Wahl. Er hat sich schon intensiv eingearbeitet und kümmert sich um die Warenbeschaffung. Ich bleibe gewöhnliches Mitglied.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft der Tafel?

Ich würde mich freuen, wenn der Lebensmittelzufluss so gut bleibt wie bisher. Schön wäre es, noch mehr Ehrenamtliche und Sponsoren zu gewinnen. Zudem möchte ich, dass die Bedürftigen weiter zur Tafel kommen. Viele Menschen, die unsere Hilfe benötigen, werden nicht durch das Sozialamt oder Freunde und Familie auf unser Angebot hingewiesen. Das ist sehr schade.

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