Lebensretter

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Lebensrettender Beutel: Jonathan Thomas bei der Spende.
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Lebensrettender Beutel: Jonathan Thomas bei der Spende.

Der Wildeshauser Jonathan Thomas (22) hat Stammzellen gespendet. Der Empfänger ist an Blutkrebs erkrankt.

Wildeshausen – Vor zwei Jahren hatte der Wildeshauser Jonathan Thomas gerade eine Freistunde in der Berufsschule, als er sich bei der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD) registrieren ließ. Für die kostenlos angebotene Typisierung reicht eine Speichelprobe aus. Die gemeinnützige GmbH ist regelmäßig in Schulen vertreten, um neue potenzielle Stammzellenspender für schwer kranke Menschen zu gewinnen.

Die DSD ist eine der größten der 26 Stammzellspenderdateien in Deutschland. Sie wurde 1992 gegründet und hat ihren Sitz in Dessau-Roßlau. Mit fast 170 000 registrierten Spendern konnte die DSD in den vergangenen 29 Jahren mehr als 2 200 Patienten lebensrettende Stammzellen vermitteln, teilte die DSD mit. Sie baut kontinuierlich ihre Stammzellspenderdatei aus, um eines Tages für jeden Erkrankten einen lebensrettenden Stammzellspender zu finden.

Genetischer Zwilling gefunden

„Ich dachte mir, das sei eine gute Sache. Aber vorher hatte sich für mich noch keine Möglichkeit ergeben, mitzumachen“, erinnert sich der 22-Jährige. Seitdem hatte er nicht viel damit zu tun, aber dann klingelte vor ein paar Monaten das Telefon. Seine DNS passe zu einem genetischen Zwilling, der an Blutkrebs erkrankt ist, erfuhr Thomas. Ein paar Untersuchungen standen noch an, aber dann stand mit Sicherheit fest: Er konnte einem anderen Menschen das Leben retten.

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Leukämie, heißt es von der DSD. Jedes Jahr erkranken allein hierzulande etwa 13 000 Menschen an dieser oder anderen bösartigen Blutkrankheiten. Nur einem Teil dieser Patienten kann alleine durch Medikamente geholfen werden. Für viele ist die Transplantation von Knochenmark oder Stammzellen die einzige Chance, die Krankheit zu überwinden. Und nur für 30 Prozent der Betroffenen findet sich ein Spender in der Familie.

„Ich hatte auf gar keinen Fall damit gerechnet, angerufen zu werden“, gibt Thomas ehrlich zu. Momentan hilft er in einer Wohngemeinschaft mit älteren Menschen aus, aber im nächsten Jahr fängt er eine Laufbahn bei der Bundespolizei an. Er habe sich entscheiden müssen, ob er Stammzellen spendet, erklärte sich aber schnell dazu bereit. „Ich bin der Typ, der helfen kann. Da wäre es blöd, wenn ich nicht mitmache.“ Außerdem habe er sich ja aus freien Stücken bei der Datei registrieren lassen. Thomas betont, dass die DSD-Mitarbeiter ihn nicht gedrängt haben. „Die bauen keinen Druck auf. Ich habe mich sehr gut betreut und aufgehoben gefühlt.“

Eine Woche lang sich selbst Spritzen gesetzt

Der Wildeshauser wollte aber keine Operation, bei der ein kleiner Teil seiner Stammzellen entfernt wird. Stattdessen wählte er die Alternative und setzte sich eine Woche lang täglich fünf Spritzen in Arm und Bauch. „Eigentlich hasse ich Spritzen“, gesteht Thomas. Doch wenn man sich erst einmal überwunden habe, sei es gar nicht so schlimm. Das darin enthaltene Mittel sorgte dafür, dass Stammzellen freigesetzt werden. Die wurden dann am 12. Oktober in einem Bremer Krankenhaus entnommen und dem Empfänger verabreicht.

Ob die Spende anschlägt, zeigt sich erst sicher nach ein paar Monaten. Wenn die Stammzellen geholfen haben, können Spender und Empfänger zwei Jahre später schriftlich Kontakt zueinander aufnehmen. Bis dahin läuft das Verfahren komplett anonym. Thomas interessiert schon, wem er geholfen hat. Er würde er ihn dann gerne mal treffen, vorausgesetzt, der Empfänger lebt nicht zu weit weg – schließlich können seine Stammzellen ja auch jemandem aus dem Ausland verabreicht worden sein.

Helfen

Wer zwischen 17 und 50 Jahre alt ist und sich typisieren beziehungsweise registrieren lassen möchte, kann sich auf der Internetseite www.deutsche-stammzellspenderdatei.de informieren.

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