Ehefrau mehrmals verletzt und bedroht

Wildeshauser Schläger muss lange in Haft

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Sie konnten offenbar nicht ohne einander und nicht miteinander. Sie heirateten, er schlug sie. Sie verließ ihn immer wieder und bat ihn dann doch per SMS, sie wieder abzuholen. Die Ehe eines Wildeshauser Paares steht sicherlich unter keinem guten Stern. Jetzt muss der 49-jährige Mann für ein Jahr und sechs Monate in Haft, wenn er nicht erfolgreich in Berufung geht.

Angeklagt waren vor dem Amtsgericht Misshandlungen, Drohnungen und Hausfriedensbruch, die alle in Zusammenhang mit der schwierigen Beziehung des Paares standen.

Die beiden kennen sich nach Aussagen des Angeklagten bereits seit 30 Jahren. Vor rund zwei Jahren seien sie zusammengekommen, ein halbes Jahr später hätten sie geheiratet. Da hatte der vielfach vorbestrafte Wildeshauser seine damals 39-jährige Partnerin aber schon mehrmals geschlagen.

Die erste angeklagte Tat datierte aus dem April 2015. Weil seine Verlobte „bockig“ gewesen sei, habe er einen „Kurzschluss“ gehabt, so der Angeklagte. Auf einer Raststätte habe er sie mit den Fäusten geschlagen. Am Sonnabend vor Pfingsten schlug der Wildeshauser im Auto erneut zu, diesmal, weil sie sich nicht an „Regeln“ gehalten hatte. Immer wieder, so der Angeklagte, habe seine Frau ihn angelogen, habe nicht das gemacht, was vereinbart gewesen sei. Sie sei mindestens 14-mal abgehauen, oft zu ihren Eltern. Dann habe sie wieder den Kontakt gesucht. Er selbst habe sich auch immer wieder trennen wollen, doch dann habe sie ihn angefleht, dass er sie nicht verlassen solle.

So ging es wohl immer weiter, bis der Wildeshauser am 16. September vergangenen Jahres seine Frau in der Küche eines Freundes würgte und ihr in die Genitalien trat. Den Freund bedrohte er darauf, er würde ihn umbringen, wenn er Anzeige erstatte. Als die Partnerin dann mal wieder ausgezogen war, stieg der Mann trotz Verbotes in das Haus des Schwiegervaters ein, um sie zu sehen. Sie war jedoch nicht da.

Umso seltsamer mutete es für die Prozessbeteiligten an, dass die Frau zwar danach im Gewaltschutzprogramm war und somit kein Kontakt mehr zu ihrem Mann möglich sein sollte, sie ihm aber offenbar ständig Kurznachrichten über das Handy schrieb und wenig später bei ihm einzog.

Als dann Ende des Jahres die Anklage erhoben wurde, soll der Wildeshauser mögliche Zeugen und seine Partnerin bedroht und beeinflusst haben. Per richterlicher Anordnung wurde er am 8. Februar aus dem Verkehr gezogen und deshalb nun im Amtsgericht in Handschellen vorgeführt.

Der Haftbefehl wurde nach der Verhandlung ausgesetzt, da keine Verdunklungsgefahr mehr besteht. Ob der Wildeshauser erneut ins Gefängnis muss, hängt davon ab, ob das Urteil rechtskräftig wird. Der Mann kennt Gefängnisse von innen, hat er dort doch schon mehr als 13 Jahre unter anderem wegen räuberischer Erpressung sowie sexuellem Missbrauch verbracht.

Der Kontakt zur Ehefrau wurde erneut verboten. Diese scheint sich aber nun aus dem Abhängigkeitsverhältnis gelöst zu haben und ließ sich von einem Mitarbeiter der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ begleiten. Wegen der komplizierten und sehr persönlichen Beziehung zwischen den Ehepartnern schloss die Amtsrichterin zeitweise die Öffentlichkeit aus. Insgesamt wurde sechseinhalb Stunden verhandelt, bis das Urteil gesprochen war. Während der Verteidiger eine Freiheitsstrafe zur Bewährung im Ermessen des Gerichtes gefordert hatte, beantragte der Staatsanwalt ein Jahr und zwei Monate Gefängnis und die Kontaktsperre zur Ehefrau.

Das allerdings hielt die Richterin angesichts der erheblichen Haftstrafen im Bundeszentralregister für nicht ausreichend. Sie verurteilte den Angeklagten deutlich härter wegen Bedrohung und Körperverletzung, wobei das Strafmaß wohl noch höher ausgefallen wäre, wenn eine schwere Körperverletzung durch das Würgen klar beweisbar gewesen wäre und Folgen gehabt hätte. - dr

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