Mit elf Stundenkilometern gen Karibik

Das Wildeshauser Ehepaar Martin und Margret Kossen belegt dritten Platz bei Rallye über den Atlantik

Mehr als ein Jahr haben Martin und Margret Kossen auf ihrem Boot verbracht. Sie haben mehr als 12 000 Seemeilen zurückgelegt.

Wildeshausen - Völlig überrascht von seinem Erfolg war das Wildeshauser Seglerehepaar Martin (61) und Margret (60) Kossen: Bei einer Rallye über den Atlantik haben die beiden den dritten Platz in ihrer Gruppe belegt. Doch wichtiger sind ihnen die Eindrücke und Erlebnisse, die sie von ihrer insgesamt 14-monatigen Reise mitgenommen haben.

„Ein Segler träumt immer von der langen Fahrt“, berichtet Martin Kossen. Er und seine Frau hatten geraume Zeit überlegt, ob sie die Tour wagen. Bis kurz vor dem Start haben die beiden einen Rückzieher offengelassen und ihren Plan nicht an die große Glocke gehängt. „Den Mut zu finden, loszufahren, ist die größte Herausforderung“, erinnert sich Margret Kossen. Doch die Abenteuerlust war größer als die Bedenken und am 5. Juli vergangenen Jahres setzten sie die Segel ihrer Jacht „Toccata“ in Richtung Dänemark. „Je älter man wird, desto schwieriger ist so eine Tour“, erklärt der 61-Jährige den Entschluss.

Zunächst ging es entlang der Küsten von Nordsee und Atlantik bis nach Lissabon. Dann über Madeira nach Gran Canaria. Dort wurde es ernst: Die Kossens luden Proviant ein und machten ihr Boot frisch für die große Fahrt. „Wir sind fast jeden Tag zum Jacht-Ausrüster gelaufen“, erinnert sich Martin Kossen an die letzten Vorbereitungen.

Mit neuem Segel und Rigg ausgestattet, war die „Toccata“ bereit. Dann fiel der Startschuss für die Rallye „Arc Plus“. Mit 67 weiteren Crews brach das Ehepaar in Richtung Karibik auf. Die beiden segeln zwar schon seit fast 30 Jahren, doch zuvor waren sie nur auf Nord- und Ostsee unterwegs. Nun folgten sie Columbus‘ Route auf die andere Seite des Atlantiks: Rund 5 500 Kilometer lagen vor ihnen, mit Zwischenstopp auf den Kapverdischen Inseln. „Die Strecke war schön und recht easy“, so Martin Kossen. „Es wurde jeden Tag wärmer.“ Da die beiden nur zu zweit unterwegs waren, musste immer einer von ihnen Wache halten – obwohl in der Regel nicht mehr als ein anderes Schiff am Tag in Sicht kam. „Viele fragen, ob es nicht schwierig ist, die ganze Zeit zu zweit auf so engem Raum zu sein“, so Margret Kossen. „Aber man muss auch einsam sein können. Durch die Wachen haben wir abwechselnd geschlafen, und es gibt an Bord immer etwas zu tun. Da hat man gar keine Zeit zu streiten.“

Martin und Margret Kossen sind in die Karibik und wieder zurück gesegelt.

Mit der Geschwindigkeit eines Fahrradfahrers schipperten sie der Karibik entgegen. Dass sie dem Ziel näher kamen, merkten sie bei Tagesanbruch: „Irgendwann lagen morgens Fliegende Fische an Deck“, erzählt Martin Kossen. Die Tiere leben in wärmeren Gewässern und werden vom Positionslicht angelockt. Die Angel ausgeworfen haben die Kossens aber nicht: „Ich mag keinen Fisch töten“, so der 61-Jährige.

Den Speiseplan hat das Ehepaar pragmatisch gestaltet: „Was zuerst schlecht wird, muss zuerst gegessen werden“, erklärt Margret Kossen. „Später kommen die Dosen.“ Ein gutes Segleressen sei Risotto: „Reis geht immer gut an Bord. Dazu Corned Beef aus der Dose und Erbsen“, berichtet der 61-Jährige.

Während ihrer Tour haben die Kossens immer wieder die Wildeshauser Flagge gehisst.

Nachdem sie 18 Tage am Stück auf See verbracht hatten, liefen die beiden am 3. Dezember in die Rodney Bay auf der Karibikinsel St. Lucia ein. Obwohl etliche Boote bereits vor ihnen das Ziel erreicht hatten, landeten die Kossens auf dem dritten Platz in ihrer Gruppe. Denn bei der Rallye kommt es nicht allein auf die Geschwindigkeit an. Entscheidend ist der Rennwert, der sich unter anderem aus technischen Parametern des Bootes und der Größe der Crew zusammensetzt. So sind auch Jachten verschiedener Klassen vergleichbar. „Wir waren eines der kleineren Boote“, so Margret Kossen. Mit dem Zieleinlauf auf St. Lucia war der Trip der beiden aber noch nicht vorbei. Sie segelten noch vier Monate durch die Karibik. „Da gibt es glasklares Wasser, immer um die 28 Grad“, schwärmt Martin Kossen. „Da sind wir morgens gleich als Erstes reingesprungen.“ Sie besuchten Grenada, die British Virgin Islands und Martinique: „Dort hatten wir tolle Strände ganz für uns allein“, erinnert sich Martin Kossen. Das Paar hisste die Wildeshauser Flagge auf Bermuda, erkundete Eilande mit Boot, Mietwagen sowie Taxi und entdeckte Orte, „an die sonst keine Touris hinkommen“, so der 61-Jährige, während er auf dem Computer durch die Bilder der Reise scrollt. „Wenn ich das sehe, will ich sofort wieder los.“

Über Bermuda und die Azoren segelten die beiden zurück gen Osten. Am 4. August legten sie nach mehr als 12 000 Seemeilen in ihrem Heimathafen bei Fehmarn an. „Wir planen nicht, noch mal über den Atlantik zu segeln“, so Margret Kossen. „Es war toll aber auch anstrengend.“ Künftig wollen die beiden durch europäische Gefilde segeln.

Mehr Informationen dazu gibt es im Internet. 

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sytoccata.wordpress.com

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