Naturschutzbund entsetzt

„Kettensägen-Massaker“ an der Hunte in der Kritik

Auf einer Strecke von rund 100 Metern wurden am Ufer der Hunte große Laubbäume abgesägt. - Fotos: Rohdenburg
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Auf einer Strecke von rund 100 Metern wurden am Ufer der Hunte große Laubbäume abgesägt.

Wildeshausen - Der Naturschutzbund Wildeshausen (Nabu) beklagt ein „Kettensägen-Massaker“ am Ufer der Hunte. Dort wurde rund ein Dutzend großer und alter Laubbäume auf einer Strecke von 100 Metern abgesägt. Dazu bedurfte es offenbar nicht einmal einer Genehmigung, weil die Bäume in keinem Bebauungsplan stehen und in der Zeit vom 1. November bis 28. Februar entfernt wurden.

In dem Bereich handelte es sich um die zweite große Abholzaktion von alten Bäumen, die für Aufsehen sorgte. Anfang Oktober wurden in der Welgenmarsch auf Veranlassung des Bezirksförsters 90 Pappeln entfernt, die im Stamm durchgefault waren. Zwar gibt es in einem Facebook-Forum massive Kritik an dem Vorgehen und die Behauptung, viele Pappeln seien nicht erkrankt gewesen, doch sowohl Jörg Brümmer von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg als auch Wolfgang Pohl vom Nabu gehen davon aus, dass die fachliche Begründung für die Fällung in Ordnung ist.

„Pappeln kann man nicht immer ansehen, dass sie krank sind“, so Brümmer. In diesem Fall habe man vorsorglich handeln müssen, weil die Bäume bei einem Sturm schnell fallen könnten. Auch Pohl hat sich die Stämme angesehen und geht davon aus, dass sie morsch waren. „Allerdings sieht es dort nun schlimm aus“, kritisiert der Naturschützer, der zudem vom Landkreis wissen wollte, wo und in welchem Umfang eine Kompensationspflanzung erfolgen soll. Die Auskunft gefällt ihm gar nicht: Laut Brümmer handelt es sich bei dem Areal der Welgenmarsch um ein Landschaftsschutzgebiet, das Grünland ohne große Baumstrukturen vorsieht. „Deshalb haben wir dem Antrag ohne schriftliche Erlaubnis formlos zugestimmt“, erklärte er. Weil Bäume in dem Gebiet nicht typisch seien, gebe es auch keine Ersatzmaßnahmen.

Pohl ist darüber entsetzt: „Man könnte zumindest an anderer Stelle für Ersatz sorgen“, findet er. Bäume seien nun einmal wichtig für eine intakte Umwelt.

90 Pappeln wurden im Landschaftsschutzgebiet abgeholzt, weil ihre Stämme angeblich faulig waren.

Umso schlimmer ist es für den Naturschutzbund, dass gleich nebenan weitere große Erlen, Pappeln und wohl auch Eichen am Ufer abgesägt wurden. Es handelt sich nach übereinstimmenden Aussagen von der Naturschutzbehörde und der Stadt um einen Außenbereich ohne Bebauungsplan. Dort können große Bäume im Winter ohne Genehmigung entfernt werden, ohne dass Ersatz eingefordert werden darf. Die Fällaktion ist offenbar von privater Hand in Auftrag gegeben worden. Der Unterhaltungsverband Hunte, der für weite Bereiche am Fluss zuständig ist, betont, dass die betreffende Fläche nicht von ihm betreut wird. An anderer Stelle, in Nähe des „Wohnparks an der Hunte“, war der Unterhaltungsverband jedoch aktiv. „Der Baumsachverständige des Bauhofes hat uns darauf hingewiesen, dass dort zwei Silberahorne abgängig waren“, erklärte Geschäftsführer Ingo Ammerich. Man habe die Auflage erhalten, die Bäume bis Ende des Jahres zu entfernen, weil die Verkehrssicherheit gefährdet war. Auch für diese sind keine Ersatzpflanzungen geplant.

dr

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