„Ich bin mehr oder weniger Alleinunterhalter“

Der Plattdeutschbeauftragte Friedrich Ahlers erzählt, was ihn ärgert und welche Pläne er für die Zukunft hat

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Auf seinem Schreibtisch landen viele plattdeutsche Texte: Friedrich Ahlers verfasst auch eigene Geschichten. Der Rat hat die Amtszeit des Wildeshauser Plattdeutschbeauftragten bis 2021 verlängert. - 

Wildeshausen - Einstimmig hat der Wildeshauser Rat die Amtszeit des Plattdeutschbeauftragten Friedrich Ahlers bis 2021 verlängert. Er engagiert sich vielfältig für das Niederdeutsche, liest zum Beispiel zwei- bis dreimal pro Monat in den Wildeshauser Altenheimen, plant aber auch diverse Veranstaltungen. Im Interview spricht er über seine Pläne für die Zukunft und den Stellenwert des Niederdeutschen. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Herr Ahlers, wie sind Sie eigentlich Plattdeutschbeauftragter geworden?

Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde (lacht). Christa Plate, indirekt meine Vorgängerin, und Hergen Stolle haben mich angesprochen, und dann hat der Heimatverein Düngstrup mich vorgeschlagen. Das ist ja kein Lehrberuf.

Warum wollten Sie nach Ihrer ersten Amtszeit weitermachen?

Drei Jahre sind nix. Mir macht es Spaß, ich weiß aber auch um meine begrenzten Möglichkeiten.

Was für Projekte treiben Sie denn derzeit um?

Der Antrag, dass plattdeutsche Ortsschilder und auch Straßennamen kommen. Überall geht es nicht, das ist mir klar, aber zum Beispiel „Windmöhlenweg“ statt „Windmühlenweg“ – das könnte man schon machen. Es geht mir dabei um einen plattdeutschen Zusatz am Schild. Erklärend wie bei der Bürgermeister-Müller-Bargloy-Straße. So ähnlich sollte man das machen.

Soll es denn dabei bleiben oder haben Sie noch weitere Ideen?

Die Stadt entwickelt sich ja immer weiter. Weshalb kann man nicht in einem neuen Baugebiet alle Namen auf Plattdeutsch machen?

Andere Gemeinden haben ja auch Plattdeutschbeauftragte. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Der Landkreis Oldenburg veranstaltet regelmäßig Treffen. Dann wird auch besprochen, was die anderen machen. Die Aktivitäten sind da recht unterschiedlich. In Großenkneten wird einiges gemacht. Zum Beispiel die Plattdeutsche Woche mit Vereinen und Kirchen. Andere Gemeinden haben Einzelveranstaltungen wie niederdeutsche Gottesdienste in Harpstedt. Groß aufgezogen wird immer die Plattdeutsche Woche in Ganderkesee. Das ist ein sehr umfangreiches Programm.

So etwas wäre für die Kreisstadt Wildeshausen vielleicht auch nicht verkehrt.

Ich hatte geplant, gemeinsam mit dem Kulturkreis Veranstaltungen zu machen. Es hat mich sehr verärgert, dass man das Gespräch abgebrochen hat. Da bin ich ein bisschen enttäuscht, denn es hätte dem Kulturkreis gut zu Gesicht gestanden, ein breiteres Programm zu haben. Es ist doch so: Plattdeutsches Theater des Heimatvereins Düngstrup ist immer ausverkauft. Die Veranstaltungen hätten den Etat des Kulturkreises ja auch nicht belastet. Jetzt mache ich diese in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein.

Sie meinen zum Beispiel das Musikkabarett von Annie Heger am 2. März in der Kreismusikschule.

Ja. Ich habe den Vereinsvorstand nach der Absage des Kulturkreises gefragt, ob wir gemeinsam etwas machen können. Ich selbst kann ja niemanden verpflichten. Mein Etat beträgt 500 Euro im Jahr. Deswegen sind Veranstaltungen nur über den Heimatverein, die Stadt oder den Kulturkreis möglich.

Der Etat ist nicht besonders hoch – oder?

Als ich während des Weihnachtsmarktes für Kinder auf Plattdeutsch vorgelesen habe, hat meine Frau Kekse gebacken. Das hat sie gerne gemacht. Aber letztlich bin ich mehr oder weniger Alleinunterhalter.

Sie haben aber doch bestimmt Kooperationspartner?

Ich bin im ständigen Kontakt mit der Oldenburgischen Landschaft. Der Landkreis Oldenburg steht dem Plattdeutschen in der Regel sehr aufgeschlossen gegenüber, hat immer offenes Ohr. Und mit der Stadt klappt das auch gut. Ich habe die Broschüre „Plattdeutsch in der Landwirtschaft“ geschrieben und an der Broschüre „Plattdeutsch in der Dienstleistung“ mitgearbeitet. Herausgeber ist der Landkreis. Eine Neuauflage von „Plattdeutsch in der Dienstleistung“ erscheint im Frühjahr 2019.

Was halten Sie von Vorlesewettbewerben in den Schulen?

Mein Eindruck ist, dass viele Schüler den Text lernen und wenig weiter wissen. Man kann beim Vorlesen merken, ob jemand auch zu Hause Plattdeutsch spricht.

Haben Sie bestimmte Lieblingswörter oder Redewendungen?

Ich habe so ein Prinzip: „Geiht nich, giff‘t nich.“ Es gibt immer eine Möglichkeit. Und: „Dat löppt sik allens torecht.“

Das sind Redewendungen, die sicherlich viele Leute verstehen. Dennoch traut sich so mancher nicht, Plattdeutsch zu sprechen und bleibt lieber im Hochdeutschen – oder?

Viel mehr Menschen müssen den Mut haben, Leute einfach auf Platt anzuschnacken. Es gibt noch einige Gegenden, wo viel Plattdeutsch gesprochen wird. Es handelt sich um eine regional begrenzte Sprache, auf die man auch stolz sein darf. Das sollte man erhalten. Und: Wer Plattdeutsch spricht, kann immer zwei Sprachen.

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