Wildeshausen muss in die Puschen kommen

Plattdeutsch-Beauftragter Friedrich Ahlers sieht Handlungsbedarf

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Plattdeutsch-Beauftragter Friedrich Ahlers (l.) und Bürgermeister Jens Kuraschinski bei der Vorstellung des „Bökerschapp“.

Wildeshausen - „Wer ist dafür, dass die plattdeutsche Sprache ausstirbt?“, fragte der Plattdeutsch-Beauftragte der Stadt, Friedrich Ahlers, am Donnerstagabend in die Runde des Stadtentwicklungsausschusses. Wie zu erwarten war, hob niemand die Hand. Und auf die Aufforderung von Ahlers, man müsse „ein wenig in die Puschen kommen“, gab es durchaus Kopfnicken, denn in Wildeshausen ist es nicht so toll bestellt, was die Förderung von Plattdeutsch betrifft.

Ahlers war zu einem Bericht gebeten worden, denn er bekleidet das Ehrenamt als Plattdeutsch-Beauftragter nunmehr seit zwei Jahren. Über diese Zeit zog er eine gemischte Bilanz. An den Schulen sei die plattdeutsche Sprache kaum präsent, stellte er fest. Lediglich an der St.-Peter-Schule gebe es eine Arbeitsgemeinschaft von Annegret Arkenberg, und am Gymnasium kümmere sich Johann Strudthoff um das Niederdeutsche.

„Zuhören reicht nicht, um Schnacken zu lernen“

Während es im Jahr 2015 noch ein plattdeutsches Vorlesen an Schulen gegeben habe, sei ein Jahr später nicht mehr der Wunsch geäußert worden. „Platt schnacken lernt man nur durch Schnacken und nicht durch Zuhören“, so Ahlers, der auch im Stadthaus die Pflege der Heimatsprache vermisst. Es gebe zwar einige Bedienstete die Niederdeutsch sprechen, einige mehr würden es verstehen. „Aber es gibt viele Angestellte, die es nicht können“, stellte Ahlers fest. Er regte an, dass man bei Bewerbungen abfragen könnte, ob der Stelleninteressent Plattdeutsch spricht. Denkbar ist seiner Ansicht nach zudem, Ortsschilder und Straßenschilder mit der plattdeutschen Bezeichnung zu ergänzen, und zum Stadtjubiläum Wildeshausens könnten plattdeutsche Elemente eingeplant werden.

Nach Einschätzung des Plattdeutsch-Beauftragten ist die Sprache bei Weitem nicht in der Wildeshauser Gesellschaft so präsent, wie es wünschenswert wäre. So würde die Sprache offenbar nur im Heimatverein Düngstrup und in Gruppen des Mehrgenerationenhauses intensiv gepflegt. Andere Vereine hätten bislang kaum Interesse gezeigt. In der öffentlichen Bücherei Wildeshausen gebe es einen Fundus von Büchern auf Platt. „Die Hörspiele werden gut genutzt, die Kinderliteratur auch, die Bücher für Erwachsene jedoch kaum“, so die durchwachsene Bilanz.

Ahlers machte deutlich, dass es noch einiges zu tun gibt, und er betonte, dass es sich bei der niederdeutschen Sprache um ein Kulturgut handelt. „Nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen hat jeder Bürger das Recht, Dokumente der Stadtverwaltung auch in Plattdeutsch zu verlangen.“

dr

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