Es könnte um „Beträge im sechsstelligen Bereich“ gehen

Offenbar Mitarbeiter beim Griff in die Kreiskasse erwischt

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Eine in der Verwaltung des Landkreises Oldenburg beschäftigte Person hat möglicherweise Summen im sechsstelligen Bereich unterschlagen. Über diesen Verdacht informierte Landrat Carsten Harings am Dienstagnachmittag die Presse. „Wenn jemand betrügt oder unterschlägt, hat er in dieser Verwaltung nichts zu suchen. Wir werden die Sache hart und geradlinig verfolgen sowie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ahnden“, betonte er.

Details zu der Person wie Geschlecht, Alter, Angestellten- oder Beamtenstatus sowie genaue Art der Tätigkeit blieben mit Rücksicht darauf, dass es sich derzeit nur um einen Verdacht handelt, ungenannt. Nur so viel: Es geht um eine bis dahin unbescholtene und seit vielen Jahren beschäftigte Kraft, die keine Leitungsfunktion hat und im Dezernat „Soziales“ arbeitet. Oder besser gesagt: arbeitete. Denn seit Donnerstag ist sie vom Dienst freigestellt.

Am Dienstagmorgen vergangener Woche hatte sich die Person nach dem verfügbaren Bargeld in der Kreiskasse erkundigt und war gegen Mittag erschienen, um 500 Euro mit einer Zahlungsanforderung mitzunehmen. Dass Mitarbeiter im Bereich „Soziales“ Bargeld an Bedürftige ausgeben, ist keine Seltenheit, besonders wenn die Empfänger kein eigenes Konto haben. Unüblich war in den Augen des Kassenleiters allerdings der zeitliche Abstand zwischen der Anfrage am Vormittag und dem Abholen ein paar Stunden später. „Normalerweise geht das Geld raus, wenn der Kunde da ist“, so Harings.

Kassenleiter schöpft Verdacht

Der erste Verdacht keimte also beim Kassenleiter auf, der daraufhin recherchierte und sich am Mittwoch an seine Vorgesetzten wandte. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass die Person „erkennbar häufiger Bargeldauszahlungen veranlasst hat“, berichtete der Landrat, der zu diesem Zeitpunkt bei einem Besuch in Polen weilte. Zudem sprach Kreisrat Christian Wolf, der Harings vertrat, davon, dass „uns die Unterschriften auf der Zahlungsanforderung stutzig gemacht haben“. Es gibt Schriftproben der Unterzeichnungsberechtigten. „Wir werden feststellen, wer die Unterschriften auf der Anforderung geleistet hat“, betonte Harings.

Für Donnerstagmorgen wurde die oder der Verdächtige schließlich zum Personalgespräch gebeten – nicht einmal 48 Stunden nach der Auszahlung der 500 Euro. Während der etwa zweistündigen Unterhaltung war es der Person offenbar nicht möglich, die Verdachtsmomente zu zerstreuen. Daraufhin wurde sie vom Dienst freigestellt.

Am Freitag verschaffte sich Harings – inzwischen aus Polen zurückgekehrt – vor Ort einen Überblick. Mittlerweile waren weitere Überprüfungen angelaufen, die einen zusätzlichen konkreten Unterschlagungsverdacht gegen die Person zur Folge hatten. Am Nachmittag erstattete der Landkreis schließlich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg.

Intern läuft eine Kontrolle aller Zahlungsvorgänge der verdächtigten Person. Zudem ermittelt das Rechnungsprüfungsamt, um welche Zeiträume und Summen es geht. „Es ist noch zu früh, um verlässliche Aussagen über die Schadenshöhe zu machen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass es sich um nennenswerte sechsstellige Beträge handelt“, sagte Harings, der enttäuscht und verärgert über das Verhalten der verdächtigten Person ist.

Der Landrat sprach von „hoher krimineller Energie“. „Es gibt Handlungen, vor denen kann man sich nicht schützen“, gestand er ein. Zwar geht es bis dato nur um zwei Fälle, aber „die Erfahrung zeigt, dass man nicht beim ersten Mal dahinter kommt“. Der bisher letzte Fall von Unterschlagung liegt übrigens schon eine Weile zurück. Er war in den 1980er-Jahren, als das Kreishaus in Oldenburg stand.

Und wie geht es nun weiter? Die Staatsanwaltschaft wird ermitteln und sich dabei nicht in die Karten schauen lassen. Konkrete Maßnahmen will Harings, der von Siegeln bis hin zu Stempeln schon an so manches gedacht hat, ergreifen, wenn bewiesen ist, wie genau der Betrug vonstattenging. In der 450-köpfigen Mitarbeiterschaft im Kreishaus gebe es keine weiteren Verdächtigen, sagte er. Die Öffentlichkeit soll weiter informiert werden.

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