Wie aus einem alten Bunker ein Fledermausquartier wird

Naturschutzbund richtet Unterschlupf auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür ein

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Die Porotonsteine wurden entgratet, damit sich die Fledermäuse nicht an scharfen Kanten verletzen. 

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. In den Luftschutzbunker auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen zieht Leben ein: Wo im Zweiten Weltkrieg Nachbarn und Mitarbeiter der dort angesiedelten Lungenheilstätte Schutz vor Bombenangriffen suchten, sollen dieses Jahr erstmals Fledermäuse überwintern. Möglich gemacht hat dies die Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen, deren Mitglieder den Unterschlupf in ehrenamtlicher Arbeit einrichteten. Dabei mussten sie unter anderem klären, wie man eine stabile Luftfeuchtigkeit von 85 bis 100 Prozent aufrechterhält.

Wolfgang Pohl ist nicht erst seit gestern Wildeshauser, aber dass es auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür einen Bunker gibt, war dem aktiven Nabu-Mitglied neu. Doch als er während einer Fledermausführung im September vorigen Jahres davon hörte, spitzte er gleich die Ohren: Da könnte man doch ein Winterquartier für die fliegenden Säugetiere einrichten, dachte er. Schnell war der Kontakt zu Jörg Arendt-Uhde von der Diakonie hergestellt. Nach einer Ortsbegehung war klar: Das Projekt könnte umsetzbar sein. Und zwar in einem knapp zwei Meter hohen, 1,60 Meter breiten und 2,50 Meter tiefen Raum, der über zwei Eingänge verfügt.

Vor Jahrzehnten hatte eine damals existierende BUND-Ortsgruppe etwas ähnliches an dieser Stelle versucht, aber keinen Erfolg gehabt. „Vermutlich wegen des zu kleinen Einflugloches und weil drinnen kaum etwas für die Fledermäuse vorbereitet war“, schätzte Pohl. Das wollten die Nabu-Leute besser machen. Erst schwebte ihnen eine einfache, wenig aufwendige Lösung vor. Ein bisschen Draht an die Decke, ein neues Einflugloch und fertig.

Das Fledermausquartier befindet sich in einem schmalen Raum. Der Ausgang wurde zugemauert – zwei Löcher dienen zum Ein- und Ausflug der Fledermäuse (linkes Foto). Drinnen stehen sogenannte Porotonsteine, in deren Öffnungen die Säugetiere überwintern können.

Doch dann kam Willy Zerhusen. Das Nabu-Mitglied legte einen ausgefeilten Plan vor. An den Wänden sollten sogenannte Porotonsteine gestapelt werden. Die oberste Schicht würde auf der Seite liegend höhlenähnliche Unterschlüpfe für Fledermäuse bieten. Fensterstürze sollten Auflegemöglichkeiten für weitere Porotonsteine eröffnen und eine Sandschicht, die je nach Bedarf gewässert wird, sollte für eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen. Zudem sollte ein an die Decke geschraubtes Drahtgeflecht den fliegenden Säugetieren Halt in ihrem Winterschlaf bieten. Ganz schön ambitioniert für ein paar Ehrenamtliche.

Pohl, Zerhusen und ein halbes Dutzend anderer Nabu-Mitglieder schufteten zwei Wochenenden lang. Sie schleppten 90 Porotonsteine sowie rund zwei Kubikmeter Sand in den Bunker und stemmten ein zweites, größeres Einflugloch in die zugemauerte Außentür des Bunkers. Die Umweltschützer führten ein Plastikrohr ins Fledermausquartier, um den Sand zu bewässern. Ein von ihnen angebrachter Sensor meldet die Luftfeuchtigkeit nach außen. Außerdem vergrößerten sie die Öffnungen in den Tonsteinen und schnitten das Buschwerk am Eingang der Anlage zurück. Diese befindet sich linker Hand neben der Straße, die zum Verwaltungsgebäude der Diakonie führt, und ist eher unscheinbar.

Als der letzte Handschlag getan war, schoss Pohl ein Abschlussfoto. Nabu-Mitglieder versperrten den ins Bunkerinnere führenden Eingang. Nun heißt es warten, bis die Fledermäuse im April oder Mai ausgeflogen sind. Dann wollen die Umweltschützer schauen, wie viele Losungen sie finden.

Ahrendt-Ude von der Diakonie begleitete das Projekt gern. „Mein Herz schlägt da grün“, gestand er. Und auch sonst erhielten die Nabu-Leute Unterstützung: Die Firma Garms Baustoffe in Aschenstedt bezahlte das Material.

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