Geschichte im Rathaus: Gerd Steinwäscher referiert über Herrschaftsgebiete

„Wildeshausen muss als Grafenstützpunkt gelten“

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Begrüßten 40 Besucher zum Geschichtsvortrag: Gerd Steinwäscher, Eva-Maria Ameskamp und Bernd Oeljeschläger (v.l.).

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Wildeshausen ist nicht nur die schönste, sondern auch die älteste Stadt des Oldenburger Landes.“ Mit diesen Worten begrüßte Bernd Oeljeschläger, Vorsitzender des Bürger- und Geschichtsvereins, am Dienstagabend im Rathaussaal rund 40 Besucher zum Vortrag des Historikers und Archivars Prof. Dr. Gerd Steinwäscher.

Der Leiter des Oldenburger Standorts vom Niedersächsischen Landesarchiv referierte über die Geschichte der Grafen von Oldenburg in Wildeshausen, Oldenburg und Delmenhorst.

Steinwäscher ging darauf ein, dass die erstmals 1108 erwähnte „Aldenburg“, also die Oldenburg, schon im zwölften Jahrhundert für das Grafenhaus namensgebend wurde. Zur Herkunft des Grafengeschlechts gebe es zwei Stränge der Mythenbildung. Einer geht zurück auf den Grafen Huno von Rüstringen aus Rastede und dessen Sohn Friedrich, um den sich die Legende des „Löwenkampfes“ rankt. Im Beisein des Kaisers soll er einen Löwen mit einem Trick besiegt und damit seinen Vater ausgelöst haben.

Auf der anderen Seite gebe es die Herleitung des Oldenburger Geschlechts „aus dem Dunstkreis der Widukinde“, so Steinwäscher. Der Sieg über den Löwen jedoch soll dem Grafenhaus die Unabhängigkeit von Kaiser und Reich und das Wappen verschafft haben. „Mit dieser Legende ging das Grafenhaus noch im beginnenden 16. Jahrhundert hausieren, verweigerte Zahlungen an das Reich und verschönerte später das Schloss Delmenhorst mit einem Gemäldezyklus vom Löwenkampf, der heute im thüringischen Rudolstadt zu sehen ist.“

Steinwäscher betonte, dass neben der „Aldenburg“ Wildeshausen als früher Stützpunkt des Grafenhauses gelten müsse. „Bereits 1135 werden sie als Vögte des Alexanderstifts erwähnt“, erklärte Steinwäscher. Mit Graf Heinrich I., der als erster Sohn von Graf Egilmar II. gelte, werde die Wildeshauser Linie der Oldenburger eröffnet. Heinrich I. soll sich im Gegensatz zu seinem Bruder Christian I. nicht an dem Hochadelsaufstand in Sachsen gegen Heinrich dem Löwen 1166/67 beteiligt haben. Dennoch starb er wie sein jüngerer Bruder Christian 1167 während der Belagerung der Oldenburg durch Heinrich den Löwen. „Die Eroberung der Oldenburg stürzte die Nachkommen der Egilmare in eine tiefe Krise“, so Steinwäscher.

Fraglich sei die Datierung des Burgbaus auf dem „Wittekindsberg“ in Wildeshausen. Einige Quellen schreiben den Burgbau Heinrich I. oder Heinrich II. zu. Doch erst für die Regierungszeit von Burchard und Heinrich III. gebe es „vorzeigbare Anhaltspunkte für die Errichtung einer größeren Befestigung und einer deutlichen Trennung der beiden Oldenburger Grafenfamilien“, so Steinwäscher. „Heinrich III. und Burchard ersetzten die ammerschen Balken in ihrem Wappen durch die Hallermunder Rosen und identifizierten sich damit explizit mit der Familie ihrer Mutter, dem Grafenhaus Hallermund.“ Zudem habe Erzbischof Gerhard II. von Bremen einen Streit zwischen den Familien, die auf Christian I. und Heinrich I. zurückgingen und die wohl über die Nutzung von gräflichen Herrschaftssitzen in Streit geraten waren, geschlichtet. „Diese erzbischöfliche Schlichtung fand 1229 statt und stand im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf den Krieg gegen die Stedinger, den der Bremer Erzbischof nur gemeinsam mit dem Gesamthaus der Oldenburger führen wollte.“

Die Schlichtung hatte ihren Preis: Die Leuchtenburg in Rastede fiel an Burchard und Heinrich III., doch die Burg in Wildeshausen mussten sie dem Erzbischof zu Lehen geben. 1270, nach dem Tod Heinrichs IV., sei Wildeshausen dann ganz aus der Geschichte der Oldenburger Dynastie gefallen. „Wildeshausen wurde bremisch, münsterisch, schwedisch, hannoverisch und kehrte erst im frühen 19. Jahrhundert zurück in ein Herzogtum Oldenburg.“

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