„Geht‘s noch?“

Kreis-Umweltausschuss befürwortet weiteres Müllfahrzeug

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Müllabfuhr: künftig wieder in allen Straßen.

Wildeshausen/Landkreis – Die gute Nachricht: Das Mülltonnenziehen für Anwohner enger Straßen im Landkreis Oldenburg (wir berichteten) wird voraussichtlich bald ein Ende haben. Das war bei rund 1 200 Haushalten der Fall. Einstimmig hat sich der Ausschuss für Umwelt und Abfallwirtschaft am Dienstagabend dafür ausgesprochen, doch einen zweiten, zusätzlichen Müllsammelwagen anzuschaffen. Damit revidierte das Gremium seine Empfehlung von vor einem Jahr, es bei nur einem Spezialfahrzeug zu belassen.

Die schlechte Nachricht: Die Anwohner betroffener Straßen hatten sich teils massiv beim Landkreis beschwert, es hagelte E-Mails und wütende Anrufe, Anwälte wurden eingeschaltet, in einem Fall wurde sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt. Die Kreisverwaltung hatte das schon in der ersten Sitzungsvorlage prognostiziert und vor den Folgen gewarnt. Eine Kostprobe davon bekamen die Ausschussmitglieder jetzt gleich während der ersten Einwohnerfragestunde serviert: Ein älterer Herr aus Ganderkesee umschrieb spitz formuliert die Misere in seiner Straße. „Wie kann es sein, dass 15 politikerfahrene Menschen lang und breit darüber diskutieren“, ob die Jahresgebühr um 3,50 Euro angehoben werden soll“ – also um einen Cent am Tag. Es sei ein „Skandal“, Alten, Kranken und Alleinstehenden dies zuzumuten, um diesen Betrag einzusparen. „Geht’s noch?“, fragte er. Auch noch umgänglich zeigte sich ein Mann aus Ganderkesee, vor dessen Haus die Tonnen gesammelt worden waren. Nicht nur sei der Gehweg dann zugestellt, sondern nach der Leerung arg verschmutzt. Im Sommer kämen üble Gerüche dazu.

Als ein weiterer Einwohner aus Bookholzberg dem Ausschuss jedoch recht brüsk mehrfach Unfähigkeit – es gebe seines Wissens nach auch große Fahrzeuge, die technisch in der Lage sind, in engen Straßen zu sammeln ohne rückwärtsfahren zu müssen – schritt Landrat Carsten Harings energisch ein. Jeder dürfe frei seine Meinung vertreten, „persönliche Anfeindungen sind jedoch nicht in Ordnung“, sagte er mit scharfem Ton. Den ebenfalls geäußerten Vorwurf, die Mitglieder des Gremiums seien ja von ihrer eigenen Entscheidung ja nicht betroffen, werde er nicht billigen. Zudem verbat er sich den Begriff „ausbaldowern“ – ein Wort aus der Gaunersprache: „Da gibt es sicherlich einen anderen Ausdruck.“ Die Vertreter im Ausschuss seien demokratisch legitimiert und handelten nach bestem Wissen und Gewissen, so Harings. Solche Anwürfe seien „ein Schlag unter die Gürtellinie“.

Ruhig und sachlich war die Kritik Arne Koopmanns, Leiter des Ahlhorner Kindergartens. Wie die Einrichtung mit ihren 174 Kindern im Hans-Roth-Weg mit der Sache umgeht, habe niemanden interessiert. Er müsse die Müllwagenfahrer in Schutz nehmen, die aufgrund der Unfallverhütungsvorschriften das Grundstück nicht mehr anfahren können. Das gelte aber ebenso für seine Mitarbeiter, die er mit den Abfallbehältern durch den Straßenverkehr schicken müsste. Wenn die Tonnen am Montagmorgen um 6 Uhr abgeholt werden – sollte die Kita diese dann am Freitag nach Dienstschluss dort abstellen? Oder erst am Sonntagabend? Bei der Lösung habe sich niemand bewegt, klagte er.

„Das ist nicht ein Fehler der Verwaltung, das haben wir hier so im Ausschuss beschlossen“, gab Michael Feiner (FDP) zu. Die Gruppe FDP/Freie Wähler hatte nun den Antrag zur Anschaffung des benötigten Lastwagens gestellt. Die Vertreter der anderen Fraktionen schlossen sich ihm beflissentlich an; man habe seinerzeit „Erfahrungen sammeln“ wollen und habe sich eher mit den Kosten auseinandergesetzt, war den knappen Statements zu entnehmen. Stephanie Siefken-Hahn, Leiterin des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft, wies Koopmanns Kritik zurück. Das Amt habe „mitnichten nicht reagiert“; jeder Einzelfall sei überprüft worden. Zum Abschluss hatte Harings noch eine gute und eine schlechte Nachricht: Das Abfuhrunternehmen habe zwar „konkret in Aussicht gestellt“, bis zum 1. November ein Fahrzeug bereitstellen zu können. Doch aufgrund der Arbeitsmarktlage sei noch nicht klar, ob es dann auch besetzt werden kann. Um die Ausgabe – das Vehikel kostet rund 400 000 Euro – genehmigen zu lassen, werde er den Kreisausschuss mit verkürzter Frist einladen, damit dieser noch direkt vor der Kreistagssitzung am Dienstag, 1. Oktober, grünes Licht geben kann.  fra

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