Politik fordert Überwachung ein 

Kreis soll miese Unterkünfte in Fleischindustrie kontrollieren

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wenn es nach der Kreispolitik geht, werden die Unterkünfte von Arbeitern in der Fleisch- und Zerlegeindustrie in Zukunft deutlich stärker kontrolliert. Es geht darum, Schimmel, Überbelegung und andere unhaltbare Zustände zu beseitigen. Zudem sollen sich die Flüchtlingssozialarbeiter der Diakonie nun auch um die Osteuropäer, die bei Firmen wie Heidemark in Ahlhorn und Geestland in Wildeshausen beschäftigt sind, kümmern. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit der Diakonie um zwei Jahre verlängert werden, was im Integrations- und Gleichstellungsausschuss am Dienstagabend im Kreishaus einstimmig begrüßt wurde.

Während der Sitzung wurde massive Kritik an der Fleisch- und Zerlegebranche laut. Einige Zitate: „Diese Firmen kassieren, die Kommunen bleiben auf den Kosten sitzen“ (Wolfgang Däubler/UWG), „Landkreis und Zoll müssen massive Kontrollen durchführen. Das ist die einzige Sprache, die diese Firmen verstehen“ (Hannelore Hunter-Roßmann/SPD) und „Was diese Firmen machen, ist eine derartige Unverschämtheit – das geht auf keine Kuhhaut“ (Kreszentia Flauger/Linke).

Piotr Mazurek, Mitarbeiter der gewerkschaftsnahen DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Oldenburg sind die Vorwürfe nicht neu, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wurde. „Viele Beschäftigte sind bei der Zusammenarbeit mit den Behörden zurückhaltend, weil sie fürchten, in eine aussichtslose Lage zu geraten, wenn sie ihren Arbeitsplatz und gleichzeitig ihre Wohnung verlieren“, sagte er. 

Letztere seien oft in keinem guten Zustand. „Da gibt es alte Einfamilienhäuser auf den Dörfern, in die zehn bis 15 Menschen einquartiert werden“, berichtet er aus seinen Gesprächen mit Arbeitern in der Fleisch- und Zerlegeindustrie. In größeren Wohnparks würden bei Kontrollen oft Betten entfernt oder nur die Unterkünfte der Vorarbeiter gezeigt, nennt der Berater ein paar Tricks der Unternehmen. Auch bei Überprüfungen des Zolls in Bezug auf den Mindestlohn seien diese oft vorbereitet. „Die Firmen sind nicht dumm. Sie wissen, dass auf dem Papier alles stimmen muss.“

Druck auf Firmen mit zweifelhaften Geschäftspraktiken

Dennoch hält Mazurek eine verstärkte Überwachung für sinnvoll. „Ich glaube, dass Kontrollen etwas bewirken, weil Vermieter und Arbeitgeber merken, dass der Staat sich für sie interessiert.“ Auch auf kommunaler Ebene gebe es Möglichkeiten, Druck auf Firmen mit zweifelhaften Geschäftspraktiken auszuüben. „Man darf sich nicht mit Erfolgsgeschichten von Gewerbesteuern oder Arbeitsplätzen abspeisen lassen, sondern muss die sozialen Folgekosten sehen.“

Was die Einbindung von Flüchtlingssozialarbeitern der Diakonie bei der Betreuung von Osteuropäern angeht, zeigt er sich skeptisch. „Ohne Sprachkenntnisse geht gar nichts. Und es braucht Zeit. Die Leute müssen wissen, dass man auf ihrer Seite steht.“

Während der Sitzung im Kreishaus äußerte sich Linken-Politikerin Flauger ebenfalls skeptisch, was eine Ausdehnung der Flüchtlingssozialhilfe angeht. Aber aus einem anderen Grund: Zwar sei die Betreuung der Osteuropäer wichtig, aber „ich sehe nicht, dass der Aufwand für Flüchtlinge nachlässt“.

Der CDU-Kreistagsabgeordnete Wolfgang Sasse widersprach heftig: „Ein Mensch ist ein Mensch. Und wenn er Hilfe braucht, kriegt er Hilfe.“ Das genaue Profil der Flüchtlingssozialarbeiter „legen besser die Spezialisten fest und nicht die Politiker“.

Kreisrat Christian Wolf versprach, die Veränderung behutsam voranzutreiben und Bericht über den weiteren Fortgang zu erstatten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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