Traurige Gewissheit

Wildeshauser Jungstörche sind tot

Bis vor Kurzem flogen die Elterntiere regelmäßig das Nest an.
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Bis vor Kurzem flogen die Elterntiere regelmäßig das Nest an.

Wildeshausen – Es gibt jetzt traurige Gewissheit: Die drei Jungstörche, die vor wenigen Wochen in den Wildeshauser Marschwiesen aus den Eiern geschlüpft waren, sind tot. Diese bittere Erkenntnis gab es am Montagnachmittag.

Schon seit einigen Tagen hatten Naturfreunde gesehen, dass die Elterntiere nicht mehr im Nest übernachteten und auch nicht mehr mit Futter im Schnabel dort hinflogen. „Die Jungtiere konnten auch noch nicht selbstständig das Nest verlassen haben“, so Wolfgang Pohl vom Naturschutzbund Dötlingen-Wildeshausen. „Sie wären erst Mitte Juli flügge geworden.“

Was dem Storchennachwuchs zugestoßen ist, weiß derzeit niemand genau. An Nahrungsmangel kann es eigentlich angesichts der fruchtbaren Marschwiesen in der Umgebung nicht gelegen haben. Auch die extreme Hitze hatten die Tiere überstanden. Sie wurden zumindest danach noch im Nest gesehen. Denkbar wäre laut Pohl, dass der Starkregen die Jungvögel geschwächt hat. „Das Nest ist zwar nach unten durchlässig, aber möglicherweise haben die Eltern die Kleinen nicht genug geschützt“, so der Naturschützer. Der Nachwuchs habe noch kein voll ausgebildetes Federkleid gehabt. Somit könnten sich die Tiere erkältet haben.

Ein Kadaver hängt über dem Rand des Nestes.

Vor Ort entdeckten die Naturschützer ein totes Jungtier, das über den Rand des Nestes hing. Ein weiteres lag unter dem Nest und war bereits teilweise aufgefressen. Vom dritten Tier fehlte jede Spur.

„Die Natur verzeiht keine Fehler“, erklärte Pohl. Möglicherweise seien die Eltern noch zu unerfahren gewesen. Er hoffe aber, dass sie dennoch im nächsten Jahr nach Wildeshausen zurückkehren und ein erfolgreiches Brutgeschäft aufnehmen. „Störche sind sehr standorttreu“, erklärte Pohl.

Meldung vom 13. Juni: Es ist soweit: Das Wildeshauser Storchenpaar hat Junge bekommen. Auf Fotos lässt sich erkennen, dass es mindestens drei kleine Vögel sind, die nun von den Eltern mit Nahrung versorgt werden müssen. Damit hat Wildeshausen nach mehreren Jahrzehnten, in denen hier kein Storch mehr brütete, endlich wieder Nachwuchs bei den imposanten Vögeln. Sie sollten allerdings nur aus der Ferne beobachtet werden.

Meldung vom 7. Juni: So viel Glück können die Naturschützer in Wildeshausen kaum fassen: Erst vor drei Monaten hatten Mitglieder des Naturschutzbundes sowie Mitarbeiter des Bauhofes in Wildeshausen an drei Stellen am Rande der Kreisstadt Masten mit Rädern aufgebaut, um Störche zum Brutgeschäft anzulocken. Wenige Wochen später fand sich bereits ein Storchenpaar in der Welgenmarsch ein und fühlte sich dort so wohl, dass es mit dem Nestbau begann. Als das bekannt wurde, sperrte der Bauhof den Fußweg ab, um die Vögel nicht zu stören.

Noch ist nicht ganz klar, ob es schon Jungtiere gibt, doch die Storcheneltern haben ganz offensichtlich nur wenig Probleme mit Menschenkontakt. „Die fühlen sich dort wohl und haben derzeit noch einen kleinen Radius“, hat Wolfgang Pohl vom Naturschutzbund Dötlingen-Wildeshausen beobachtet.

Wenn die Jungvögel geschlüpft seien, dann würde der Aktionsradius der Tiere sicherlich größer, um genug Nahrung zu finden. Nun hoffen die Naturschützer, dass es keine unangenehmen Zwischenfälle gibt. Wenn alles klappt, dann kommen im nächsten Jahr nicht nur die Eltern, sondern auch die Jungtiere aus dem warmen Süden zurück nach Wildeshausen und suchen sich hier eine dauerhafte Bleibe. Gelegenheit hätten sie beispielsweise am Klärwerk und im Pestruper Moor, wo weitere Masten stehen und das Nahrungsangebot ideal für Störche sein dürfte.

Ein schönes Bild der Vergangenheit: drei Jungvögel im Nest.

Letzter Storch nistete hier Mitte der 1980er-Jahre

Bis Mitte der 1980er-Jahre war der Storch in Wildeshausen ein gern gesehener Gast. Ein Paar brütete regelmäßig auf dem Wagenrad des Dampfkornbranntweinbrennereimuseums an der Wittekindstraße. Seitdem ist hier aber kein Paar mehr sesshaft geworden. Es wurden nur immer wieder durchziehende männliche Jungstörche beobachtet, die aber wohl keine Artgenossin fanden.  

Die jüngere Geschichte des Storchs in der Kreisstadt ist recht gut dokumentiert. 1935 installierte Johann Kolloge auf dem Lüftungsschacht des Stalls der Dampfkornbrandweinbrennerei ein Wagenrad. 1939 verrichtete dort das erste Paar sein Brutgeschäft. Anschließend durften die Wildeshauser pro Jahr vier Jungstörche erwarten – bis 1985. Danach fand sich kein Paar mehr, das sich so gut vertrug, dass es Nachwuchs zeugen wollte. Der Horst in der Innenstadt war möglicherweise auch zu vielen Lärmeinflüssen ausgesetzt.

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