Nachbarschaftsgruppe löst sich nach einem Jahr auf / Seniorennetzwerk übernimmt

„Wildeshausen hilft“ hört auf

Übergabe: Holger Rinne, Latifa van Döllen, Raymond und Ute Tuleweit sowie Bastian Lahrman (von links) von „Wildeshausen hilft“ mit Manfred Huisinga und Regina Nagel vom Seniorennetzwerk.
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Übergabe: Holger Rinne, Latifa van Döllen, Raymond und Ute Tuleweit sowie Bastian Lahrman (von links) von „Wildeshausen hilft“ mit Manfred Huisinga und Regina Nagel vom Seniorennetzwerk.

Wildeshausen – Die zu Beginn der Corona-Pandemie gegründete Gruppe „Wildeshausen hilft“ geht im Seniorennetzwerk auf. Die Gründer betrachten ihre Ziele als erfüllt, heißt es in einer Pressemitteilung von Holger Rinne, der das Bündnis damals maßgeblich mit an den Start brachte.

Vor einem Jahr gab es noch keinen einzigen Coronafall in Wildeshausen, blickt Rinne zurück. Doch die Pandemie sei immer näher gerückt. In den Medien und über die Gesundheitsämter seien die AHA-Regeln kommuniziert und die Risikogruppen aufgefordert worden, jegliche Kontakte zu vermeiden.

„Wie sollen diese Menschen einkaufen oder andere Besorgungen erledigen?“ Diese Frage brachte den Wildeshauser auf die Idee, unter dem Namen „Wildeshausen hilft“ eine Gruppe zu gründen, um sich auch im Falle einer Quarantäne gegenseitig helfen zu können.

Am Samstag, 8. März 2020, hatte Rinne die Gruppe online gestellt. Von der Hilfsbereitschaft der Wildeshauser war er überwältigt, berichtet er rückblickend. So viel Engagement habe er nicht erwartet. Nicht nur, dass innerhalb eines Tages bereits mehr als 400 Menschen aus Wildeshausen der Gruppe beigetreten waren. Mit Kathrin Siegmund, Latifa von Döllen sowie Bastian Lahrmann und Thorsten Liedär sei das Administratoren-Team schnell erweitert worden. „Jeder brachte Ideen ein und übernahm Aufgaben“, so Rinne. Ende März habe Ute Tuleweit die Admins mit ihrer Eigeninitiative überrascht. Buchstäblich über Nacht hatte die Webdesignerin eine professionelle Webseite erstellt. Damit war sie die sechste im Bunde.

Unterstützung gab es auch von Behördenseite. Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski und Kreissprecher Oliver Galeotti ebneten nach anfänglichen Schwierigkeiten den Weg zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, findet Rinne. Die Stadt stellte unter anderem die Hilferufnummer 88555 zur Verfügung.

Der Kreis half bei zahlreichen Übersetzungen ins Türkische, Bulgarische, Rumänische, Russische und in weitere Sprachen. Die Dolmetscherdienste seien insbesondere beim Corona-Ausbruch im Juli in der Wildeshauser Putenschlachterei Geestland gebraucht worden. Die Mitarbeiterinnen des Kreises übersetzten alle Flyer und Aushänge der Gruppe in mehrere Sprachen, die wiederum bei Geestland Verwendung fanden. Die Geschäftsführung habe sich sehr kooperativ gezeigt und dafür gesorgt, dass den Mitarbeitern Bargeld für die Einkäufe zur Verfügung stand, sagt Rinne.

Die 14-tägige Quarantäne bei Geestland bedeutete für die Wildeshauser Corona-Helfer die größte Herausforderung des Jahres. Täglich gab es mehrere Anfragen. „Glücklicherweise bot Nataliya Kamenova, eine Beschäftigte von Geestland, über Facebook Hilfe an. Sie stand zwar selber unter Quarantäne, dolmetschte aber fast rund um die Uhr“, freut sich Rinne noch heute über das wertvolle Engagement.

In einem Jahr ehrenamtlicher Tätigkeit seien nahezu 300 Hilfeanfragen bewältigt worden, blickt der Gruppengründer zurück. Bis zum Herbst war das Hilfetelefon wochentags täglich von 10 bis 12 Uhr besetzt. Während der Geestland-Quarantäne nachmittags zusätzlich zwei Stunden für bulgarische Anrufer. Außerhalb dieser Zeit und ab Herbst wurde ein Anrufbeantworter geschaltet, der täglich mehrmals abgehört wurde.

Anfragen gehen seit September zurück

Allerdings beschränkten sich die Anfragen seit September zunehmend auf einen Personenkreis, der unabhängig von der Pandemie Hilfe benötigt, berichtet Rinne. Regelmäßig wurden Kunden an das im Jahr 2019 gegründete Seniorennetzwerk weitergeleitet. Die erste Kontaktaufnahme zwischen von Döllen und Rinne von der Nachbarschaftshilfe einerseits sowie Regina Nagel und Manfred Huisinga vom Seniorennetzwerk andererseits fand bereits im Herbst 2020 statt. Man wollte frühzeitig für die Zeit nach Corona planen.

Die Facebook-Gruppe weist immerhin noch fast 1 400 Mitglieder auf. Die Administratoren sind der Meinung, dass es schade wäre, dieses Potenzial an bürgerschaftlichem Engagement ins Leere laufen zu lassen. So entschieden sich die Verantwortlichen, die Gruppe im Seniorennetzwerk weiterleben zu lassen, teilt Rinne mit.

Der angedachte Übergabetermin Ende Dezember wurde allerdings wegen der zweiten Coronawelle verschoben. „Doch neue Hilfeanfragen mit Bezug zu Corona blieben aus. Die Menschen finden sich inzwischen mit den Umständen besser zurecht“, beobachtet Rinne. Zudem biete das DRK einen weiteren Einkaufsservice für Risikopatienten an. Direktbestellungen bei Supermärkten seien ebenfalls möglich.

Nach einem Jahr Aktivität stellt die Gruppe nun ihre Arbeit ein. Am Montag übernahm das Seniorennetzwerk die Gruppe „Wildeshausen hilft“ und wird sie in ihre Vereinstätigkeit einbinden. Vorerst wird das Hilfetelefon aber erst einmal weiterhin erreichbar sein.

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