Baum stand unter Erhaltungsschutz

Geschützte Buche in kurzer Zeit gefällt und entsorgt

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Cecilia Hogeback konnte es nicht fassen: Innerhalb kürzester Zeit wurde die gesunde Buche mit einem Stammdurchmesser von mindestens einem halben Meter an der Harpstedter Straße gefällt und abtransportiert.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Das wird Cecilia Hogeback so schnell nicht vergessen: Am Donnerstag vergangener Woche war sie mit ihrer Tochter Marion für rund anderthalb Stunden in der Wildeshauser Innenstadt. Als sie zurückkam, war die unter Erhaltungsschutz stehende, über 20 Meter hohe Buche vor ihrem Grundstück gefällt und komplett abtransportiert worden.

„Es war sogar sauber gefegt“, wundert sich die 85-Jährige über das Tempo der Aktion, bei der auch ein Kranwagen im Einsatz gewesen sein muss. Hogeback konnte nach eigenen Angaben bei der Heimkehr zunächst gar nicht glauben, dass sowohl der Zaun zum Grundstück an der Harpstedter Straße als auch die Buche komplett verschwunden waren.

Von der Stadt Wildeshausen wurde der Seniorin bestätigt, dass der Baum mit einem Durchmesser von mehr als 50 Zentimetern so einfach nicht hätte gefällt werden dürfen. Das bescheinigte am Dienstag auch Karl Düßmann vom Bauordnungsamt des Landkreises Oldenburg. Es liege zwar ein Bauantrag für ein Doppelhaus mit zwei Wohneinheiten je Hälfte und einer Gebäudehöhe von bis zu 9,50 Meter vor, dieser sei aber noch nicht genehmigt. Für den Erhalt des Baumes sei die Frage entscheidend, ob an der Stelle zwei Zufahrten zur Harpstedter Straße genehmigt würden. Aber erst im Falle dieser Erlaubnis hätte es dann die Möglichkeit gegeben, den Baum zu fällen.

Baum war ein Geschenk an den Vater

Die Buche war 70 Jahre alt. Das weiß Cecilia Hogeback so genau, weil ihr Vater Fritz Nieswandt zu dem Zeitpunkt, als die Reichsmark durch die Deutsche Mark abgelöst wurde, die Grundstücke an der Harpstedter Straße erworben hatte. Im hinteren Bereich hatte er das Haus gebaut, der vordere Bereich wurde für den Gemüseanbau genutzt. „Damals hat mein Vater die Buche von Gärtner Oelmann geschenkt bekommen“, erinnert sich die Seniorin. In den vergangenen Jahren habe sie immer wieder Angst gehabt, dass die Krone bei einem Sturm auf ihr Haus fallen könnte. „Da wurde mir aber vom Landkreis schon mitgeteilt, dass der Baum kerngesund ist, und ich einige Probleme bekommen würde, wenn die Buche einfach gefällt wird“, erzählt sie.

Im Jahr 2016 hatte Hogeback das Areal an der Harpstedter Straße an einen Interessenten aus Vechta verkauft. „Der wusste, dass der Baum nicht gefällt werden darf“, betont sie.

Offenbar hat das Grundstück aber erneut den Besitzer gewechselt. Der Name ist selbst dem Bauordnungsamt des Landkreises noch nicht bekannt, weil der Bauantrag noch vom alten Besitzer gestellt worden ist.

Den Auftraggeber erwarten Sanktionen

Fakt ist: Die Fällaktion muss den Angaben der Hogebacks zufolge minutiös geplant gewesen sein. Denn bei der Heimkehr sei von dem Baum nichts mehr da gewesen. „Es standen noch drei Fahrzeuge dort“, so Marion Hogeback. „Die Leute dort wollten aber nichts von einem Baum wissen, der dort gestanden hat.“

Auf den Auftraggeber dürften in jedem Fall Sanktionen zukommen. Und Hogebacks müssen damit rechnen, dass nicht nur die Buche weg ist, sondern schon bald die Bagger anrücken und an der Harpstedter Straße ein stattliches Haus gebaut wird, dessen Höhe und Breite dem Bebauungsplan entspricht. An der Stelle können durchaus bis zu drei Geschosse entstehen, solange die Gebäudehöhe von 9,50 Meter nicht überschritten wird. Der schöne Ausblick auf die Bäume an der Harpstedter Straße ist dann auf jeden Fall passé

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