Fehlende Erzieher in Wildeshausen

Offener Protestbrief an die Stadtverwaltung

Hortbetreuung schwierig: In Wildeshauser Einrichtungen fehlen Erzieher.
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Hortbetreuung schwierig: In Wildeshauser Einrichtungen fehlen Erzieher.

Wildeshausen – Angesichts der Betreuungssituation im städtischen Hort an der Wallschule (siehe unseren nachstehenden Bericht vom 15. September) haben zwei Eltern einen offenen Brief an den Wildeshauser Bürgermeister Jens Kuraschinski geschrieben.

Darin kritisieren Sophie und Tobias Peltzer die Kommunikation der Verwaltung und die Mängel in der personellen Ausstattung. Der Brief ging am Donnerstag auch an den Rat und die Presse. Die Stadt reagierte schnell und kündigte an, für Anfang nächster Woche zum Gespräch einzuladen. Man wolle, so der Vertreter des Bürgermeisters, Thomas Eilers, die konkreten Probleme darstellen und den gemeinsamen Austausch pflegen.

In dem Schreiben heißt es, die Kinder würden von einer Notbetreuung in die andere geraten, wüssten morgens vor Schulbeginn nicht, auf wen sie nachmittags im Hort noch treffen. „Feste Ansprechpartner/Bezugspersonen? Immer öfter Fehlanzeige“, so Sophie und Tobias Peltzer. „Teilweise merken sich die Kinder nicht mal mehr die Namen der Aushilfskräfte, da die ja eh nicht lange da sein werden.“

Des Weiteren gebe es personelle Wechsel und langfristige Ausfälle im Hort. „Warum erfährt man dazu nichts aus Ihrem Haus? Die Situation ist bei Ihnen also durchaus bekannt und kein vages Szenario. Wird hier eine ,Salami-Taktik‘, was die Kommunikation angeht, gefahren?“, wollen die Eltern vom Bürgermeister wissen.

Im Folgenden formulieren sie mehrere Fragen an die Verwaltung:

Was tut die Stadt Wildeshausen, um diesem seit Jahren anhaltenden Betreuungsmangel zu begegnen? Die Situation ist schließlich für alle Gemeinden gleich, aber wodurch hebt sich Wildeshausen in der Personalsuche von anderen ab?

Ist die Stadt bereit, aus eigener Kasse über die festgeschriebene Stellenvergütungen hinaus (Stichwort öffentlicher Dienst), Anreize für Bewerber zu schaffen? Bonus zum Gehalt? Kostenlose Wohnung für die ersten ein bis drei Jahre bei Zuzug einer Fachkraft in die Gemeinde?

Gibt es Maßnahmen über das simple Veröffentlichen von Stellenausschreibungen hinaus? Werden potenzielle Fachkräfte direkt angesprochen und abgeworben (Headhunter) oder gibt es Kooperationen mit Berufsschulen, um mögliche Absolventen bereits frühzeitig für die Stadt zu gewinnen?

Warum werben Sie um den Zuzug von jungen Familien, wenn Sie die darauf folgende Betreuung für die Kinder nicht sicherstellen können?

„Wir würden uns freuen, wenn sich aus diesem Brief ein offener Dialog entwickelt. Es dürfte wohl in unserer aller Interesse sein, das Beste für die Kinder zu erreichen“, heißt es in dem Schreiben von Sophie und Tobias Peltzer. Nun sind Bürgermeister und die Politik am Zug.

Unser Artikel vom 15. September: Seit Jahren gibt es in Wildeshausen – wie in vielen anderen Kommunen – Engpässe in den Kindergärten und Horten, weil es an Erziehern fehlt. Jetzt muss die Stadtverwaltung jedoch per Brief vorsorglich davor warnen, dass die Versorgung im Kinderhort der Wallschule aus personellen Gründen möglicherweise bald vorübergehend nicht mehr gewährleistet werden kann und die Kinder nach der Schule nicht betreut werden können.

Das ist misslich, denn der geplante Kinderhort an der neuen St.-Peter-Schule konnte mit dem neuen Schuljahr schon gar nicht an den Start gehen, weil es an Betreuungspersonal fehlt.

„Wir haben die Stellen mehrfach ausgeschrieben und auch über externe Anbieter nach Erziehern und Betreuern gesucht“, teilt Stadtpressesprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage mit. „Der Markt ist jedoch leer.“

„Es fehlt nicht nur an pädagogischen Kräften für die Gruppen, sondern insbesondere auch an Vertretungskräften“, schreibt Fachbereichsleiterin Rita Manietta an die Eltern des Kinderhortes der Wallschule. Sollte die Betreuung dort nicht mehr möglich sein, würden die Eltern vormittags informiert werden und müssten ihr Kind dann nach Ende der Schulzeit abholen.

„Ich kann verstehen, dass bei den Eltern großer Unmut herrscht“, so Manietta. „Aber es ist sicherlich besser, vorher zu warnen.“

Stadtverwaltung hofft auf bessere Personalsituation

Aktuell stehen im städtischen Kinderhort an der Wallschule 20 Plätze zur Verfügung. Zwei Kinder wurden kurzfristig abgemeldet, sodass derzeit 18 Plätze besetzt sind. Auf der Warteliste sind laut Manietta neun Mädchen und Jungen erfasst. „Ich hoffe, dass sich die Personalsituation bald verbessert, sodass die freien Plätze dann nachbesetzt werden können“, sagt sie und lobt das Engagement der beschäftigten Kräfte. „Das ist sehr groß, obwohl es immer wieder enge Situationen gibt.“

Das Problem dürfte nach Einschätzung der Stadtverwaltung für alle Einrichtungen – auch für die freien Träger – nicht kleiner werden. „Dafür müsste der Beruf attraktiver werden“, so Manietta. Das Land sei zwar darum bemüht, doch bei einer vierjährigen Ausbildung sei nicht so schnell damit zu rechnen, dass neue Kräfte auf den Markt kommen.

Bislang erhalten viele Erzieher in ihrer Ausbildung gar kein Geld, was die Bereitschaft, den Beruf zu erlernen, angesichts eines späteren auch nicht üppigen Verdienstes nicht gerade erhöht.

Von daher ist die Stadtverwaltung im Sommer froh darüber gewesen, dass für den Kindergarten an der Weizenstraße genügend Fachkräfte eingestellt werden konnten. Andernfalls hätten die gerade fertiggestellten Räume in der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme gleich leergestanden – und viele Eltern hätten nicht gewusst, wo sie ihr Kind unterbringen können.  dr

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