Frau gab sich als Joggerin aus 

Kommissarin undercover: Exhibitionist gestoppt und verurteilt

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Mit diesem Phantombild suchte die Polizei den Täter, konnte ihn aber damit nicht ermitteln.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Weil Ende des Jahres 2015 mehrere Fälle von exhibitionistischen Handlungen angezeigt wurden, ohne dass der Täter gefunden werden konnte, ermittelten zwei Wildeshauser Kriminalhauptkommissarinnen ungewöhnlich und gaben sich als Joggerinnen aus. Schon bald entblößte sich ein Mann vor dem Schafkoben auf dem Pestruper Gräberfeld vor der Beamtin – und stand am Montag vor Gericht.

Verhandelt wurden vor der Amtsrichterin zwei Fälle, bei denen zwei Wildeshauser Frauen belästigt worden waren. Der 24-jährige arbeitslose Mann wurde zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt und bekam von der Richterin die klare Ansage mit auf den Weg, sich Hilfe zu besorgen, da er möglicherweise ärztlich behandelt werden müsse.

Der Staatsanwalt hatte angeklagt, dass der Mann am 17. Dezember 2015 eine 24-jährige Wildeshauserin angesprochen und mit den Worten „Guck mal“ sowie „Willst du?“ sein Geschlechtsteil entblößt hatte. Am 5. Februar 2016 sei der Angeklagte einer 46-jährigen Wildeshauserin am Pestruper Gräberfeld bis auf drei Meter nahegekommen und habe mit den Worten „Are you scary?“ (Hast du Angst?) sein Geschlechtsteil gezeigt.

Undercover: Kommissarin stellt Exhibitionisten

Am 23. Februar hatte das Treiben ein Ende, als die Kriminalhauptkommissarin dem Mann begegnete und er sich in eindeutiger Pose präsentierte. Sie zeigte ihm den Dienstausweis, dann ging es zur Vernehmung auf die Wache.

Der Mann war vor Gericht nicht einsichtsfähig. Er habe in beiden Fällen urinieren müssen, ließ er übersetzen. Im ersten Fall habe er auf einer Bank gesessen, als die junge Frau mit ihrem Hund vorbeigekommen sei. Er habe sie nicht rechtzeitig gesehen und sich dann entschuldigt, nachdem er die Hose wieder geschlossen hatte. Auch im zweiten Fall sei er in einem Wäldchen ausgetreten, als die Frau überraschend mit ihrem Hund vorbeigekommen sei. Er könne kein Englisch und habe gefragt, ob sie sich erschrocken habe. „Sie hat mich wohl falsch verstanden.“

Das mochte ihm aber niemand glauben, da es im fraglichen Zeitraum fünf Fälle gegeben hatte, die aber nicht alle gerichtlich verfolgt wurden. Die Polizei hatte sogar ein Phantombild gefertigt, um Hinweise zu bekommen.

Die 24-Jährige Wildeshauserin hatte der Richterin geschildert, dass der Mann zunächst mit englischen und deutschen Sprachbrocken mit ihr gesprochen hatte. Dann plötzlich sei die Hose gefallen. „Ich war total erschrocken und bin schnell weg“, berichtete sie.

Mann entblößt sich am hellichten Tag 

Die zweite Frau hatte den englischen Satz ganz genau gehört, als der Mann sein Geschlechtsteil entblößte. Sie hatte ihn gut erkannt, weil es noch taghell war. Er sei ihr nur wenige Meter gefolgt. „Es war abstoßend“, sagte sie.

„Die Zeugen waren sehr glaubhaft. Der Angeklagte trägt hier nur Schutzbehauptungen vor, er zeigt keine Reue“, zog der Staatsanwalt Bilanz und beantragte 1350 Euro Strafe.

Das sah auch die Richterin so und schloss sich dem Antrag an. „Sie haben versucht, sich herauszureden. Das glaubt Ihnen niemand. Zudem haben Sie es darauf angelegt, die Frauen zu verängstigen oder zu verstören.“ Möglicherweise habe er eine Verhaltensstörung, die ärztlich behandelt werden müsse. „Bei der nächsten derartigen Tat können Sie mit einer Freiheitsstrafe rechnen“, machte sie dem 24-Jährigen deutlich. „Sexuelle Befriedigung müssen Sie sich anders suchen. Sie müssen sich zudem Hilfe besorgen.“

Der Angeklagte nahm das Urteil ebenso wie der Staatsanwalt an. Es ist somit rechtskräftig. Unklar blieb, ob der Verurteilte die Unrechtmäßigkeit seines Tuns in der ganzen Tragweite erfasst hatte.

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