Ein Schaustellertrecker fehlt noch

Alte Liebe: Gerd Varnhorn aus Wildeshausen besitzt fünf historische Ackerschlepper

Gerd Varnhorn mit seiner Sammlung historischer Trecker.
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Gerd Varnhorn mit seiner Sammlung historischer Trecker.

Fünf historische Ackerschlepper umfasst die Sammlung von Gerd Varnhorn schon. Nicht genug – einer soll demnächst noch hinzukommen. „Mein Kinderwunsch war ein Schaustellertrecker von Hanomag.

Wildeshausen – „Der mit den langen Kotflügeln“, gerät der 71-jährige Wildeshauser sofort ins Schwärmen, wenn er an den Klassiker aus den 50er-Jahren denkt. „Ich habe schon einen in Aussicht.“ Dieses Wochenende schaut er sich ein Exemplar an, das demnächst seine Treckerflotte bereichern könnte.

Mit sechs Jahren das erste Mal hinter dem Lenkrad

Schon als kleiner Junge hat sich Varnhorn für die urigen Nutzfahrzeuge begeistert. „Wir hatten eine Landwirtschaft. Deshalb bin ich mit Treckern groß geworden“, blickt er zurück. Mit sechs Jahren saß er als Steppke das erste Mal hinter dem Lenkrad eines Massey Ferguson. „Mein Opa Jan Watermann hatte Latten zurechtgesägt und mit Draht an die Pedale gebunden, damit meine Brüder und ich mit unseren kurzen Beinen ans Gas und an die Bremse kamen“, erinnert sich Varnhorn noch lebhaft. „Dann hat er einen Hänger angekuppelt und wir mussten los, Kartoffeln holen.“

Mithilfe des Schwungrades sucht Varnhorn den oberen Totpunkt des Kolbens, um den Trecker anwerfen zu können.

Für einige Zeit verlor Varnhorn seine Treckerbegeisterung aus den Augen, machte als junger Mann eine Ausbildung zum Autoschlosser und kehrte damit auch der Landwirtschaft den Rücken. Vor gut 20 Jahren holte ihn sein Interesse an Ackerschleppern wieder ein. „Das war Zufall. Ein Bekannter aus Hengstlake hatte einen 15er Deutz stehen, den ich für 1 000 Mark bekommen konnte“, berichtet der Wildeshauser. Er überlegte nicht lange, kaufte den Oldtimer und transportierte ihn nach Hause. Dort zerlegte und restaurierte er den Trecker von Grund auf. Der liebevoll „Knubbel-Deutz“ genannte Typ FL15 aus dem Jahr 1950 blieb nicht lange alleine. Nach und nach erweiterte Varnhorst seine historische Sammlung. Er verkaufte Exemplare und erwarb wieder neue. Gegenwärtig umfasst seine Flotte drei Trecker der Marke Deutz, die zwischen 1936 und 1971 die Werkshallen des Unternehmens verließen. Zudem besitzt der Wildeshauser einen Normag sowie einen Allgaier aus den 40er-Jahren. Zwei seiner Schlepper haben noch die Originalkennzeichen aus der britischen Besatzungszone.

Aufwendige Startprozedur

Schweren Herzens will er sich von seinen beiden ältesten Exemplaren trennen. Sowohl der kleine Deutz aus dem Jahr 1936 als auch der Allgaier müssen per Hand aufwendig und mit viel Muskelkraft gestartet werden. „Das ist nichts mehr für mich in meinem Alter“, erklärt Varnhorn. Lange werden die beiden wohl keine Lücken hinterlassen. „Das Treckerkaufen ist bei mir wie eine Sucht“, gibt der Wildeshauser zu. Seine Taktik für ein gutes Geschäft ist ganz einfach. „Ich habe immer Geld dabei und trinke mit dem Verkäufer dann so lange Tee, bis ich ihn habe“, verrät er.

Der kleine Deutz aus dem Jahr 1936 braucht keine Straßenzulassung. Er ist maximal sechs Stundenkilometer schnell.

Doch nicht nur das Kaufen ist ihm wichtig. Varnhorn pflegt seine Schätzchen akribisch. Jedes Exemplar ist für die Straße zugelassen, startklar und auf Hochglanz poliert. „Bei mir steht kein Schrott auf dem Hof“, betont der Sammler.

Selbstverständlich bewegt er seine Schätzchen bei Ausflügen oder zu Treffen in der Region auch regelmäßig. Für etwas weitere Touren kuppelt der Wildeshauser einfach einen Wohnwagen an. Demnächst kann er alternativ einen weiteren Ackerschlepper auf seinem Trailer mitnehmen. Natürlich ist auch der Anhänger schon ein Oldtimer, den Varnhorst zunächst restaurieren musste. Gegenwärtig fehlen für die Straßenzulassung noch ein paar Restarbeiten.

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