„Ehe für alle“ wird von der evangelischen Kirche begrüßt

Wenn zwei Männer oder Frauen vor den Altar treten

In der Wildeshauser Alexanderkirche könnte es auch Segensgottesdiente für gleichgeschlechtliche Paare geben. Die katholische Gemeinde würde den Segen außerhalb des Gotteshauses erteilen. - Foto: dpa

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Der Bundestag hat am 30. Juni das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ verabschiedet, das auf einem Gesetzentwurf des Bundesrats beruht. Danach können in Zukunft in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe eingehen – mit allen Rechten. Wie aber sieht es mit einer kirchlichen Trauung aus, ist diese in Wildeshausen möglich?

„Wir würden natürlich den Segen Gottes erteilen, wenn uns ein Paar darum bittet. Allerdings darf es keinesfalls nach einer kirchlichen Trauung aussehen“, so Pfarrer Ludger Brock von der katholischen St.-Peter-Gemeinde Wildeshausen. Daher würde er diesen Segen auch nicht in der Kirche erteilen: „Dann hätte es nämlich für die Menschen den Anschein einer Trauung. Und die gibt es in der katholischen Kirche für gleichgeschlechtliche Paare auf keinen Fall.“

Pastorin Beatrix Konukiewitz von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wildeshausen begrüßt die Entscheidung für die „Ehe für alle“: „Ich habe die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft schon begrüßt. Das wird auch in der oldenburgischen Kirche so gesehen.“ Allerdings müsse ja noch geprüft werden, ob das Gesetz zum Tragen kommt: „Wenn das aber der Fall ist, dann steht auch Segensgottesdiensten in der Alexanderkirche nichts im Wege.“ Bei jeder Trauung handele es sich um einen Gottesdienst mit der Bitte um den Segen für die Lebensgemeinschaft: „Da spielt es keine Rolle, um welche Paare es sich handelt. Bei uns ist die Trauung kein Sakrament, wie es in der katholischen Kirche der Fall ist.“ Diese Gottesdienste habe es auch schon für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gegeben.

Seit 2001 gibt es in Deutschland diese gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft, die nun durch eine Ehe, gleichgestellt mit Hetero-Paaren, ersetzt wird. In der Kreisstadt wurden nach Auskunft des Standesbeamten Karl-Heinz Mucker seit 2003 zwölf solche Lebenspartnerschaften beurkundet: „Dabei handelte es sich um fünf weibliche Paare und sieben männliche, die jedoch nicht alle aus der Kreisstadt kamen.“ Aber was ändert sich nun mit der „Ehe für alle“? „Das kann ich noch nicht genau sagen, weil uns das Gesetz noch nicht vorliegt“, so Mucker. Allerdings sei es wohl so, dass diese Paare die gleichen Rechte bekommen sollen wie jedes andere Paar auch: „Ich gehe davon aus, dass wir schon bald die gesamten Details erfahren werden“.

Schon seit einigen Jahren lebt Ralph Noffke mit einem Wildeshauser zusammen. Er begrüßt die Entscheidung für die „Ehe für alle“: „Alles andere ist in meinen Augen eine Diskriminierung. Wer sich liebt, der muss auch die Möglichkeit haben, richtig heiraten zu dürfen.“ Dazu gehörten auch die kirchliche Trauung sowie das Adoptieren von Kindern: „Ich würde meinen Partner sofort heiraten, allerdings zieht er das bisher noch nicht so wirklich in Betracht. Aber das kann sich auch noch ändern.“ Er habe zuvor schon eine längere Beziehung gehabt: „Wenn es da schon die Möglichkeit einer echten Ehe gegeben hätte, hätten wir auch geheiratet und auch ein Kind adoptiert. Aber die bisherige Beurkundung einer Lebenspartnerschaft ist in meinen Augen nichts Halbes und nichts Ganzes gewesen.“

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