Teppich nicht mehr im Trend

„Bramlage Bodenbeläge“ schließt nach knapp 50 Jahren den Betrieb

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Doris Bramlage und Hans-Werner Grubich wollen ihre Lagerbestände verkaufen und dann den Betrieb schließen.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der Trend geht seit einigen Jahren weg vom Teppich – hin zu Laminat, Vinyl- oder Holzboden. Kaum einer kauft noch Velours, Nadelfilz oder Schlinge, und deshalb schließen Doris Bramlage sowie Hans-Werner Grubich Ende September nach 50 Jahren „Bramlage Bodenbeläge“ in Wildeshausen. Ab Montag beginnen der Resteverkauf und damit die letzten Wochen eines Traditionsbetriebes.

„Alles muss raus“, sagt Bramlage. „Gleichzeitig wollen wir uns bei allen Kunden bedanken, die unserem Betrieb die Treue gehalten haben.“ Sie und Grubich schließen die Firma zwar mit großem Bedauern, doch der Wandel der Zeit habe dafür gesorgt, dass es am Ende keine Perspektive mehr gibt. „Wir wollen ohne Belastungen abschließen und nicht noch rote Zahlen schreiben“, macht Grubich deutlich.

Teppich boomte bis kurz vor der Jahrtausendwende

Vor knapp 50 Jahren sah die Lage ganz anders aus, als Hildegard und Josef Bramlage in einer Garage an der Ratsherr-Becker-Straße ihren Betrieb für Teppichverkauf und -verlegung eröffneten. Die Geschäfte gingen gut, Teppich war angesagt, und so zogen die Bramlages vor 45 Jahren an den Kornweg, wo sie auch eine 200 Quadratmeter große Halle bauten. Ursprünglich sollte der gesamte städtische Bereich Gewerbegebiet werden. Dann aber konzentrierten sich die Betriebe an den Westring, die Bramlages lagen inmitten von Wohnbebauung.

Dennoch lief das Unternehmen noch gut, als Doris Bramlage und Grubich im Jahr 1997 die Geschäfte übernahmen und die Halle um 200 Quadratmeter vergrößerten. „Teppich hat bis kurz nach der Jahrtausendwende noch richtig geboomt“, so die Inhaber. Dazu hatten sie mit Rudi Kunze, der wegen seiner handwerklichen Fähigkeiten nur „Rudi Nahtlos“ genannt wurde, einen absoluten Spezialisten als Angestellten an ihrer Seite.

Internet und Baumarkt nehmen den professionellen Verlegern die Kunden

Die Wende kam mit der besseren Bestellmöglichkeit und Tiefpreisen im Internet sowie neuen Bodenbelägen wie Laminat und Vinylplatten. Das Material gab es zudem extrem günstig im Baumarkt, und viele verlegten es gleich selbst. Für professionelle Verleger, die auf hohe Qualität der Beläge achten und viel Wert auf fehlerfreie Arbeit legen, habe es immer weniger Aufträge gegeben. „Wir haben zwar bis heute unsere Stammkunden, doch die werden immer weniger“, sagen Bramlage und Grubich. Ihr Betrieb sei seit jeher Garant für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gewesen. Doch die jüngere Generation kaufe lieber im Internet oder Baumarkt ein und wünsche sich einen modernen Markt mit viel Flair. „Dafür hätten wir vielleicht vor Jahren an den Westring wechseln müssen“, überlegen die Geschäftsleute. „So einen Betrieb wie unseren gibt es jetzt weit und breit nicht mehr.“

Bald auch nicht mehr in Wildeshausen, wo die Inhaber aber erhobenen Kopfes die Tür abschließen werden. Zuvor wollen sie sich verabschieden und die Ware, die noch im Lager ist, zu deutlich reduzierten Preisen verkaufen. Was dann mit der Halle geschieht? Vielleicht findet sich ja ein Internethändler, der nicht in Schaufensterlage für Laufkundschaft präsent sein muss und sein Sortiment ab Lager verkauft sowie verschickt. Für Bramlage und Grubich ist das Kapitel Teppichhandel und -verlegung dann aber schon längst abgeschlossen.

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