Gildeclub-Mitglieder in Feinrippunterhosen und mit Helm im Schacht

„Amtsbrüder“ unter Tage im Steinkohlebergwerk

Die „Amtsbrüder“ in ungewohnter Kleidung.

Wildeshausen - Die Wildeshauser Gildeclubs sind an Fantansie kaum zu überbieten, wo sie ihre Frackproben oder Treffen abhalten. Ob im Stadion „Old Trafford“ in Manchester oder auf Mallorca – die Pfingstbrüder trifft man überall. Unter Tage waren Gilde-Mitglieder aber wohl bisher noch nicht. Das änderte jetzt der Club „Amtsbrüder“. Er war im Bergwerk in Ibbenbühren.

Wie in jedem Jahr treffen sich die „Amtsbrüder“ einige Wochen vor dem Gildefest in geselliger Runde, um die Quartierfrage, das Königsschießen und sonstige Aktivitäten des Gildeclubs zu besprechen. Als Uwe Dölemeyer, gebürtig aus Ibbenbühren und aus einer alteingesessenen Bergmannsfamilie stammend, wiederholt über den Steinkohlebergbau in und um seinen Heimatort berichtete, hatte er schnell das Interesse der anderen Gildemitglieder geweckt. Die Gruppe bewarb sich um eine Führung und durfte schließlich mit zehn Mitgliedern an einer Grubenfahrt teilnehmen.

Da der Termin mitten in der Woche lag und deswegen nicht alle „Amtsbrüder“ dabei sein konnten, wurden freie Plätze durch Freunde aufgefüllt, sodass sich schließlich neun Personen auf den Weg machten. Nach der Besichtigung über Tage wurde es für die Gilde-Mitglieder ernst. „Wir wurden zur Waschkaue (Umkleide) geführt, wo wir komplett für unsere Grubenfahrt unter Tage neu eingekleidet wurden. Bis auf eigene Brillen durfte nichts mitgenommen werden. Weder Frack noch Holzgewehr oder Ehering hatten im Berg etwas zu suchen“, berichtet der Club. Dafür gab es Feinrippunterhosen, Wollsocken, Schachthemd, Handtücher, Seife, Anzug und Schuhe vom Bergwerk. Nach der Neueinkleidung erhielten die „Amtsbrüder“ eine persönliche Sicherheitsausrüstung mit Schutzhelm, Brille, Koppelgurt, Schienbeinschoner, Grubenlampe und einen Chip zu persönlichen Kennung.

Mit dem Förderkorb und einer Fallgeschwindigkeit von rund zehn Meter in der Sekunde ging es in die Tiefe von rund 1 280 Metern. Zu Fuß legten die Teilnehmer dann drei Kilometer zurück. „Da wir auf diesem Weg mit der eingetragenen Frischluft gelaufen sind, war es praktisch windstill, was wiederum bei den molligen Temperaturen zu etlichen Schweißattacken führte“, berichten die Gilde-Brüder. „Der Helm rutschte, und der Koppelgurt mit dem Gehänge zog nach unten. Am Flöz angekommen, mussten wir uns kriechend weiter bis zum Kohlehobel durchschlagen.“ Auf dem gleichen Weg ging es zurück, doch die Tour war damit nicht beendet. „So wie wir waren, wurden wir nun zu einem Abendessen eingeladen. Bei Hochzeitssuppe, Schnittchen und Frikadellen sowie etlichen Flaschen Mineralwasser und Limonade ließen wir das Erlebte noch einmal Revue passieren“, berichtet Dölemeyer. Einige waren sich die „Amtsbrüder“ dann mit ihrer Erkenntnis des Tages: „Lieber mit der Gilde feiern, als unter Tage schuften. Aber Hochachtung für die Kumpels.“

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