Altenpflegeschüler befragen Wochenmarktkunden

BBS-Projekt: „Mit der Muttersprache erreicht man Menschen besser“

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Hella Einemann-Gräbert (M.) im Gespräch mit einer Wochenmarktbesucherin in Wildeshausen.

Wildeshausen - Sie trugen während des Wildeshauser Wochenmarktes weiße T-Shirts mit dem Spruch „Muttersprache öffnet Herzen“, und sie sprachen Passanten sowie Gäste in Eisdielen, Geschäften und Lokalen an, um ihnen Fragen zu stellen: 14 Altenpflegeschüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) wollten am Donnerstag mit den Bürgern ins Gespräch kommen.

Unter dem Motto „Platt is cool“ beschäftigen sich die BBS seit einigen Jahren mit dem Thema „Plattdeutsch in der Pflege und im Gesundheitswesen“.„Unsere Erfahrungen und Beobachtungen, besonders bei Menschen, die gesundheitlich eingeschränkt sind, zeigen uns deutlich, dass eine Ansprache in der Mutter- oder Erstsprache Herzen öffnet und somit die notwendigen pflegerischen Handlungen erweitert“, verdeutlichten die Schüler in der Einkaufszone. Mit ihrem Fragebogen wollten sie herausfinden, welche Erfahrungen die Bürger bisher mit der Kommunikation in der Muttersprache gemacht haben und was sie von dem schulischen Angebot „Plattdeutsch gehört in die Pflege“ halten.

Mit dem Projekt sind die BBS nach Auskunft von Lehrerin Hella Einemann-Gräbert absoluter Vorreiter im Land Niedersachsen. In der Schule ist der Plattdeutsch-Unterricht seit 2010 Teil des Lehrplans. Und schon bald soll per Erlass landesweit geregelt werden, dass in der Ausbildung im Gesundheitswesen verbindlich ein halbes Jahr lang niederdeutsch gelehrt wird.

Auf den T-Shirts der Schüler war in verschiedenen Sprachen „Muttersprache öffnet Herzen“ gedruckt.

„Muttersprache öffnet wirklich Herzen“, hat Einemann-Gräbert schon oft erfahren. So habe sie immer wieder Kontakt zu ansonsten verschlossenen und schweigsamen Menschen in Einrichtungen bekommen, indem sie diese mit wenigen plattdeutschen Sätzen angesprochen habe.

Das ist eine Erfahrung, die auch die 54-jährige Altenpflegeschülerin Angela Berlage teilt. „Ich arbeite in der ambulanten Pflege bei der Norle“, berichtete sie. „Man bekommt mit einer plattdeutschen Ansprache oft einen besseren Zugang zu den Leuten. Sie reagieren in der Regel sehr erfreut darauf.“

Bei dem Projekt geht es aber nicht nur um Plattdeutsch, betonen die Schüler. Mal ist es die kurdische, russische oder englische Sprache, die Türen zu den pflegebedürftigen Menschen öffnet – auch dann, wenn sie dement sind. „Eine unserer Schülerinnen aus China spricht mandarin aber auch plattdeutsch. Das ist total schön“, berichtete Einemann-Gräbert. Die angehenden Altenpfleger ließen sich bei ihrer Befragung in der Innenstadt von einem eigenen Schüler-Filmteam begleiten. Sie wollen mit sechs Beiträgen am Filmwettbewerb der Plattdüütschstiftung Niedersachsen teilnehmen. Die Aufnahmen dürfen jeweils nicht länger als fünf Minuten lang sein. Unterstützt wurde die Aktion vom Plattdeutsch-Beauftragten der Stadt Wildeshausen, Friedrich Ahlers, und der Dötlinger Gästeführerin Dette Zingler als plattdeutsch sprechende „Elise Plietsch“. - dr

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