Kommunen stehen in der Pflicht, sich um Betroffene zu kümmern

Wie Obdachlose im Kreis versorgt werden

Eher selten: Klassische Großstadt-Obdachlosigkeit gibt es im Landkreis Oldenburg nicht. 
Symbolfoto: DPA
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Eher selten: Klassische Großstadt-Obdachlosigkeit gibt es im Landkreis Oldenburg nicht. Symbolfoto: DPA

Landkreis – Wird ein Mensch obdachlos, hat der Staat für seine Unterbringung zu sorgen. Doch wie ist die Notfallversorgung im Landkreis Oldenburg ausgestaltet und wie sehen die Fallzahlen aus? Zuständig im Kreis sind jeweils die Gemeinden. Ramona Dahms vom Fachbereich Bürgerdienste und Soziales der Gemeinde Hude erklärt grundsätzlich, dass der Status bei Obdachlosen beziehungsweise Menschen ohne festen Wohnsitz im Ausweisdokument festgeschrieben ist. Diese Leute könnten da, wo sie sich gerade aufhalten, bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung Sozialleistungen in Form eines Tagessatzes beantragen. Das gehe maximal für drei aufeinander folgende Tage, so Dahms. Der Satz betrage ein Dreißigstel des Monatsregelsatzes nach Sozialgesetzbuch II.

Diese Menschen würden jedoch nicht im Rahmen der Gefahrenabwehr in die sogenannten Obdachlosenunterkünfte eingewiesen. Für diese Personen gebe es in den größeren Städten, beispielsweise Oldenburg, Obdachlosenheime oder Unterkünfte, in denen sie vorübergehend nächtigen können, sagt Dahms.

Bei von Obdach Bedrohten handelt es sich um Menschen, denen kurzfristig der Verlust der Wohnung droht, beispielsweise durch eine Räumungsklage, die Außerhausweisung durch die Polizei bei Fällen von häuslicher Gewalt (sofern diese Personen nicht in Gewahrsam genommen werden), Wohnungsbrände und so weiter. Bei diesen Betroffenen sei die Gemeinde im Zuge der Gefahrenabwehr verpflichtet, vorübergehend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Diese vorübergehende Einweisung in die Unterkunft für Leute ohne Bleibe dieneals Maßnahme der Ersten Hilfe und ist nicht auf Dauer angelegt. Die Personen müssten sich schnellstmöglich um eigenen Wohnraum bemühen.

.  Hude

„In der Gemeinde Hude (Oldenburg) sind derzeit zwei Personen in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht“, erklärt Dahms. „Dazu möchte ich festhalten, dass thematisch zwischen ,Obdachlosen/Menschen ohne festen Wohnsitz‘ und ,von Obdach bedrohten Personen‘ unterschieden werden muss.“

„Aufgrund der Größe und Struktur der Gemeinde kommt Obdachlosigkeit glücklicherweise eher selten vor“, schildert Dahms. „In der Gemeinde halten wir aktuell zwei Wohnungen sowie zwei Einzelzimmer für die kurzfristige Unterbringung für von Obdachlosigkeit bedrohte Personen vor“, berichtet sie. Die Anzahl der Unterbringungen sei in den vergangenen Jahren „recht stabil“, es gebe immer mal wieder Phasen, wo innerhalb kürzester Zeit mehrere Personen untergebracht werden müssten. Zu anderen Zeiten wiederum gar keine.

.   Dötlingen

In der Gemeinde gibt es derzeit weder Wohnungslose noch Programme für Obdachlose wie Rathausmitarbeiter Bernd Brandes mitteilt. Laut ihm erfolgten jährlich eine bis drei Anfragen auf Unterbringung, für die eine Unterkunft oder Wohnung angemietet werde. Folgende Kriterien gelten für die Vergabe: „Wenn ein Mensch gegen seinen Willen (zum Beispiel durch Zwangsräumung) ohne Dach über den Kopf leben muss und er mit diesem Zustand nicht einverstanden ist, hat ihm die Gemeinde ein vorübergehendes Unterkommen einfacher Art zur Verfügung zu stellen“. Solch eine Maßnahme sei jedoch nur dann zu treffen, wenn der Wohnungslose weder aus eigenen Kräften noch mit eigenen Mitteln in der Lage ist, seine Obdachlosigkeit, wenn auch nur vorübergehend, zu beseitigen.

. Ganderkesee

„Derzeit leben in der Gemeinde Ganderkesee keine Obdachlosen, die untergebracht werden müssen“, sagt Meike Saalfeld, im Rathaus Gandereksee zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Bücherei. In der Vergangenheit seien Obdachlose, die in gemeindeeigenen Wohnungen untergebracht waren, regelmäßig von Sozialpädagogen besucht worden und hätten deren Gesprächsangebote auf Wunsch nutzen können, so Saalfeld.

„Von Obdachlosen zu unterscheiden sind Durchreisende beziehungsweise Nichtsesshafte“, erklärt sie. Dabei handele es sich um Menschen, die über keinen festen Wohnsitz verfügen, aber auch nicht untergebracht werden möchten. Diese Menschen erhalten auf Antrag eine finanzielle Unterstützung. Außerdem hätten

sie die Möglichkeit maximal drei Tage in der Jakobusklause in Falkenburg unterzukommen. Diese ist ein Angebot des Diakoniekonvents Falkenburg und werde von der Gemeinde Ganderkesee finanziell unterstützt.

Die Gemeinde selbst verfügt laut Saalfeld über fünf Zwei-Zimmer-Wohnungen, die vorwiegend für Einzelpersonen gedacht sind sowie drei Wohnungen, in denen Familien untergebracht werden können. Es zeichne sich kein Trend in den Fallzahlen ab. So habe es Zeiten gegeben, in denen drei Personen in den dafür vorgesehenen gemeindeeigenen Wohnungen untergebracht waren.

. Großenkneten

„Aktuell ist einer Familie im Rahmen der Obdachlosenunterbringung eine Wohnung zugewiesen“, sagt Klaus Bigalke, Erster Gemneinderat der Gemeinde großenkneten. Viele Anfragen obdachloser oder von Obdachlosigkeit bedrohter Personen könnten durch Hilfestellungen oder Beratungen geklärt werden, sodass die Zahl der Unterbringungen überschaubar sei, sagt er.

Zurzeit werden drei Objekte für die Unterbringung vorgehalten. Eine individuelle Verteilung (Einzelpersonen, Paare, Familien) sei somit möglich. Da jede Einquartierung von individuellen Faktoren abhänge, habe die Gemeinde keinen Kriterienkatalog für die Vergabe entwickelt, so Bigalke. Die Zahl der als wohnungslos gemeldeten Personen schwanke stetig. Die Entwicklung könne nicht abgeschätzt werden.

. Wardenburg

„In Wardenburg muss derzeit niemand auf der Straße leben“, sagt Pressesprecher Hendrik Müller. Aktuell seien zwei obdachlose Personen von der Gemeinde einquartiert. Wenn eine Person von Wohnungslosigkeit betroffen sei, müsse sie untergebracht werden, so Müller. Ansprechpartner für eine sozialpädagogische Beratung und Begleitung sei die Ambulante Wohnungslosenhilfe. Diese ist in Wildeshausen angesiedelt und biete auch Sprechzeiten in Ahlhorn und Ganderkesee an.

Im Februar 2019 wurde seitens des Gemeinderates entschieden, die überdimensionierte und sanierungsbedürftige Obdachlosenunterkunft an der Oldenburger Straße in Wardenburg aufzugeben. Stattdessen würden die von der Gemeinde für die Flüchtlingsunterbringung angemieteten Wohnungen genutzt, um wohnungslose Menschen dezentral unterzubringen. Sollten die verfügbaren Plätze nicht ausreichen, bestehe die Möglichkeit, Ferienwohnungen und Hotelzimmer anzumieten, ergänzt der Pressesprecher. Das Hauptkriterium für eine Unterbringung durch die Gemeinde sei eine bestehende oder akut drohende Obdachlosigkeit. „In Wardenburg konnte in den vergangenen Jahren ein Rückgang von Obdachlosigkeit verzeichnet werden“, sagt Müller. Wie sich das Thema weiter entwickele, sei schwer vorherzusagen.

Von Gregor Hühne

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